Irina Kisseloff

Zwei der wichtigsten Werkzeuge im Online-Zeitalter sind Login und Passwort. Die Folge: Jeder von uns hat endlose Passwortlisten. Dazu gesellen sich fürs E-Banking fallweise Gerätschaften wie ein Kartenlesegerät oder ein USB-Stick.

Diese schöne neue Welt soll einfacher werden: Ab 1. Mai wird in der Schweiz die Suisse-ID erhältlich sein. Die Suisse-ID ist ein elektronischer Identitätsnachweis, abgespeichert auf einer Chipkarte oder einem USB-Stick. Um ihn kaufen zu können, müssen sich die Nutzer zunächst physisch mit ihrer Identitätskarte ausweisen, zum Beispiel in einer Postfiliale (siehe Box), und ein Formular unterschreiben.

Ein USB-Stick für alle Websites

Fortan können sie Chipkarte oder USB-Stick nutzen, wenn sie online einkaufen oder auch im Kontakt mit den Behörden. Das gilt für Firmen ebenso wie für Privatpersonen. Allerdings muss der jeweilige Webshop oder die Website der Verwaltung bereits für die Suisse-ID eingerichtet sein. Die Anmeldung und Identifikation geschieht dann über die Suisse-ID - entweder mittels Chipkarte über ein Kartenlesegerät, das am PC angeschlossen ist, oder durch Einstecken des USB-Sticks. Danach muss ein Passwort eingegeben werden. Mit der SuisseID bleibt es aber bei diesem einen Passwort, das auf allen Suisse-IDfähigen Webseiten verwendet werden kann.

Das birgt (bisher) keine Risiken. «Nach heutigem Ermessen kann die Suisse-ID bei einem Diebstahl ohne das Passwort nicht geknackt werden», sagt Christian Weber, der das Projekt Suisse-ID beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) leitet. Auf der Suisse-ID sind übrigens nur Name, Vorname und E-Mail-Adresse des Nutzers abgespeichert sowie eine spezielle Suisse-ID-Nummer. Diese ist für den Nutzer nicht ersichtlich und hat nichts mit der AHV-Nummer zu tun.

Im Webshop und für das Amt

Projektleiter Weber selbst plant, die elektronische Signatur in seinem Alltag bald einzusetzen. «Voraussichtlich werden ab 1. Mai bereits verschiedene Anwendungen freigeschaltet», sagt Weber. Eine davon wird die Online-Bestellung eines Strafregisterauszuges sein. Auch mit Banken und Versicherungen laufen intensive Gespräche. Denn das neue System könnte die bisherigen Sicherheitssysteme für die Kunden beim E-Banking ersetzen.

«Bis Oktober werden es bereits mehr als 30 Anwendungsmöglichkeiten sein», verspricht Weber. Darunter sollen auch viele privatwirtschaftliche Partner sein. Das heisst, dass die Suisse-ID bald auch fürs Webshopping eingesetzt werden kann. Ob Migros oder Coop mit ihren jeweiligen Online-Shops dabei sein werden, kann Weber noch nicht verraten. Es seien Gespräche in Gang.

Einsetzbar ist die Suisse-ID auch als elektronische Unterschrift. Die digitale Signatur ist der eigenhändigen Unterschrift seit 2003 gesetzlich gleichgestellt.

Weber geht davon aus, dass sich die Suisse-ID über die Unternehmen verbreiten wird. Einige Firmen planen, ihren Mitarbeitern künftig Personalausweise mit integrierter Suisse-ID auszustellen. «Bis Ende des Jahres werden im Idealfall 300000 der elektronischen Identitätsnachweise in Umlauf sein», sagt Weber voraus. Beschleunigen wird die Verbreitung der Unterstützungsbeitrag des Bundes.

Privatpersonen erhalten 65 Franken des Kaufpreises vom Bund zurückerstattet. Die Massnahme ist Teil des im August 2009 verabschiedeten dritten Konjunkturpaketes.

Kosten: Rund 80 Franken

Wie viel die Suisse-ID kosten wird, ist noch geheim. Bekannt ist nur, dass die Subventionen ungefähr 80 Prozent des Kaufpreises entsprechen. Rund 80 Franken dürfte der neue Schlüssel für die virtuelle Welt also kosten.
www.suisseid.ch