Das Streitobjekt: Bizarr geformte Turnschuhe, genannt «EasyTone», die angeblich dank revolutionärer Technologie den Weg zum perfekten Äusseren vereinfachen.

Schuh soll Hintern straffen

Die rund 100 Dollar teuren Schuhe sehen zwar aus wie herkömmliche Treter, aber aufgrund einer abgerundeten Sole werden «mit jedem Schritt» Muskeln in den Beinen, Hüften und – Uh, la, la, la! – im Hinterteil gestärkt und gestrafft. Dies jedenfalls versprach Reebok. Beim Verrichten von täglichen Aufgaben wie dem Gang zur Bahnstation werde der Popo damit knackiger und die Beine schlanker. Dies wurde gar mit Studien untermauert: «EasyTone»-Schuhe, sagte Reebok, führten zu einem Anwachsen der Gesässmuskeln um einen Viertel. So einfach ist das.

Natürlich schlugen die Schuhe in den USA ein wie eine Bombe: Branchenbeobachter schätzen, dass Produkte wie «EasyTone» im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarde Dollar generierten. Reeboks Markenanteil wird auf 42 Prozent geschätzt. Dies rief nicht nur die ungekrönte Talkshow-Königin Oprah Winfrey auf den Platz, die Gratis-Werbung für Reebok machte – auch die bundesstaatliche Konsumentenschutzorganisation FTC (Federal Trade Commission) wurde auf die angeblichen Wunder-Schuhe aufmerksam.

25 Millionen Dollar Schadenersatz

Die entsprechende Untersuchung brachte allerdings zutage, dass Reebok die Werbebotschaften nicht mit wissenschaftlichen Beweisen untermauern konnte – obwohl angeblich ein Nasa-Ingenieur die Technologie entwickelt hatte. Deshalb muss der Konzern nun enttäuschten Kunden Schadenersatz in der Höhe von bis zu 25 Millionen Dollar leisten. Gleichzeitig darf Reebok nicht mehr behaupten, dass die Schuhe gesundheitliche Wunder bewirkten.

Der Turnschuh-Hersteller will den abgeschlossenen Vergleich nicht als Schuldeingeständnis sehen. «Wir stehen hinter unserer ‹EsayTone›-Technologie», verkündete Reebok in einer Pressemitteilung, ein langfädiger Gerichtsstreit sei aber nicht im Interesse des Unternehmens.