Vielflieger-Welt

Sterne sollen für die feinen Unterschiede sorgen

Die Swiss Lounge am Flughafen Kloten

Die Swiss Lounge am Flughafen Kloten

Miles & More, das Vielfliegerprogramm von Swiss und Lufthansa, vergibt neuerdings Sterne für die Dauer der Teilnahme am Programm. Nur mit den Sternen selber kann man sich nichts kaufen.

Miles & More, zu dem auch die Lufthansa-Tochter Swiss gehört, ist eines der grössten Vielfliegerprogramme der Welt: Laut dem Geschäftsbericht von Lufthansa waren Ende 2012 23 Millionen Menschen Mitglieder. Sie sammelten ihre Meilen bei 37 Fluggesellschaften und über 350 weiteren kommerziellen Partnerfirmen wie Autovermietern und Hotelketten.

Für Vielflieger sind die silbernen «Frequent Traveller»- und die goldenen «Senator»-Karten viel Wert: Mit ihnen öffnen sich die Pforten von Hunderten von Flughafenlounges weltweit, wo sie vor dem Start gratis Zeitungen, Getränke, Snacks und oft auch kleinere Mahlzeiten und Internet-Zugang abseits der lärmigen Massen in den Terminals bekommen. Einzige Bedingung: Sie müssen jeweils 35 000 bzw. 100 000 sogenannte «Statusmeilen» pro Jahr erfliegen. Das sind die Meilen, die sie bei Swiss, Lufthansa oder den weiteren Fluggesellschaften für richtiges Geld sammeln.

Neues Statussymbol

Kaum ein Vielflieger verzichtete bisher darauf, seine Status-Etiketten gut sichtbar am Gepäck anzubringen. Silberkartenbesitzer können ihre silbernen Etiketten mit einem kleinen Draht direkt fixieren. Senatoren bekommen weitherum sichtbar rote Kunststoff-Etiketten, um sich optisch möglichst gut von Ferien- und Charterfliegern abzusetzen.

Miles & More führt jetzt ein weiteres Distinktionsmerkmal ein, wie das Vielfliegerprogramm bekannt gab: Neu werden zur «Veredelung des Status», wie es heisst, in «Anerkennung für langjährige Statuskunden» Sterne verliehen. Pro Tag Frequent Traveller-Zugehörigkeit gibt es einen Punkt, pro Tag Senator-Status zwei Punkte. Die wenigen Hon-Circle-Statusmitglieder erhalten drei Punkte pro Tag. Für 5000 Punkte gibt es einen Punkt, für jeweils weitere 5000 Punkte einen weiteren Stern. Frequent-Traveller kommen somit nach knapp 14 Jahren zu ihrem ersten Stern, Senatoren müssen knapp sieben Jahre Mitgliedschaft für den ersten Stern erflogen haben. «Diese Sterne veredeln künftig die Miles & More Servicekarten und Kofferanhänger von Frequent Travellern, Senatoren und HON Circle Membern», heisst es in der Mitteilung weiter.

«Die Miles & More-Teilnehmer bekommen durch die Stars keinen konkreten Vorteil», sagte ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage der Nordwestschweiz. «Dies soll eine sichtbare Anerkennung für die langjährigen Statusmitglieder sein, die entsprechend mehr Stars haben werden. Je höher der Status und je länger man ihn hat, desto schneller bekommt man einen Star auf seine Karte, die dann entsprechend ausgetauscht wird.»

Hohe Hürden

Auch wenn die Hürden hoch erscheinen - für viele Vielflieger ist es inzwischen schwierig geworden, ihre erforderlichen Meilen zu sammeln. Denn Swiss und Lufthansa haben in den letzten Jahren nicht nur die Meilengutschriften pro Flug abgesenkt. Sie staffeln die Meilenvergaben gemäss den Ticketpreisen. Für die billigsten, Monate im Voraus gebuchten Eco-Flüge gibt es pro Weg nur noch 125 Meilen. Wochenendpendler, die beispielsweise in den günstigsten Buchungsklasen die Strecke von Zürich nach Hamburg oder Wien fliegen,kommen retour auf 250 Meilen. Sie müssten rund 120 mal retour fliegen, um auf den Frequent-Traveller-Status zu kommen.

Umgekehrt ist es für die Vielflieger in den letzten Jahren drastisch schwieriger geworden, ihre Meilen sinnvoll für Gratis-Flüge auszugeben. Die wenigen freigegebenen Sitze pro Flug sind jeweils rasch ein Jahr im Voraus weg. Etwas grösser sind die Chancen jeweils, wenn man nicht über die Miles & More-Seiten von Swiss oder Lufthansa geht, sondern über die des Programms selber oder über die von aufstrebenden Fluggesellschaften der Star Alliance wie Turkish Airlines.

Wechselwillige Kunden

Und die Meilen sind kaum etwas wert: Gerade bei früh gebuchten Europa-Strecken sind die Gebühren, die zusätzlich für Meilen-Gratis-Tickets fällig werden, höher als das bezahlte Ticket. Bei einem Flug nach New York, den es für Bargeld derzeit ab 600 Franken gibt, müssen, je nach Flugdaten in den kommenden Wochen, zwischen 60000 und 170000 Meilen ausgegeben werden. Hinzu kommen Zuschläge in Höhe von 450 bis 630 Franken.

«Ich werde meine Meilen nicht mehr los, ich werde deshalb zu einem anderen Programm wechseln», sagt ein Manager aus der Computerindustrie, der bisher bei Swiss Miles & More-Kunde mit Senator-Status ist. In Vielflieger-Foren werden Tricks herum gereicht, bei welcher griechischen Fluggesellschaft, mit der ebenfalls Miles & More-Meilen erflogen werden können, eine Goldkarte schon für 50000 Meilen zu haben ist, und mit welcher Abflugdestination innerhalb Europas am meisten und günstigsten Meilen gesammelt werden können. Mailand beispielsweise gilt für Schweizer Kunden als attraktiver Ausgangsort für Langstrecken-Business-Flüge via Zürich. Die Tickets für USA-Flüge in der Business-Klasse sind oft um die Hälfte günstiger als der Direktflug ab Zürich.

Aufmerksame Airlines

Allerdings haben das auch schon die Fluggesellschaften entdeckt, wie ein Sprecher eines auf Vielflieger spezialisierten Reisebüros sagt. Fluggesellschaften bestehen schon seit Jahren darauf, dass die Strecke nur vom Ausgangsort aus abgeflogen werden kann. Und wer glaubt, sich auf dem Rückweg den letzten kleinen Flug schenken zu können, wird zunehmend zur Kasse gebeten, wie ein Reiseberater festgestellt hat.

Weniger Aufmerksamkeit geniessen die Vielflieger in der Luft. «Am schlimmsten sind die Frequent-Traveller», sagt eine langjährige Swiss-Flugbegleiterin vergangene Woche auf dem Flug von Los Angeles nach Zürich. Diese würden in der Luft das fliegende Personal mit Extrawünschen tüchtig auf Trab halten. Auch frisch gebackene Senatoren sollen gelegentlich «viel zu tun» geben, wie sich die Flight Attendant ausdrückte. Theoretisch kommen lediglich die Hon-Circle-Mitglieder in den Genuss einer persönlichen Begrüssung. Bei Swiss-Flügen klappt das oft, bei Austrian Airlines gelegentlich und bei Lufthansa-Kurzstrecken so gut wie nie.

Wenige Hon-Circle-Mitglieder

Die Zahl der Hon-Circle-Mitglieder publiziert Miles & More nicht: Diese sammeln 600000 Meilen in zwei Jahren. Laut einer mit dem Programm sehr vertrauten Person bei Swiss sind es gegenwärtig 2200 Mitglieder, 300 weniger als im letzten Jahr. Rund 600 kommen aus der Schweiz.

Die Service-Versprechen werden längst nicht immer eingelöst: Die versprochene Limousine bei Aussenpositionen in Frankfurt kommt gar nicht oder flitzt vor der Nase ab. Beim interkontinentalen Umsteigen auf dem sehr umständlichen Wiener Flughafen fehlt trotz knapper Anschlüsse von der Assistentin jede Spur. Und «bei Ihnen machen wir jetzt ein Exempel, das Handgepäck ist zu schwer», sagte auf dem Flughafen von Orlando eine Lufthansa-Check-In-Dame zu einem der besten Kunden. Sie schickte ihn in die Economy-Warteschlange mit einer Dreiviertelstunde Wartezeit. Die Lounge musste sich der Passagier selber suchen.

Selbst beim fälligen Feedback spart man: Auch das kommt aus dem Computer: «Für Ihre künftigen Reisen wünschen wir Ihnen wieder einen in jeder Hinsicht angenehmen und reibungslosen Verlauf.»

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