Für rund 5000 selbständig tätige Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Schweiz stehen damit seit Freitag in vertragslosem Zustand, wie physioswiss am Freitag in Bern vor den Medien festhielt. Auch ohne Vertrag bleiben Physiotherapie-Leistungen aber von der Grundversicherung gedeckt, wenn sie auf ärztliche Verordnung hin erfolgen.

Die Vorstellungen von tarifsuisse und physioswiss zu einem neuen Vertrag gehen seit Beginn der Verhandlungen weit auseinander: Physioswiss forderte eine Erhöhung des Taxpunktwertes, der seit 13 Jahren nicht mehr angepasst wurde. Physioswiss reduzierte Anfang Woche ihre Forderung von ursprünglich 20 auf 10 Prozent Erhöhung.

Die Krankenversicherer, die durch tarifsuisse vertreten werden, sind dagegen der Meinung, dass es keinen Grund gibt für eine Tariferhöhung, wie Andreas Altermatt, Direktionsmitglied bei tarifsuisse, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. In der Physiotherapie-Branche gebe es Strukturprobleme, die Praxen der Physiotherapeuten müssten effizienter werden.

Minderheit führt Vertrag fort

Der Verband habe die neue Forderung zwar noch nicht offiziell zurückgewiesen, aber bereits signalisiert, dass sie für die Krankenversicherer nicht akzeptabel sei, sagte Altermatt. Gemäss früheren Angaben würde eine Erhöhung des Taxpunktwertes um 20 Prozent zu zusätzlichen Kosten von 110 Millionen Franken führen.

Statt einem neuen Vertrag fand tarifsuisse mit dem Verband der selbständigen Physiotherapeuten (ASPI) einen neuen Partner für den alten Vertrag. ASPI zählt zwar nur rund 300 bis 350 Mitglieder, die vorwiegend aus der Westschweiz stammen. Doch der Vertrag steht Physiotherapeuten in der ganzen Schweiz offen.

Laut Altermatt sind eine Woche nach Unterzeichnung bereits 500 Physiotherapeuten dem Vertrag mit ASPI beigetreten und es sollen laufend mehr werden. Diese Physiotherapeuten können auch weiterhin ihre Rechnungen an die Krankenkassen senden - mit den bisherigen Taxpunktwerten allerdings.