Wer sich für den kommenden Winter neue Ski zulegen will, der hat die Qual der Wahl. Im Sportgeschäft stehen sie aufgereiht: Völkl, Head, Salomon, Atomic – oder Stöckli. Die gleichnamige Firma ist sozusagen der «letzte Mohikaner». Stöckli hat als einziger grosser Schweizer Skihersteller überlebt. Gut 55'000 Paar Ski stellt Stöckli pro Jahr her. Nach einem Ausbau der Produktion in Malters 2017 will Stöckli das Volumen weiter nach oben schrauben. Die Kapazität liegt aktuell bei 65'000 Ski pro Jahr.

Dabei ist die Zahl der insgesamt in der Schweiz verkauften Ski in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Der Konkurrenzkampf im Skigeschäft ist aufgrund des schrumpfenden Marktes hoch. Mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent liegt Stöckli knapp hinter den ausländischen Playern Head, Atomic und Rossignol. Der Wettbewerb – so scheint es – spielt. Die Wettbewerbskommission Weko sieht dies allerdings anders. Im Oktober gab sie bekannt, dass sie eine Untersuchung gegen Stöckli eingeleitet hat. Der Hauptvorwurf: Der Skihersteller soll den Händlern vorgegeben haben, zu welchem Preis sie die Stöckli-Ski verkaufen dürfen. Geprüft wird zudem, ob Stöckli den Online-Handel verboten und Querlieferungen zwischen den Händlern verhindert haben soll.

Weko-Untersuchung gegen Skihersteller Stöckli

Aus dem Archiv: Weko-Untersuchung gegen Skihersteller Stöckli

Zwischen der Stöckli Swiss Sports AG und den Vertriebshändlern soll es zu unzulässigen Preisabsprachen gekommen sein. Jetzt untersucht die Wettbewerbskommission.

Nur kompetitives Verhalten?

Für den früheren Weko-Vizedirektor und heutigen Berater Markus Saurer ist die Weko-Untersuchung «absurd». «Preisdifferenzierung ist im Wettbewerb ein Muss», sagt Saurer. Die Preisvorgaben von Stöckli an die Händler seien nichts anderes als kompetitive Verhaltensweisen im offensichtlich harten Markenwettbewerb. «Ob sie richtig oder falsch sind, entscheidet der Markt», sagt er. Wer sich für einen Ski aus Schweizer Produktion entscheide, der bezahle nun einmal etwas mehr. Der Konsument habe aber die Wahl, es gebe keinen Zwang. Dass die Weko Stöckli verbieten will, die Preise vorzugeben, sei ökonomisch «total falsch».

Mehrere kontaktierte Sporthänd- ler zeigen sich ob der Weko-Untersuchung überrascht. Preisvorgaben von Stöckli seien nicht strikt. «Ich kann meinen Stammkunden einen Rabatt auf Stöckli-Ski geben, wenn ich möchte», sagt etwa Roger Bayard, der in Zermatt und anderen Standorten im Wallis Sportgeschäfte betreibt. Die Sporthändler erhalten von Stöckli für jede Saison Preislisten, die klar als unverbindliche Preisempfehlung gekennzeichnet seien. Auch Stöckli-Chef Marc Gläser war über die Untersuchungseröffnung erstaunt. «Wir haben seit einigen Monaten Kenntnis von den Vorabklärungen der Weko. Stöckli kooperiert vollumfänglich.

Die Produktion in der Schweiz hat ihren Preis. Die ausländische Konkurrenz lässt in Österreich und Osteuropa produzieren, wo die Produktionslöhne deutlich tiefer sind. «Um unsere Kosten zu decken, müssen wir im Premium-Segment bleiben», erklärt Gläser. Und auch die Fachhändler müssten etwas verdienen und ihre Preise frei gestalten können, dies dürfe man nicht vergessen. «Der Skimarkt steht in einem harten Wettbewerb – die Preise sind abhängig von der Nachfrage und der Qualität der Produkte – ein einzelner Produzent kann weder Preise vorgeben noch gestalten», sagt er.

Nach einem Bundesgerichtsurteil gegen den Zahnpastahersteller Gaba hat die Weko im vergangenen Jahr ihre Praxis bei vertikalen Preisabreden angepasst. Zur Kritik an der Untersuchung gegen Stöckli äussert sich die Weko nicht. «Wir wenden das Gesetz an», sagt Weko-Direktor Patrik Ducrey. Nach «Informationen aus dem Markt» sei seine Behörde tätig geworden.

Er betont, dass sich an der Praxis seit dem Gaba-Urteil nichts geändert habe. «Preisabreden waren schon vorher grundsätzlich verboten.» Neu ist einzig, dass es bei Preis- oder Gebietsabreden keine Rolle mehr spielt, ob diese vom Händler auch umgesetzt wird. «Es genügt, wenn der Hersteller seinen Händlern verbindlich vorgibt, zu welchem Preis sie die Ware verkaufen sollen. Ob sie dem Preisdiktat tatsächlich folgen, spielt keine Rolle mehr», sagt Ducrey.

Preisvorgaben an unabhängige Partner könnten nur in Form von unverbindlichen Empfehlungen erfolgen. «Dabei darf kein Druck vom Hersteller erfolgen», sagt Ducrey. Stöckli könne problemlos in den eigenen Geschäften die Preise festsetzen, den unabhängigen Partnergeschäften jedoch nicht, sagt Ducrey.