Tabakkonzern

Suchtprävention: Philip Morris forscht an E-Zigaretten, die den Raucher erkennen

IQOS (heat-not-burn-Zigaretten) produzieren weniger Schadstoffe als konventionelle Zigaretten.

IQOS (heat-not-burn-Zigaretten) produzieren weniger Schadstoffe als konventionelle Zigaretten.

Der Tabakriese Philip Morris will bis 2023 eine elektronische Zigarette auf den Markt bringen, die ihren Besitzer erkennt. Damit soll verhindert werden, dass Jugendliche und nicht autorisierte Personen das Gerät benutzen. Sorgen macht sich der Konzern, der in der Schweiz über 3000 Personen beschäftigt, um drohende Werbeverbote.

Bis Ende 2023 will der Tabakkonzern Philip Morris alle von ihm vertriebenen elektronischen Rauchgeräte mit einem Autorisierungssystem ausrüsten, das Minderjährigen den Gebrauch des Geräts technisch verunmöglicht. Dies kündigt Dominique Leroux, Chef von Philipp Morris Schweiz gegenüber den Zeitungen von CH Media an.

Betroffen von der technischen Neuerung wären auf dem Schweizer Markt die Tabakerhitzer «IQOS» und allenfalls bis dahin eingeführte Geräte zum Dampfen von nikotinhaltigen Flüssigkeiten. Bei «IQOS» wird Tabak nicht verbrannt, sondern lediglich so stark erwärmt, dass das darin befindliche Nikotin inhaliert werden kann. Damit sollen die bei der Verbrennung von Tabak und Papier entstehende Gifte verhindert werden.

Die amerikanische Nahrungsmittel- und Medikamentenbehörde FDA hat Philip Morris erst vor wenigen Wochen die Erlaubnis gegeben, «IQOS» als «Tabakprodukt mit modifiziertem Risiko» zu vermarkten. Die FDA fällte ihren Entscheid aufgrund zahlreicher Studien, welche die niedrigere Schadstoffbelastung von erwärmtem statt verbranntem Tabak nachgewiesen haben.

Die E-Zigarette IQOS von Philipp Morris.

Die E-Zigarette IQOS von Philipp Morris.

Wie Leroux sagt, verfolge Philip Morris eine konsequente Strategie, um vom traditionellen Zigarettengeschäft wegzukommen. In der Schweiz beispielsweise bewerbe seine Firma Zigaretten in den Medien gar nicht mehr. Lediglich an den Verkaufsständen - Kiosken und dergleichen - betreibe man noch Werbung für die einzelnen Zigarettenmarken.

Rauchgerät via Mobile-App blockieren

«Rauchen ist schädlich und macht süchtig. Am Besten ist es, wenn man nie damit beginnt oder aufhört», sagt Leroux. Es gebe aber Leute, die das nicht wollten oder nicht könnten: «Ihnen wollen wir, gestützt auf die Erkenntnisse der Wissenschaft, weniger schädliche Alternativen anbieten.». Das sei, sagt der Nichtraucher Leroux, für den globalen Player Philipp Morris ein wichtiger Markt mit Zukunft.

Ist Nichtraucher: Dominique Leroux, Chef von Philipp Morris Schweiz.

Ist Nichtraucher: Dominique Leroux, Chef von Philipp Morris Schweiz.

Im Zusammenhang mit dieser Strategie stünden die Bemühungen, insbesondere Jugendlichen den Zugang zu nikotinhaltigen Genussmitteln zu erschweren. Schon jetzt zeige sich, dass beispielsweise «IQOS» von Jugendlichen kaum genutzt werde. Dennoch wolle man dieses und ähnliche Produkte noch sicherer machen. Zu diesem Zweck teste man verschiedene technische Möglichkeiten, die Geräte für Jugendliche zu blockieren. Eine davon sei, dass die erwachsenen Besitzer ihr Rauchgerät per Mobile-App blockieren könnten, um so den Zugriff von Kindern und Jugendlichen zu verunmöglichen. Ziel sei es aber, eine elektronische Zigarette auf den Markt zu bringen, die ihren Benutzer erkennen und Jugendliche sperren kann.

«Das ist eine neuartige, komplexe Technologie und wir arbeiten hier mit Soft- und Hardwareherstellern sowie IT-Dienstleistern gleichermassen zusammen», sagt Leroux. Wie genau der Benutzer erkannt werden soll, sagt er nicht. Es seien hierzu Versuche im Gange. Die Methode müsse nicht nur sicher sein, sondern auch im Alltag zuverlässig funktionieren. Zudem sei es wesentlich, den Datenschutz einzuhalten. Philip Morris wolle keine gläsernen Raucher.

Philip Morris-Manager Leroux sorgt sich indes, dass die eigenen Entwicklungen von der Politik behindert werden könnten. Der Ständerat hat im Tabakproduktegesetz Werbung für alle nikotinhaltigen Produkte auf Plakaten, im Internet und in Zeitungen grundsätzlich verboten. Im Herbst wird sich nun die nationalrätliche Gesundheitskommission mit dem Gesetzesartikel befassen.

Schadet das Werbeverbot der Gesundheit?

Er unterstütze Bestrebungen, Tabak-Werbung, die sich an Jugendliche richte, zu unterbinden, sagt Leroux. Aber: «Bleibt es bei diesem weitgehenden Verbot, so würde uns dieses Gesetz erschweren, Raucher auf weniger schädliche Produkte hinzuweisen.» In der Konsequenz würden weniger Menschen den Umstieg auf weniger schädliche Methoden des Nikotinkonsums schaffen. Oder der Prozess würde mindestens verzögert. Das sei nicht zielführend. «Wir wünschten uns eine flexiblere Regulierung, welche neuen technologischen und wissenschaftlichen Entwicklungen Rechnung trägt und nicht sinnvolle Alternativen zur traditionellen Zigarette behindert», sagt Leroux.

Philip Morris hat seinen Hauptsitz in New York, betreibt aber in Lausanne ein Operationszentrum, von wo aus die Firma die Märkte in 180 Ländern betreut. Zudem hat der Konzern seine Forschungsaktivitäten in Neuchâtel zusammengezogen. Über alles beschäftigt der amerikanische Tabakriese in der Schweiz mehr als 3000 Personen.

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