Reisebranche

Swiss-Chef: «Mitte 2016 wird die CSeries auf Strecke gehen»

Swiss-Ceo Harry Hohmeister

Swiss-Ceo Harry Hohmeister

Die Bombardier-Maschine vom Typ CSeries CS100 hat am Mittwoch kurz nach 19.15 Uhr in Zürich aufgesetzt. Im Interview spricht der Swiss-CEO über die verspätete Lieferung der neuen Flieger, einfachere Buchungen und den Etihad-Streit.

Herr Hohmeister, am Mittwochabend ist die erste Bombardier CSeries zu einem Kurzbesuch in Zürich angekommen. Nach der grossen Verspätung konnten Sie es wohl kaum mehr erwarten, oder?

Harry Hohmeister: Ja, das stimmt! Ich konnte die CSeries bereits am Montag an der Luftfahrtschau in Le Bourget in Paris vor Ort anschauen. Mich faszinierte es sehr, als die CSeries vor dem Publikum ihre Kreise drehte und man sie beinahe nicht hören konnte. Am Mittwochabend kam sie zum ersten Mal nach Zürich, wo man sich gleich selber davon überzeugen konnte. Wir erwarten die Zertifizierung noch in diesem Jahr. Mitte 2016 wird die CSeries dann auf Strecke gehen.

Hier landet der neue Swiss-Jet in Zürich

Hier landet der neue Swiss-Jet in Zürich

In welchem Takt werden die Flugzeuge ausgeliefert?

Wir werden erst einmal zehn CS100 mit 125 Sitzen bekommen. Sie werden weitestgehend 2016 und Anfang 2017 ausgeliefert. Ab 2017 werden zehn der grösseren Version CS300 mit 145 Sitzen folgen. Bis 2018 werden die CSeries die in die Jahre gekommenen Avros abgelöst haben. Damit werden wir über eine der jüngsten Flotten auf den Europastrecken verfügen.

Ist die Pilotenausbildung schon im Gange?

Die Vorbereitung dazu ist angelaufen. Wir bilden Instruktoren aus und erstellen Schulungsunterlagen. Für die Ausbildung der Piloten ist es noch etwas früh.

Werden das Avro-Piloten sein?

Ja, zuerst wird das so sein. Auf Basis der bestehenden Tarifverträge ist es möglich, dass auch die Airbus-Piloten die CSeries fliegen.

Wie gross ist der Rabatt, den der Hersteller der Swiss für die Verspätung gewährt?

(lacht) Wir bekommen keinen Rabatt. Zum Teil werden unsere Aufwendungen kompensiert. Der Betrag steht aber noch nicht fest.

Kann man davon ausgehen, dass Bombardier die Kostendifferenz zwischen den Avros und den CSeries-Flugzeugen bezahlt?

Schön wäre es, denn die Unterschiede in den Stückkosten sind erheblich. Sie liegen bei 25 Prozent. An solche Aufwandsentschädigungen kommen wir nicht ran. Dafür werden Leistungen für den Unterhalt der Avros, die nun länger als vorgesehen in Betrieb sind, teilweise kompensiert.

Die Swiss geht im Vertrieb neue Wege, das war auch an der diesjährigen IATA-Konferenz ein Thema. Wird buchen einfacher?

Bei der New Distribution Capability (NDC) geht es um eine standardisierte Übermittlung von Buchungsinformationen für alle technischen Anwendungen, so, dass nicht nur das Ticket, sondern auch das vollumfängliche Angebot mit Zusatzleistungen wie Hotels, Mahlzeiten etc. gebucht werden kann – das, was heute sonst individuell zum Beispiel über Vouchers gebucht wird.

Und Lufthansa macht dann dasselbe?

Mehr noch. Es beteiligen sich bereits 30, 40 Fluggesellschaften an der Einführung dieses neuen Standards. Ich gehe davon aus, dass das mittelfristig auch der IATA-Standard sein wird. Swiss war bei diesem Projekt ein wesentlicher Treiber.

Wann wird der neue Standard eingeführt?

Ab 2016 soll NDC umgesetzt werden. Bis es in der Branche verbreitet ist, wird es schon bis 2017/18 gehen.

Ist das nicht eine Konkurrenz zu den Reisebüros?

Nein. Es ist eine Verbesserung der Buchungsmöglichkeiten für alle Vertriebskanäle.

Geht man davon aus, dass damit Wachstum bei der Swiss generiert wird?

Das ist offen und hängt auch davon ab, wie die anderen Reiseportale sich entwickeln. Jeder ist da seines eigenen Glückes Schmid.

Gibt es Preisvergleichsmöglichkeiten?

Nein, das hat mit NDC nichts zu tun.

Ist der Streit mit der Fluggesellschaft Etihad Regional jetzt beigelegt?

Wir müssen die Einschätzung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt akzeptieren, wonach Etihad Regional ein schweizerisch dominiertes Unternehmen bleibt. Das scheint auch im Rahmen des geltenden EU-Rechts in Ordnung zu sein. Der Rest spielt sich auf der wettbewerblichen Seite ab.

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