von Franz Schaible

Spätestens morgen Montag, 31. August, müssen die Stromversorger ihre neuen Elektrizitätstarife 2010 für die Kundengruppe der Privathaushalte publizieren. Dies schreibt der Gesetzgeber vor. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Stromversorger in der Region belassen ihre Preise auf dem aktuellen Niveau. Das heisst, die Kunden müssen ab 2010 nicht mehr für den Strom bezahlen.

«Wir werden die Strompreise auf den 1. Januar 2010 nicht verändern», erklärt etwa Per Just, Direktor der Städtischen Werke Grenchen. Dieselbe Antwort erteilen der Burgdorfer Versorger Localnet AG, die Solothurner AEK Energie AG, die Industriellen Betriebe Langenthal (IBL) oder die Elektrizitäts- und Wasserversorgung Derendingen (EWD).

«Wir haben bereits im 2008 den Strom für die Jahre 2009 und 2010 zu einem fixen Preis eingekauft», erläutert IBL-Direktor Hans Beer. Da auch die Kosten für die Netznutzung und die Abgaben (Swissgrid, kostendeckende Einspeisevergütung, Gemeinde) unverändert blieben, könnten die Oberaargauer Kunden mit gleichbleibenden Tarifen rechnen.

Mit «langfristigen Verträgen mit den Stromlieferanten» begründet Per Just die Stabilisierung der Energiepreise für die Grenchner Haushalte. Allenfalls liege gar noch eine kleine Tarifsenkung drin, ergänzt Localnet-Chef Urs Gnehm. Das sei noch abhängig von definitiven Entscheiden der Elektrizitätskommission (Elcom) über die Netznutzungskosten. Bereits umgesetzt hat dies der Stadtberner Versorger Energie Wasser Bern (EWB).

Dank gleichbleibenden Strompreisen, aber tieferen Kosten für die Netznutzung sinken die Stromkosten für die EWB-Haushaltskunden um durchschnittlich drei Prozent. Gleichzeitig lancieren die Berner einen Sparbonus: Wer weniger Strom verbraucht, soll einen Rabatt erhalten (siehe Kasten unten).

Einzig die Stromkunden des Stadtsolothurner Versorgers Regio Energie Solothurn (RES) müssen auf Anfang 2010 erneut mit steigenden Tarifen rechnen. «Die durchschnittliche Erhöhung der Tarife für die Privathaushalte beträgt 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr», erklärt Sandra Hungerbühler, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Regio Energie.

Dabei würden sich die Preise für die Energielieferung (Preis für den Strom) und die Kosten für die Netznutzung gegensätzlich entwickeln. Während der effektive Strompreis für Privathaushalte je nach Tarifart um 5 bis 6 Prozent steigt, sinken die Netznutzungspreise zwischen 1 und 5 Prozent, wie Hungerbühler vorrechnet. Die Erhöhung der Strompreise sei allein auf höhere Einkaufspreise zurückzuführen, sagt die RES-Sprecherin. «Wir bauen keine zusätzliche Marge auf.»

Im Gegensatz dazu verzichten - wie erwähnt - die anderen Versorger auf eine Erhöhung, weil sie den Strom für 2009 und 2010 zu fixen Preisen eingekauft haben. Und die Regio Energie? «Auch wir haben die Strommenge für zwei Jahre fix eingekauft. Für den Strom wurden aber Jahrespreise und nicht Zweijahrespreise verhandelt», begründet Hungerbühler die abweichende Situation. RES berechne ihre Preise jährlich und passe diese jeweils an.

Dadurch entwickelten sich die Preise in der Regel «weniger sprunghaft». Dazu ein Blick zurück. Nach Angaben der RES betrug die durchschnittliche Tariferhöhung für «ihre» Privathaushalte auf dieses Jahr 0,6 Pozent. Die AEK Energie beziffert ihre durchschnittliche Erhöhung für 2009 auf 15 Prozent, die Städtischen Werke Grenchen auf 13 Prozent, die Burgdorfer Localnet auf 8 bis 9 Prozent und und die EWD Derendingen auf 5 bis 10 Prozent.

Mit zum höheren Tarif in Solothurn trägt auch die höhere Abgabe an die Stadt bei. Diese steigt von 1,17 Rappen pro KWh auf 1,26 Rappen. Dabei hat der Solothurner Gemeinderat im vergangenen März beschlossen, die Abgabe der stadteigenen Regio Energie für die nächsten fünf Jahre unverändert zu lassen.

Des Rätsels Lösung liefert die RES. Die Gesamtabgabe an die Stadt in der Höhe von rund zwei Millionen Franken bleibe tatsächlich unverändert. «Da sich aber aus rezessionsbedingten Gründen der Strombezug unserer Kunden in der Stadt insgesamt verringert hat, verteilt sich die Gesamtabgabe auf weniger Kilowattstunden. Dadurch resultiert pro Einheit eine höhere Abgabe», erläutert Hungerbühler. Das sei zwar «unschön», aber nicht vermeidbar.

Zwar variieren die Preise pro Kilowattstunde für die Elektrizität und die Netznutzung teilweise deutlich von Versorger zu Versorger. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Hoch- und Niedertarifzeiten, Bezugsmenge und Bezugsprofil aber liegen die Stromversorger auf Jahresbasis gerechnet ungefähr gleich auf. Dies zeigen auch die detaillierten Vergleiche des Preisüberwachers (Infos auf www.strompreise.preisüberwacher.ch).

Trotz der grösstenteils unveränderten Strompreisen für 2010 gibt es keine Entwarnung. «Mittel- bis langfristig wird die Energie teurer», sagt Urs Gnehm von Localnet. Demnächst liefen die Verhandlungen für den Stromeinkauf für die Jahre 2011 und 2012 an. Prognosen könne er aber noch keine abgeben. Auch Per Just von den Städtischen Werken Grenchen gibt sich realistisch: «Die Energie wird knapper werden und somit auch teurer.»

Für Walter Wirth, Direktor der AEK Energie AG, sind auch Aussagen über die Netznutzung schwierig. Diese Preise seien stark abhängig von regulatorischen Vorschriften. «Wir wollen eine zuverlässige und unterbruchsfreie Stromversorgung zu betriebswirtschaftlich vertretbaren Kosten gewährleisten.»

Für Martin Reinhard, Geschäftsleiter der EWD Derendingen, ist die Preisentwicklung abhängig, wie schnell es mit dem Bau neuer Kraftwerke, insbesondere der Kernkraftwerke, vorangehe. «Wenn wir vermehrt Strom aus dem Ausland beziehen müssen, werden wir sicher in wenigen Jahren rund zehn Rappen mehr für die Kilowattstunde Strom bezahlen müssen.»