Surprise

Surprise bleibt stumm

Die SBB überarbeiten den Vertrag mit dem Strassenmagazin nicht: Auch im neuen Jahr müssen Surprise-Verkäufer schweigen. Plakettenverkäufer geniessen hingegen Narrenfreiheit.

Andreas Maurer

Die SBB haben die typischen Surprise-Rufe aus den Bahnhöfen verbannt. Die Grundlage stellt ein Vertrag dar, den die SBB mit Surprise vor einem Jahr geschlossen haben. Darin wurde vereinbart, wie und wo das Strassenmagazin in den Bahnhöfen verkauft werden darf. Für Surprise bedeutet der Vertrag eine Verschlechterung: Die Heftverkäufer dürfen nicht mehr laut ausrufen. «Niemand lässt sich gerne frühmorgens vom Zug bis zum Ausgang mehrere Male ins Ohr brüllen. Deshalb rufen auch alle anderen Mieter und Organisationen in den Bahnhöfen ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht laut aus», begründet SBB-Sprecher Roman Marti.

Surprise-Geschäftsführer Fred Lauener hoffte, dass er sich mit den SBB für das neue Jahr auf einen besseren Vertrag einigen könnte. Seine Hoffnung wurde nun enttäuscht.

Der Maulkorb führt bei einigen Verkäufern zu massiven Umsatzeinbussen: «Mit Rufen kann man dreimal so viele Hefte verkaufen», ist Lauener überzeugt. In Zürich und Bern kommen die Surprise-Verkäufer mit dem Rufverbot aber gut zu recht. «Es ist ein Basler Problem», sagt Lauener. Er begründet dies mit dem knappen Platz: Im dicht bebauten Basler Bahnhof würden die Surprise-Verkäufer von vielen Passanten schlicht nicht wahrgenommen.

Dass sich Surprise über diese gemeinsame Vereinbarung nachträglich beschwert, ist für SBB-Sprecher Marti irritierend: «Wir finden die Idee hinter Surprise sehr gut und deshalb erhält die Organisation ihre Standorte in den Bahnhöfen mit dem bestehenden Vertrag zu absolut einzigartigen Konditionen.» Die SBB würden Surprise gegenüber allen anderen Unternehmen und Organisationen massiv privilegieren.

Eine Sonderstellung geniessen aber auch die traditionellen Fasnachtsplakettenverkäufer. Im Gegensatz zu Surprise dürfen sie ihre Ware weiterhin laut anpreisen. Die Plakettenverkäufer besitzen nicht einmal eine offizielle Bewilligung der SBB. «Der Plakettenverkauf ist eine langjährige Basler Tradition und zeitlich befristet», begründet SBB-Sprecher Marti die tolerante Haltung. Ob die Surprise-Verkäufer während der Fasnacht ebenfalls von der Narrenfreiheit profitieren, ist offen. Die SBB wollen dies mit gesundem Menschenverstand beurteilen, sagt Marti.

Weiterhin erlaubt bleiben auch Verteilaktionen im Bahnhof. Die Müsterli dürfen nur an dafür vorgesehenen Orten verteilt werden, so dass sie die Pendlerströme nicht behindern, betont Marti.

Zudem seien die Zahl der Verkaufsaktionen wesentlich reduziert worden, damit sich die Kundinnen und Kunden möglichst ungehindert im Bahnhof bewegen können. Die SBB erhalten positive Rückmeldungen: Besonders Verteilaktionen von Müsterchen in Form von Getränken und Snacks würden sehr geschätzt.

Laut SBB würden die Surprise-Rufe hingegen mehrheitlich als störend wahrgenommen. Lauener schüttelt den Kopf: «Wir verstehen diesen Entscheid nicht, tolerieren ihn aber.»

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