Doch die roten Früchte sind immer noch zu haben. Nicht von weit her gekarrt. Nein, aus der Schweiz. Und mit intensivem Sommer-Aroma. Einige hundert Tonnen Erdbeeren der Schweizer Gesamtproduktion von 5500 Tonnen werden erst in den Herbstmonaten verkauft. Tendenz steigend.

Das Geheimnis der späten Schweizer Erdbeeren: Sie machen einen besonders langen Winterschlaf. Die jungen Pflanzen werden ab November/Dezember in Kühlhäusern gelagert. Dort schlummern sie bei minus 1,8 Grad Celsius vor sich hin. Im Sommer werden sie in Treibhäuser gebracht, Zuchthummeln aus Holland bestäuben sie und die Beerenpflanzen wähnen sich im Frühling.

Besserer Geschmack im Herbst

Wenn draussen bereits der Nebel aufzieht und die Tage kälter werden, ist im Treibhaus Sommer- und Erntezeit. Terminkultur heisst das im Fachjargon. Geschmacklich sind die späten Erdbeeren zum Teil sogar intensiver als die klassischen Juni-Erdbeeren. «Der Geschmack ist umso besser, je grösser die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind», sagt Produzent Hans Helfenstein aus Hildisrieden LU. Diese Unterschiede bekommen die Beeren auch im Treibhaus mit, denn Helfenstein arbeitet ohne Heizungen.

Dementsprechend ist dann irgendwann im November Schluss mit der heimischen Erdbeerproduktion. Das ist aber bereits eine beachtliche Saisonverlängerung, denn ursprünglich beschränkte sich die Haupterntezeit ausschliesslich auf den Monat Juni.

Laut Migros-Sprecher Urs Peter Naef geht die Nachfrage aber immer mehr in den Herbst hinein: «Die Kunden verlieren auch bei dieser Frucht zunehmend das ‹Saisonalitätsgefühl› und wollen immer alles verfügbar haben.» Die Detailhändler wiederum streben eine Liefersicherheit an, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Für die Erdbeerbauern wird die Produktion dank Termin- und Substratkultur planbar. Letzteres bedeutet, dass die Erdbeeren auf einem Substrat, also auf einem Bodenersatz, wachsen.

Weniger Krankheiten

Hans Helfenstein verwendet gemahlene Kokosnussschalen, weil diese Wasser und Nährstoffe besonders gut speichern. Die Hors-sol-Methode schränkt Krankheiten ein und erlaubt eine optimale Ernährung der Pflanzen. «Der Geschmack von Hors-sol-Produkten ist oft untersucht worden. Es sind keine systematischen Unterschiede zu klassischen Produkten festgestellt worden», sagt Georg Bregy vom Schweizerischen Obstverband. Der Geschmack der Früchte hänge neben Temperaturunterschieden und der Sonnenbestrahlung vor allem auch von der Düngung ab.

Die aufwändigere Schweizer Erdbeerproduktion mit Termin- und Substratkultur schlägt sich natürlich im Preis nieder. Im Spätherbst sind die einheimischen Erdbeeren rund 40 Prozent teurer als im Sommer.