Die komplexe Struktur von GE in Europa mit verschiedenen Ländergesellschaften und den jeweiligen gewerkschaftlichen und politischen Einflussnahmen führte zu Verzögerungen. Die Hoffnung bleibt, dass der anfänglich befürchtete Kahlschlag geringer ausfällt und sich die Argumente des Schweizer Wirtschaftsministers Johann Schneider-Ammann gegenüber denjenigen der französischen Regierung durchgesetzt haben. Letztere soll auf der Standortgarantie gepocht haben, heisst es. Auch Schneider-Ammann sowie Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt sind Mitte Oktober in die USA geflogen, um mit der GE-Konzernspitze zu sprechen. Dabei wurden die Vorteile des Industriestandorts sowie des liberalen Arbeitsmarkts hervorgestrichen.

Anfang November hat General- Electric-Chef John Flannery das Sparprogramm vorgestellt. Dieses sieht vor, dass man sich binnen ein bis zwei Jahren von Sparten oder Vermögenswerten im Umfang von 20 Milliarden Dollar trennen will. Auf dem Prüfstand stehen das Zuggeschäft, der Bereich Industrielösungen, die Lichtsparte und zehn weitere Bereiche. Details zur Frage,
wo wie viele Stellen gestrichen werden, nannte Flannery aber keine. Seither bangen die Angestellten an den betroffenen Standorten der kriselnden Energiesparte. In der Schweiz geht es um die Aargauer Standorte in Birr, Oberentfelden und Baden.

In GE-Kreisen in der Schweiz geisterte die Zahl von 1300 Stellen herum, das wäre jede vierte Stelle in der Schweiz. Gewerkschaften befürchteten, dass im schlimmsten Falle GE sein komplettes Produktions- und Servicegeschäft in der Gas- und Wasserkraft an einem anderen europäischen Standort konzentrieren könnte. Betroffen ist die ganze Branche. Konkurrent Siemens gab auch im November ein hartes Sparprogramm bekannt. Besonders betroffen ist auch hier die Kraftwerksparte.

Schon einmal reduzierte GE die Zahl der Stellenstreichungen. 2016 wurden 900 statt der befürchteten 1300 abgebaut. So oder so: Für die Betroffenen wird eine Ankündigung kurz vor Weihnachten ein harter Schlag sein.