Online-Netzwerk

Stellt Facebook heute Abend einen neuen E-Mail-Dienst vor?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Heute Abend um 19 Uhr lädt das Online-Netzwerk Facebook zu einer grossen Pressekonferenz. Branchenkenner munkeln von einem neuen E-Mail-Dienst, den Mark Zuckerberg vorstellen werde.

500 Millionen Nutzer sprechen eine deutliche Sprache. Facebook ist das grösste Online-Netzwerk der Welt. Allein in der Schweiz tummeln sich über 2 Millionen Menschen auf der Plattform Mark Zuckerbergs. Doch das Wachstum stagniert. Um die Kunden bei Laune zu halten und vor allem neue Märkte zu erschliessen, ist Zuckerberg gezwungen seine Plattform mit neuen Funktionen zu bestücken. Dazu gehört mitunter ein E-Mail-Dienst. Ein solcher soll laut Branchenkennern heute Abend vorgestellt werden.

Intern wird das Vorhaben «Projekt Titan» oder auch «Mörder von Gmail» genannt. Bewahrheitet sich die Spekulationen würden 500 Millionen Nutzer auf einen Schlag eine neue persönliche E-Mail-Adresse erhalten. Zum Vergleich: Nach Angaben des Instituts Comscore ist Hotmail von Microsoft derzeit mit 361,7 Millionen Nutzern derzeit der grösste Dienst gefolgt von Yahoo mit 273,1 Millionen Nutzern und Gmail mit 193,3 Millionen Nutzern. Bereits heute können Facebook-Nutzer über einen Chat sich intern Nachrichten schicken. Mit einer persönlichen E-Mailadresse würde Facebook die Lücke für die Kommunikation nach aussen schliessen.

Google unter Druck

Die Technologieblogs spekulieren darüber, ob jeder Nutzer künftig eine E-Mail-Adresse erhält, die sich aus seinem Nutzernamen und der Endung @facebook.com oder @fb.com zusammensetzt. Am Wochenende tauchten zusätzlich Berichte auf, Facebook habe die URL fb.com gekauft. Fraglich ist jedoch, ob der Nachrichtendienst einen POP-Zugang erhalten wird. Das würde bedeuten, dass die E-Mails mit jedem Endgerät auch ausserhalb des Facebook-Ökosystems empfangen werden können.

«Alle E-Mail-Anbieter sollten besorgt sein», sagt der Analyst der Altimeter Group, Jeremiah Owyang, gegenüber der «New York Times». Alle Plattformen hätten in der Vergangenheit versucht, Features von sozialen Netzwerken zu übernehmen. Facebook braucht diese nicht zu übernehmen, es hat sie bereits. Mit Hilfe des Dienstes könnte Facebook dafür sorgen, dass der Nutzer noch mehr Zeit in Facebook verbringt. «Je mehr sie von deinem digitalen Alltag besitzen, desto mehr Geld verdienen sie», sagt Owyang.

Mehr personalisierte Werbung

Owyang meint damit primär die personalisierte Online-Werbung. Das Online-Netzwerk Facebook wird im Gegensatz zu Google freiwillig mit immer neuen persönlichen Informationen gefüttert, die für die Werbebranche bei der Platzierung von entsprechenden Angeboten relevant sind. Wird sich Facebook dadurch im Werbemarkt als Alternative zu Branchenprimus Google platzieren können, kommen harte Zeiten auf die Suchmaschine zu. Als am Freitag die ersten Gerüchte über den E-Mail-Dienst in amerikanischen Technik-Blogs bekannt wurden, sackte der Kurs der Google-Aktie um 2,27 Prozent zurück.

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