Bis anhin stiegen die Kinderprämien zwar kontinuierlich, aber weniger steil als die Prämien für Erwachsene. 2017 machen sie nun einen grossen Sprung: Der Zuschlag beträgt im Schnitt 6,6 Prozent. In Kantonen mit allgemein hohen Prämien wie Genf, Bern, Solothurn und beide Basel kostet die Standardprämie für Kinder damit deutlich über 100 Franken im Monat.

Bundesrat Alain Berset bedauert zwar, dass die Familien immer stärker finanziell belastet werden. Doch er sagt auch, dass die Gesundheitskosten für Kinder in den letzten Jahren stark gestiegen seien: Konkret von rund 500 Franken 1997 auf über 1000 Franken 2015. Und weil die Prämien zuletzt die Kosten nicht mehr decken konnten, machen sie jetzt einen Sprung.

Die Prämien für Erwachsene steigen hingegen nächstes Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent – was dem Schnitt der letzten 20 Jahre entspricht. Je nach Kanton und Franchise unterscheiden sich die Änderungen aber stark.

Handlungsspielraum ungenutzt

Berset zählt nach wie vor die Alterung der Gesellschaft sowie den technischen Fortschritt bei medizinischen Behandlungen zu den grossen Kostentreibern. Das Problem: Diese Faktoren sind politisch nicht steuerbar. Bersets Fazit: «Wir müssen auch künftig mit steigenden Gesundheitskosten rechnen.»

Das heisst nun nicht, dass Bundesrat und Parlament die Hände in den Schoss legen. Sie wissen, dass noch viel Luft im System vorhanden ist – etwa beim veralteten Ärztetarif Tarmed, bei den Medikamentenpreisen oder bei der Zulassung von Spezialärzten in der Schweiz. Nur erzielen die involvierten Akteure in diesen Bereichen seit Jahren kaum oder gar keine Fortschritte.

Auch deshalb erinnerte Berset gestern Kantone, Ärzte, Krankenkassen und Patienten daran, dass alle gefordert seien, um die Kosten einzudämmen. So liege es etwa in der Verantwortung der Versicherten, die Krankenkasse zu wechseln, um Geld zu sparen. «In Zürich bezahlen Versicherte zwischen 180 und über 600 Franken im Monat. Da gibt es für den Einzelnen noch viel ‹marge de manoeuvre›», sagte Berset – und rief zum Kassenwechsel auf.

Kantone schieben Kosten ab

Versicherer und Patientenschützer zweifeln an der Theorie des Bundesrats und der Ärzte, dass die Alterung der Gesellschaft der unaufhaltbare Grund des Kostenwachstums sei. Denn egal wie alt eine Person wird: Immer die letzten zwei Jahre sind die teuren. Hingegen steigen die Ausgaben im ambulanten Sektor markant.

Das ist politisch gewollt, denn Patienten können mit kleinerem Aufwand und günstiger behandelt werden. Doch das System führt zu einer stärkeren Belastung der Prämienzahler: Im stationären Bereich berappen die Kantone 55 Prozent der Kosten, die restlichen 45 Prozent übernehmen die Versicherer. Ambulante Behandlungen gehen zu 100 Prozent auf die Kosten der Versicherer.

Für Verena Nold, Direktorin des Versicherungsverbands Santésuisse, geht die Finanzierung auf Dauer nicht auf. Im Parlament steht ein neues Modell zur Diskussion. Ob und bis dieses je umgesetzt wird, dauert es noch Jahre. Unterdessen begrüsst sie die Erhöhung der Franchisen, wie es der Ständerat vergangene Woche beschlossen hat. «Der Einzelne muss es im Portemonnaie spüren, dass ein Besuch im Spitalambulatorium nicht gratis ist.» Nur so könne das Kostenbewusstsein gesteigert werden.