Wirtschaft

Suva baut radikal um: 170 Stellen verschwinden

Der Suva-Hauptsitz in Luzern: Hier wird umgebaut.

Der Suva-Hauptsitz in Luzern: Hier wird umgebaut.

Über einen Zeitraum von sieben Jahren verschwinden 170 Arbeitsplätze beim Unfallversicherer. Neue Jobs im Bereich Digitalisierung sollen entstehen.

Die Unfallversicherung Suva sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert: «Neben dem schrumpfenden Marktanteil sind dies die Negativzinsen, die Verschiebung von Unfällen vom Arbeitsplatz in die Freizeit oder die Digitalisierung.» Diese Worte wählte Suva-Chef Felix Weber vor zwei Jahren in einem Interview mit dem Fachblatt «Schweizer Versicherung». Vor allem die Digitalisierung sei aber auch eine Chance, um etwa die Schadenabwicklung effizienter zu gestalten:

Der damalige Suva-Ratspräsident Markus Dürr ergänzte in einem firmeninternen Interview: «Wir schauen auch, wo wir vielleicht einen zu grossen Apparat aufgebaut haben.»

Weiterbildungen für Betroffene

An der damaligen Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil: Die Suva steckt mittendrin in der Umsetzung der entsprechenden Strategie mit dem Namen «Avance». Nun zeigt sich, was dies für die Belegschaft bedeutet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Departements Schadenmanagement sind kürzlich über einen umfangreichen Stellenabbau informiert worden, wie Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen. Eine Suva-Sprecherin bestätigt auf Anfrage, dass ab 2021 bis 2027 voraussichtlich 20 Prozent der über 800 Vollzeitstellen im Schadenmanagement gestrichen werden sollen. Das entspricht rund 170 Vollzeitstellen. Allerdings handle es sich bei dieser Grössenordnung erst um eine Schätzung, betont die Sprecherin.

Der Unfallversicherer geht davon aus, bei einer Fluktuationsrate von durchschnittlich 4,5 Prozent den grössten Teil des geplanten Stellenabbaus durch Pensionierungen, freiwillige Kündigungen und Stellenwechsel auffangen zu können. Die Angestellten sollen mit Weiterbildungsmassnahmen begleitet werden. «Die Suva legt grossen Wert auf die Arbeits- und Marktfähigkeit ihrer Mitarbeitenden und fördert diese mit verschiedenen internen und externen Weiterbildungen», sagt die Sprecherin. «Anpassungen im Personalbestand realisieren wir umsichtig, schrittweise und langfristig geplant. Wir beziehen den Personalverband eng in die Umsetzung mit ein und holen frühzeitig und aktiv die Sicht der Arbeitnehmenden ab.»

In der Belegschaft ist die Unsicherheit trotzdem gross. Eine betroffene Person sagt: «Es werden sehr viele Stellen umorganisiert. Niemand weiss, ob es den eigenen Job künftig noch geben wird.»

Routinefälle werden automatisiert erledigt

Zum Departement Schadenmanagement gehören unter anderem Sachbearbeiter in den Agenturen, Kreisärzte, Versicherungsmediziner am Hauptsitz oder auch Juristen für Einsprachen und Gerichtsfälle. Die personellen Veränderungen betreffen laut der Sprecherin sowohl die Agenturen als auch die Abteilungen am Hauptsitz in Luzern. Details kann die Suva noch nicht nennen.

Klar ist aber, dass nicht Juristen und Ärzte um ihren Job fürchten müssen, sondern Personen, die automatisierbare administrative Prozesse bearbeiten. Hier ortet der Versicherer Potenzial für Prozessverbesserungen: «Mitarbeitende werden künftig weniger administrative Aufgaben ausführen, sondern sich auf komplexere Aufgaben konzentrieren. Das heisst, dass sich die Anforderungsprofile verändern und es bestimmte Arbeitsplätze so nicht mehr geben wird», sagt die Sprecherin. Es werde zu einer erhöhten Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse kommen:

Datenverarbeitung wird ausgebaut

Zu den vorgesehenen Prozessverbesserungen heisst es im jüngsten Geschäftsbericht: «Unsere Mitarbeitenden werden in Zukunft von intelligenten Systemen unterstützt. Diese Systeme sind beispielsweise in der Lage, aus der Vielzahl von Dokumenten eine Zusammenfassung mit den wesentlichen Inhalten zu erstellen. Zudem werden Algorithmen und künstliche Intelligenz Entscheidungen übernehmen und Fälle führen.» Man wolle mit dem digitalisierten und personalisierten Schadenmanagement «der beste Unfallversicherer der Schweiz sein», heisst es dort. Von der Schadenmeldung der Betriebe bis hin zur Zahlung von Taggeldern wolle man dabei komplett auf Papier verzichten.

Die Suva-Sprecherin betont, dass es sich bei der Massnahme um ein Digitalisierungsprojekt und nicht um ein Sparprogramm handle. Das zeige sich daran, dass parallel auch neue Stellen in zukunftsträchtigen Bereichen geschaffen werden, vor allem im Bereich Datenverarbeitung. «Wir haben beispielsweise Mitarbeitende eingestellt, die unsere grossen Datenmengen vertieft analysieren. Damit können wir unter anderem unseren Kundenservice optimieren», sagt sie. Wie viele solche Stellen über die nächsten Jahre hinweg genau geschaffen werden sollen, kann die Suva derzeit allerdings nicht beziffern.

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