Sunrise UPC
Tausende Sunrise-Kunden erhielten eine alte TV-Box – eine Entschädigung gibt es nicht

Wegen einer globalen Knappheit in der Halbleiterproduktion lieferte die Telekomfirma nicht die richtigen Geräte aus. Davon sind auch andere Firmen betroffen – wohl noch monatelang.

Stefan Ehrbar
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Sunrise hat Mühe mit der Lieferung von Geräten.

Sunrise hat Mühe mit der Lieferung von Geräten.

Sunrise

Mit ordentlichen Rabatten ging die Telekom-Marke Sunrise in der Weihnachtszeit und im Januar auf Kundenfang. Neuabschlüsse von Fernsehabos wurden mit Abschlägen belohnt. Doch viele Neukunden wurden enttäuscht: Sie erhielten nicht das versprochene moderne Gerät zum Fernsehen, die sogenannte TV Box UHD, sondern eine alte, langsame Box mit weniger Funktionen. So müssen die Kunden etwa auf die Integration von Streaming-Diensten wie Netflix oder Sky Show genauso verzichten wie auf Inhalte in der hochaufgelösten UHD-Qualität oder die Verbindung der Box via WLAN.

Eine Sunrise-Sprecherin bestätigt, dass seit Ende Januar «einige Tausend Kunden» bei Neubestellungen eine alte TV-Box erhalten hätten. Seit Ende Februar werde bei Neubestellungen wieder die richtige Box ausgeliefert. Das Problem sei behoben, sagt die Sprecherin. Allerdings haben noch immer viele Kunden nicht die richtige Box erhalten. CH Media sind mehrere Fälle bekannt. In einer schriftlichen Rückmeldung schreibt Sunrise etwa in einem Fall, es gebe weiterhin Lieferverzögerungen.

Entschädigungen gibt es nicht

Entschädigungen für Kunden, die nicht die richtige Box und damit nicht die bezahlte Leistung erhalten, sieht Sunrise nicht vor. Eine entsprechende Frage beantwortet die Sprecherin damit, dass die Boxen nun schrittweise und laufend ausgetauscht würden. Das geschieht automatisch ohne weiteres Zutun der Kunden. Einen Terminplan nennt Sunrise nicht.

Als Grund für die Verzögerung gibt die Sprecherin an, dass die TV-Angebote und Promotionen in der Weihnachtszeit und im Januar sehr erfolgreich gewesen seien. Das habe zu einem sehr hohen Bestellvolumen geführt, weshalb es zu Engpässen gekommen sei. «Leider verschärfte sich gleichzeitig die globale Knappheit bei Halbleitern - wodurch bekanntlich viele Branchen nach wie vor betroffen sind - und damit auch bei den Chipset-Herstellern, weshalb die Nachlieferungen der Sunrise TV Box UHD mehr Zeit beanspruchten.» Durch die Auslieferung der älteren Box könnten Kunden trotzdem fernsehen.

Chip-Engpass in vielen Branchen

Nicht betroffen davon sind Kunden von UPC. Die UPC-Mutter Liberty Global hat Sunrise letztes Jahr übernommen. Die neue Firma tritt nun unter dem vorläufigen Namen Sunrise UPC auf, das Produkte-Portfolio ist aber nach wie vor zweigeteilt.

Reinhard Ploss, CEO der Firma Infineon

Reinhard Ploss, CEO der Firma Infineon

Keystone

Viele Branchen kämpfen seit Monaten mit einer Knappheit von Chips, Automobilhersteller mussten laut der NZZ in den vergangenen Wochen sogar teilweise die Produktion einstellen. Der Mangel sei weit über den Autosektor hinaus in vielen Branchen spürbar. Reinhard Ploss, der Chef des deutschen Chiphersteller Infineon, sagt der Zeitung am Donnerstag, der Chip-Engpass habe viele Ursachen und dürfte noch Monate andauern.

Homeoffice führte zu Nachfrage-Boom

Einerseits habe im vergangenen Frühling wegen der Pandemie die Nachfrage nach Geräten angezogen, die man brauche, um von zu Hause aus zu arbeiten. Dieser Bedarf habe das ganze Jahr über angehalten. Nun erhole sich auch die Autobranche wieder, was ebenfalls zu einer erhöhten Nachfrage führe.

Es gebe Knappheiten bei den Auftragsfertigern, die Produkte für andere Halbleiterproduzenten herstellen, sagt Ploss der NZZ. «Hier trifft sich die gesamte Chip-Kundschaft, von Mobiltelefonherstellern über Ausrüster von Datenzentren bis hin zur Autoindustrie. Viele dieser Märkte haben stark angezogen.»

Huawei brach ein

Hinzu komme, dass im Sommer wohl viele Wettbewerber von Huawei Marktanteile erobern wollten und deshalb «ordentlich Chips geordert haben». Die USA hatten ausländischen Firmen letztes Jahr unter Androhung von Sanktionen verboten, Halbleiter an Huawei zu liefern, wenn der Prozess US-Soft- oder Hardware jeglicher Art beinhaltet. Das traf den Konzern hart, der schon zuvor von US-Software ausgeschlossen wurde.

Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China dürften ein weiterer Grund für die Knappheiten in der Halbleiter-Industrie sein, zumal ein Teil der chinesischen Auftragsfertiger auf der amerikanischen Embargo-Liste gelandet ist.