Weko nimmt Skihersteller Stöckli wegen möglicher Preisabsprachen ins Visier

Der Skihersteller Stöckli aus Malters steht gemäss der Wettbewerbskommission im Verdacht, Preisabsprachen getätigt zu haben. Ausserdem untersucht die Weko, ob Stöckli ihren Vertriebshändlern den Onlinehandel von Stöckli-Produkten verbietet. Dem Unternehmen droht eine hohe Busse.

Maurizio Minetti und Livio Brandenberg
Drucken
Teilen
Blick in die Produktion des Skiherstellers Stöckli in Malters. (Bild: Boris Bürgisser, 16. Dezember 2016)

Blick in die Produktion des Skiherstellers Stöckli in Malters. (Bild: Boris Bürgisser, 16. Dezember 2016)

Die Vorwürfe sind happig. Dem Skihersteller Stöckli aus dem luzernischen Malters wirft die Wettbewerbskommission in einer am Dienstag verschickten Mitteilung gleich mehrere Vergehen vor: Im Zentrum der Untersuchung stehen möglicherweise unzulässige vertikale Preisabsprachen zwischen dem Skihersteller und unabhängigen Vertriebshändlern. Weiter bestehen laut der Weko Anhaltspunkte, dass die Stöckli Swiss Sports AG diesen Händlern den Online-Handel von Stöckli-Produkten verboten sowie Querlieferungen zwischen den Vertriebshändlern nicht erlaubt haben soll. In welchem Zeitraum diese Praktiken stattgefunden haben sollen, gab die Weko nicht bekannt.

Stöckli teilte am Abend mit, die Einleitung der Untersuchung durch die Weko sei dem Unternehmen bekannt und man nehme diese zur Kenntnis. Im knappen Communiqué schreibt der Skihersteller weiter: «Die Stöckli Swiss Sports AG hat sich der Weko bereits mehrfach für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung gestellt und alle eingeforderten Unterlagen zeitnah eingereicht.» Auch für weitere Anliegen und Forderungen der Wettbewerbskommission stehe Stöckli «selbstverständlich vollumfänglich zur Verfügung». Auf weitere Fragen ging das Unternehmen nicht ein. Für weitere Aussagen sei es zu früh, Stöckli wolle den Abschluss der Weko-Untersuchung abwarten.

Der letzte grosse Schweizer Skihersteller

Wie Weko-Direktor Patrik Ducrey auf Anfrage erklärt, hat die Weko nach einem entsprechenden Hinweis im Frühling eine Vorabklärung gestartet. Am vergangenen Montag hat die Behörde dann die Untersuchung eingeleitet. Von wem der Hinweis kam, gibt die Weko nicht bekannt. Es gehe hauptsächlich um den Vertrieb von Ski, doch könne man nicht ausschliessen, dass auch andere Produkte wie zum Beispiel Zubehör mutmasslich betroffen seien, sagt Ducrey.

Normalerweise dauern solche Untersuchungen der Weko 12 bis 18 Monate. «Sollte sich Stöckli kooperativ zeigen, könnte die Dauer auch kürzer ausfallen», so Ducrey. Am Ende droht dem Luzerner Skihersteller möglicherweise eine Busse in der Höhe von 10 Prozent des im relevanten Markt erzielten Umsatzes in den letzten drei Jahren. Über alle Geschäftsbereiche hinweg erzielt Stöckli derzeit einen Umsatz von rund 65 Millionen Franken. Einen Teil des Sortiments vertreibt Stöckli direkt über eigene Läden, der Skihersteller arbeitet aber auch mit unabhängigen Händlern zusammen.

Mit jährlich rund 50 000 hergestellten Paar Ski ist Stöckli der letzte grosse Schweizer Skihersteller. Das Unternehmen aus Malters ist Ausrüster namhafter Skiathleten wie Viktoria Rebensburg und Ilka Stuhec sowie der Schweizer Skirennfahrerin Jasmin Flury. Die Familie Stöckli hat die Firma vor vier Jahren an die Entlebucher Familie Kaufmann verkauft.

Mit Fall Husqvarna vergleichbar

Es ist nicht das erste Mal, dass die Weko im Skihandel aktiv wird. Ende 2015 gingen die Wettbewerbshüter gegen die Schweizer Generalimporteure der österreichischen Skimarke Fischer sowie der deutschen Marke Völkl vor, nachdem sich Otto’s-Chef Mark Ineichen beschwert hatte. Die Schweizer Vertriebsgesellschaften sollen Händlern im Ausland verboten haben, den Restpostenverkäufer Otto’s mit günstigeren Ski zu beliefern, lautete damals der Verdacht. Allerdings konnte die Weko die Vorwürfe gegen Fischer und Völkl nicht erhärten.

Ducrey betont, dass es bei der Untersuchung gegen Stöckli nicht um Parallelimporte aus dem Ausland geht. Vergleichbarer mit dem jetzigen Verfahren gegen Stöckli ist darum der Fall des schwedischen Garten-, Forst- und Landmaschinenbauers Husqvarna. Dieser hatte seinen Schweizer Händlern bei den Rasenmährobotern unzulässige Preisvorgaben gemacht und musste 2017 eine Busse in der Höhe von rund 650 000 Franken bezahlen. Husqvarna Schweiz hatte sich damals nach der Eröffnung der Weko-Untersuchung selber angezeigt. Das kooperative Verhalten hatte eine Sanktionsmilderung zur Folge.

Aktuelle Nachrichten