Über 700-jährige Holzhäuser würden in der Zentralschweiz auch heute noch aus finanziellen Überlegungen verantwortungslos abgerissen, teilte der Schweizer Heimatschutz heute mit. Dass es auch anders gehe, zeige die 2005 vom Heimatschutz gegründete Stiftung "Ferien im Baudenkmal".

Die Stiftung erwarb 2012 in Unterschächen das zweistöckige Bauernhaus Stüssihofstatt. Der Vorbesitzer hatte das baufällige Gebäude aus dem Mittelalter abreissen und durch einen Neubau ersetzen wollen.

Die Stiftung investierte gegen 750'000 Franken in den Kauf und die Renovation des Gebäudes. Die Arbeiten starteten 2013.

Der Russ bleibt

Der Umbau wurde von der Denkmalpflege begleitet. Die Verantwortlichen wollten vorhandene Spuren der Nutzung nicht beseitigen. So blieben etwa die ausgetretene Treppe und der verruste Korridor bestehen.

Auf zeitgemässen Stand gebracht wurden hingegen die Elektro- und Sanitäranlagen sowie Bad und Küche. Unter anderem wurde auch das Dach verstärkt und die Fassade erneuert. Künftig wärmt ein Ofen aus der Talschaft aus dem 18. Jahrhundert das Gebäude.

Ab dem 5. Juli 2014 vermietet die Stiftung das Haus für Feriengäste. Es bietet Platz für acht Personen.

Das Wohnhaus ist im Schutzinventar des Kantons Uri aufgeführt. Es ist eines der ältesten Urner Bauernhäuser. Das spätmittelalterliche Bauwerk gilt als eines der letzten Bauernhäuser im Schächental, das noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist.

Die Innenausstattung stammt grösstenteils aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Um 1900 wurde raumhoher Täfer, ein Parkettboden, ein Buffet und eine Kassettendecke eingebaut. Unter der Decke befindet sich die gotische Originaldecke.

19 Baudenkmäler als Ferienhäuser

Die Stiftung "Ferien im Baudenkmal" wurde 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründet. Sie übernimmt leerstehende Baudenkmäler, renoviert sie und vermietet sie als Ferienwohnungen.

Insgesamt hat die Stiftung 19 Baudenkmäler mit fast 100 Betten im Angebot. Darunter sind Fischerhäuser, Bauernhäuser, Heuställe sowie Statthalter-, Käsehandels- und Bürgerhäuser. Die Stüssihofstatt ist das erste Objekt in der Innerschweiz.

Der Heimatschutz äussert sich besorgt über die Zukunft der historischen Holzhäuser. Der Druck auf die Häuser wachse in der Zentralschweiz stark, denn auf dem Immobilienmarkt herrsche vielerorts Goldgräberstimmung. Mancherorts heisse es, die Holzhäuser seien nicht mehr renovationsfähig und müssten abgerissen werden.

Gleichzeitig würden mehr Bauvorhaben auch mehr Arbeit für die Denkmalpflegen bedeuten. Diese seien jedoch durch Sparmassnahmen an der kurzen Leine gehalten, schreibt der Heimatschutz weiter.

So seien beispielsweise in Schwyz im Dorfbachquartier im Dezember 2013 trotz Intervention des Heimatschutzes mehrere rund 700 Jahre alte Häuser abgerissen worden.