Die US-Regierung zielt dabei auf den bedeutendsten Wirtschaftszweig des Landes und will iranische Erdölexporte so weit als möglich unterbinden. Bereits die Ankündigung hat in den vergangenen Wochen ihre angedachte Wirkung nicht verfehlt. Aus Angst, es sich mit den USA zu verscherzen, haben sich viele Importländer nach alternativen Beschaffungsmöglichkeiten umgesehen.

«Obwohl die US-Sanktionen gegenüber dem Iran erst heute in Kraft treten, sind Irans Rohöl-Exporte bereits stark zurückgegangen – seit April um etwa 900 000 Fass pro Tag», sagt UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Dies hatte unweigerlich auch Einfluss auf den Benzinpreis in der Schweiz. Anfang Oktober kostete ein Fass der Sorte Brent wieder knapp 85 Dollar – so viel wie seit vier Jahren nicht mehr.

Im Oktober haben die Preise jedoch wieder etwas nachgelassen. Dies wohl nicht zuletzt, weil absehbar ist, dass das von der US-Regierung erklärte Ziel, die iranischen Exporte auf null zu bringen, nicht realisierbar ist. «China, Indien und vermutlich auch die Türkei werden weiterhin iranisches Öl kaufen», sagt Staunovo.

Irans Ausfall sei zudem durch Russland und Saudi-Arabien aufgefangen worden. Zudem versuchten einige Länder wie Indien – Irans wichtigster Abnehmer – eine Aussetzung der Sanktionen zu erwirken.

Tiefer Rheinpegel

Dennoch seien die Kapazitätsreserven stark gefallen, was den Ölmarkt für weitere Produktionsausfälle anfälliger machen würde, sagt Staunovo. «Wir erwarten, dass der Ölpreis bis Jahresende wieder Richtung 85 Dollar pro Fass ansteigen wird.» Keinen Einfluss sollte der Wechselkurs, der zweite wichtige Faktor in der Preisentwicklung, haben. Die Ökonomen von UBS sehen den Dollar weiterhin um die Marke von 1.00 Franken schwanken.

Kritischer beurteilt Staunovo aber den dritten wesentlichen Einflussfaktor für den Schweizer Treibstoff- und Ölpreis. «Problematischer ist die Wassermenge im Rhein, welche die Ölimporte in die Schweiz limitiert und sich auf die Benzin- und Dieselpreise preisstützend auswirken könnte», sagt der UBS-Analyst. Die Schweizer Rheinhäfen sprechen von einer «angespannten Situation».

Am 19. Oktober musste die Grossschifffahrt weitgehend eingestellt werden. Tankschiffe fahren nur noch eingeschränkt. Entsprechend besorgt gibt man sich beim Verband der schweizerischen Erdölwirtschaft. «Wegen tiefer Pegelstände auf dem Rhein kommen nur wenige Tanker bis Basel, die kaum beladen sind», schreibt David Suchet von der Erdöl-Vereinigung. Die Kapazitäten der Bahn- und Pipeline-Importe seien ebenfalls nahezu ausgeschöpft mit dem Resultat, dass die Frachtkosten entsprechend angestiegen sind.

Normalerweise beträgt der Transportanteil von Rotterdam nach Basel für einen Liter Bleifrei 95 rund 1 bis 2 Rappen. Gemäss der Erdöl-Vereinigung betrug der Anteil Anfang Oktober 10 Rappen, letzte Woche waren es gar 13 Rappen pro Liter. Der Konsument spürte dies an der Zapfsäule bisher nur bedingt. Die steigenden Frachtkosten wurden im Oktober noch vom kurzfristig schwächeren Rohölpreis kompensiert. Doch die Situation könnte sich bald verschärfen.

Situation bleibt angespannt

Eine Einschätzung der Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran bleibt für Experten schwierig, könnte aber den Rohölpreis mittelfristig weiter anheizen. Auf jeden Fall prekär bleibt die Situation in Basel. Denn in den nächsten Monaten ist nicht mit mehr Wasser im Rhein zu rechnen. Im Gegenteil.

Gemäss dem Bundesamt für Umwelt sinkt die Abflussmenge der Gewässer mit alpinen Einzugsgebieten in den Spätherbst- und Wintermonaten generell auf den tiefsten Wert des Jahres. «Wenn es in nächster Zeit auf der Alpennordseite wenig regnet – oder es kalt bleibt und der Niederschlag in Form von Schnee fällt –, wird der Rheinpegel weiter sinken», schreibt Edith Oosenbru von der Abteilung Hydrologie des Bundesamtes für Umwelt.

Auf die Frage, ob es auch Tankschiffe bald nicht mehr nach Basel schaffen, schreibt eine Sprecherin der Schweizer Rheinhäfen: «Es ist schwierig, Prognosen zu machen, wir beobachten die Situation.»