Flugverkehr

Swiss-Bericht bestätigt: Airline prüft Kurzarbeit für bis zu 12 Monate

Heckflossen so weit das Auge reicht: Zahlreiche Swiss-Maschinen stehen derzeit unbenutzt auf dem Militärflugplatz Dübendorf.

Heckflossen so weit das Auge reicht: Zahlreiche Swiss-Maschinen stehen derzeit unbenutzt auf dem Militärflugplatz Dübendorf.

Die Airline hat derzeit nur noch sechs Flugzeuge in Betrieb und für alle Angestellten Kurzarbeit für drei Monate beantragt. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb scheint in weiter Ferne, wie ein Schreiben der Firma zeigt.

Vor dem Swiss-Personal stehen ungewisse Zeiten. Vor wenigen Tagen hat die Airline für ihre 9500 Angestellten Kurzarbeit beantragt. Im gesamten Lufthansa-Konzern wurde für 87000 Mitarbeitende Kurzarbeit eingereicht.

In welchem Umfang die Anträge der Swiss schlussendlich umgesetzt werden, hängt vom Staatssekretariat für Wirtschaft ab, welche diese prüft, und von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Krise. Diesbezüglich rechnet die Swiss-Führung nicht mit einer raschen Besserung, wie ein interner Bericht zeigt, der vor wenigen Tagen an die fliegende Belegschaft verschickt wurde. CH Media liegt er vor.

Darin schreibt die Swiss, dass die Kurzarbeit für die nächsten drei Monate bewilligt worden sei. «Das gibt uns etwas Luft um zu atmen.» Man sei dankbar, dass man diese nützliche Massnahme in kürzester Zeit mit den Personalverbänden und den Behörden habe umsetzen können. «Das lindert unsere Liquiditätssituation bereits. Aber so wie es jetzt aussieht, werden wir sie schlicht und einfach erweitern müssen.» Die heutigen Gesetze würden es erlauben, Kurzarbeit während bis zu 12 Monaten anzuwenden. «Und das ist ein Thema in unseren aktuellen Gesprächen mit den Personalverbänden», schreibt die Swiss.

«Um ehrlich zu bleiben...»

Die Lufthansa-Tochter verweist auf die Prognosen des Branchenverbands IATA, der wegen der Corona-Krise mit Verlusten von 250 Milliarden Dollar für dieses Jahr in der Aviatik rechnet. Man befände sich deshalb auch in Verhandlungen mit den Gewerkschaften des Cockpit-, Kabinen- und Bodenpersonals. «Es bleibt unsere Absicht, alle Mitglieder unseres Swiss-Teams an Bord zu halten. Aber um ehrlich zu bleiben, dieses Ziel wird jeden Tag eine grössere Herausforderung, da die Krise weltweit anhält.» Es werde auch zunehmend klar, dass auch nach der Krise die Nachfrage für Flugreisen deutlich schwächer sein werde.

In einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» sagt Swiss-Chef Thomas Klühr, dass er vom Geschäftsmodell mit der aktuellen Flottengrösse auch mit Blick auf die Zukunft überzeugt sei. «Aber ich habe Respekt vor dem Zeitfenster, das es braucht, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden.» Es werde vermutlich bis Juli oder August dauern, bis die Swiss wieder loslegen könne. «Bis Ende Jahr rechne ich bei Edelweiss und Swiss mit einem Flugbetrieb von maximal 75 Prozent.» Immerhin: «Wir haben Vertrauen in unseren Heimatmarkt, die Schweiz. Dieser wird sich schneller erholen als andere.»

Swiss-Chef fordert Liquiditätsspritzen

Klühr betont, dass man die Kosten so stark wie möglich reduziere. In erster Linie sei für die Liquiditätssicherung die Eigentümerin gefordert, «in unserem Fall die Lufthansa-Gruppe.» Aber wie bei allen Airlines werde es auch bei der Swiss längerfristig nicht ohne staatliche Hilfe in Form von Bundesgarantien oder Überbrückungskrediten gehen. «Also Liquiditätsspritzen, die dann später zurückbezahlt werden.» Eine Bundesbeteiligung, so wie es von einigen Politikern gefordert wird, nennt Klühr nicht als Option.

Klühr betont im Interview, dass die Swiss ein Schweizer Unternehmen ist. «Wir haben hier unseren Sitz, wir zahlen hier unsere Steuern.» 90 Prozent der Mitarbeitenden würden in der in der Schweiz leben und man richte das Streckennetz gezielt an den Bedürfnissen der Schweiz. «Dieses Bewusstsein vermisse ich manchmal.»

Noch führt die Swiss einige wenige Flüge aus, unter anderem für wichtige Cargo-Transporte und Repatriierungsflüge für Schweizer im Ausland in Koordination mit dem Bund. Doch auch ein Grounding der sechs aktiven Flugzeuge schliesst die Swiss nicht aus, wie sie ihrem Personal schreibt: «Ob wir das verbliebene Flugprogramm über die nächsten Wochen aufrecht erhalten können, ist alles andere als sicher.» Die immer noch unkontrollierte Virusausbreitung und neue, stärkere Regeln der Behörden könnten es «jederzeit» beenden.

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