Grenchen

Strompreis kann weiter mithalten

Die Internetseite des Preisüberwachers stellt Grenchen als die Gemeinde mit dem weitherum grössten Preisaufschlag beim Strom an den Pranger. Dabei geht leicht vergessen, dass der Strompreis selbst ähnlich ist wie in den Nachbargemeinden.

Daniela Deck

Seit der Strommarktliberalisierung Anfang Jahr findet sich kaum mehr ein Kunde mit seiner Stromrechnung zurecht. Er weiss nur, dass sie höher ausfällt. Entsprechend irritiert reagierten die Leute auf den Bericht dieser Zeitung am letzten Sonntag zum Strompreisrechner des Preisüberwachers*.

In einem Ozean von Gemeinden mit Preisaufschlägen bis 20 Prozent sticht Grenchen unangenehm heraus. 30 Prozent beträgt hier die Zunahme für einen Musterhaushalt mit vier Zimmern und Elektroherd bei einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden. Nach dem Ende der Ferien will die lokale Politik das nicht einfach hinnehmen.

So beabsichtigt die CVP nach Aussage von Gemeinderat Andreas Kummer zur Strompreiserhöhung eine Interpellation einzureichen. Heinz Müller von der SVP verlangt ebenfalls eine Erklärung für die unerfreuliche Ausnahmeerscheinung: «Wenn man die Differenz vernünftig erklären kann, ist das okay. Sonst muss etwas unternommen werden.» So argumentiert auch Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi von der FdP. Von der SP war niemand für eine Auskunft erreichbar.

Absoluter Preis ist konkurrenzfähig

Ironischerweise ist die Quelle der Beunruhigung, die Homepage des Preisüberwachers, auch die Quelle der Beruhigung. Verbunden mit der Berechnung ist bei den Gemeinden die Angabe des durchschnittlichen Strompreises. Da zeigt sich, dass Grenchen beim erwähnten Musterhaushalt sogar leicht günstiger ist als die Nachbargemeinde Bettlach.

26.29 Rappen pro Kilowattstunde der SWG stehen 26.63 Rappen der AEK Energie AG gegenüber. Bei einem Kleinhaushalt (Zweizimmerwohnung, Elektroherd, 1600 Kilowattstunden jährlich) kommt der Verbraucher in Grenchen um 1,65 Rappen pro Kilowattstunde günstiger weg als in Bettlach.

Mit der Stadt Solothurn ist kein Vergleich möglich. Denn der angegebene Preis auf der Internetseite des Preisüberwachers datiert im Oktober 2007, vor der Marktliberalisierung. Keinen Stich hat Grenchen im Vergleich mit Olten: Der Musterhaushalt mit vier Zimmern zahlt dort nur gerade 19.57 Rappen.

Darauf angesprochen, lacht der Energieberater der Aare Energie AG in Olten, Martin Züst: «Wir vergleichen uns meistens Richtung Osten. Und da sind wir wegen der Axpo teilweise unter Druck.»

Preis war einige Jahre fixiert

Bei den Städtischen Werken (SWG) ist Direktor Per Just in den Ferien. Seine Mitarbeiterin Diana Häni gesteht: «Das neue System ist auch für uns noch ungewohnt. Die Stromrechnung ist nach den neuen gesetzlichen Vorgaben für praktisch niemanden mehr berechenbar.» Der Selbstversuch zeigt, dass sie Recht hat (siehe Text rechts). Besserung verspricht Häni Ende August. Dann würden die Stromtarife für das kommende Jahr festgelegt.

Trotz der Abwesenheit des SWG-Direktors lässt sich der auffällige Tarifsprung wenigstens zum Teil erklären. So hat Per Just letztes Jahr in der Hauszeitung der Firma, SWG-Poscht, erklärt: «Fakt ist, dass die Strompreise in den letzten Jahren stark angestiegen sind. In Grenchen hat man dies nicht gemerkt, da wir (...) einen guten Strompreis auf längere Sicht fixieren konnten. Dieser Vertrag läuft per Ende dieses Jahres aus.»

Wärmepumpen versus Gasheizungen

Eine Vermutung äussert auf Anfrage Ralph Zebert, verantwortlich für Stromeinkauf und Vertrieb bei der AEK Energie AG: «Grenchen hat sehr viele Gasheizungen. Dagegen haben wir gerade in Gemeinden wie Bettlach besonders viele Wärmepumpen. Bei neuen Einfamilienhäusern wird praktisch nur noch so geheizt. Damit ist unser Stromnetz gut ausgelastet.»

Diese Argumentation läuft darauf hinaus, dass das Grenchner Stromnetz zu wenig ausgelastet ist. Doch diesen Schluss will Zebert nicht unterschreiben. Die Beurteilung dieser Frage sei allein Sache der SWG.

*http://strompreise.preisueberwacher.ch/web/index.asp

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