Hinter dem Schauglas spritzt das Öl in alle Richtungen. Irgendwo in dem gelblichen Nebel wird aus einem zentimetergrossen Titan-Stäbchen ein Implantat mit einem Schraubengewinde gefräst. Computergesteuert, hochpräzis. Kaum zu glauben, dass die kleinen Dinger später einmal in einen Kiefer gepflanzt werden. Der Weg bis dahin ist allerdings sehr aufwendig.

Wir befinden uns im Werk Villeret NE der Firma Straumann, die hier seit knapp 15 Jahren produziert. Hier, gleich neben St. Imier, arbeiten rund 360 Angestellte. Die Produktion ist weitestgehend automatisiert.

Auffallend sind die zahlreichen Messgeräte und Mikroskope. Eine junge Frau hat soeben eine kleine Stichprobe aus der Produktion bekommen. Diese wird optisch wie elektronisch untersucht. Abweichungen, die ausserhalb einer bestimmten Toleranzgrenze liegen, meldet die Mitarbeiterin dem Operateur an der Maschine, der die Abweichung sogleich korrigiert.

Produktionsdaten abgespeichert

«Wir sind Kontrollfreaks», sagt Andrew Lowe, Betriebsleiter in Villeret, augenzwinkernd. «Punkto Qualitätssicherung betreiben wir einen sehr grossen Aufwand. Die Produkte müssen sehr präzis sein, und wenn sie beim Zahnarzt ankommen, absolut steril.»

Von den 29 Arbeitsschritten dienen 16 der Qualitätssicherung. Jedes Produkt hat eine Produktionsnummer, die «Produktionsgeschichte» jedes einzelnen Implantats bleibt 20 Jahre abgespeichert. So können auch die (äusserst seltenen) Reklamationen zurückverfolgt werden – bis hin zum Rohmaterial. Jeder einzelne, mehrere Meter lange Titanstab hat seine Produktionsnummer. Die permanente Messerei im Betrieb hat Konsequenzen: Die Messgeräte müssen geeicht werden.

Sehr wichtig ist, dass ein Implantat gut in den Kiefer einwächst. Deshalb wird nach der Fräsarbeit die Oberfläche aufgeraut, zuerst mechanisch mit Sandstrahlung, danach mit Säure.

Ein kompletter implantierter Zahn besteht in der Regel aus einem schraubenähnlichen Implantat, einem Aufsatz («Abutment») und dem vom Zahntechniker (nicht von Straumann) hergestellten Kunstzahn. Der Aufsatz steckt hochpräzis im Implantat und ermöglicht eine Ausrichtung des neuen Zahnes.

Erst in der Reinigungs- und Verpackungsabteilung bekommen wir die Implantate zu Gesicht. Sie sind auf Halterungen aufgereiht, werden maschinell gereinigt, getrocknet, sterilisiert und verpackt. Straumann bereitet ihr Reinwasser selbst auf, der Jahresverbrauch ist 25 000 m3. Die Schlusssterilisierung mitsamt der Verpackung hat Straumann an einen Dritten ausgelagert.

Innovationen

Ansonsten ist Outsourcing bei Straumann nicht das grosse Thema. Im Gegenteil: Es hat viele Vorteile, wenn die Prozesse im Haus überwacht und allenfalls sofort korrigiert werden können. Als nach 2008 die wachstumsverwöhnte Straumann plötzlich eine Wachstumsschwäche verzeichnete, wurden gewisse Arbeiten auch wieder reintegriert. Trotzdem kam es zu Kurzarbeit, teilweise wurden auch Stellen abgebaut.

Straumann hat sich mittlerweile wieder erholt. Die Fabrik ist zu 90 Prozent ausgelastet, in diesem Jahr wurden 20 Stellen geschaffen. Neue Produkte stehen vor der Einführung, so etwa ein Implantat mit konischer Form. Diese soll das Einwachsen durch einen festeren Halt gleich nach dem Einsetzen zusätzlich verbessern. Straumann führt auch ein innovatives Implantat aus Keramik ein. Das spezielle Material sei ebenso zuverlässig und verträglich wie Titan. Allerdings sei die Produktion anspruchsvoller, sagt Lowe. Der Vorteil der zahnfarbenen Keramik liegt im Ästhetischen, das Implantat entspricht auch dem Bedürfnis von Patienten, die eine metallfreie Lösung vorziehen.

Einen Sprung nach vorn hat die Firma mit einer neuen Produktionslinie gemacht, deren CNC-Fräsen zusammen mit dem Hersteller Précitrame in Tramelan entwickelt wurde. Resultat: 10-mal schnellere Produktionszeit. Die Maschinen kontrollieren sich überdies selbst. Lowe ist unter anderem gerade deswegen des Lobes voll über den Standort im Jura: Es sind dort kleine Spitzenfirmen zu finden, dazu hoch qualifiziertes Personal. Viele der Straumann-Mitarbeitenden waren zuvor bei Rolex, Longines oder bei der ETA.

Konkurrent Nobel Biocare, der kürzlich von der US-Firma Danaher übernommen wurde, ist Straumanns grosser Konkurrent. Auch er bewegt sich im obersten Preissegment. Straumann ist allerdings mit einer Beteiligung an der brasilianischen Neodent in das etwas preisgünstigere «Value»-Segment vorgerückt.