Strassenverkehr

Staus auf Schweizer Nationalstrassen 2016 mit neuer Rekorddauer

Die Zahl der Staustunden auf Schweizer Autobahnen hat 2016 einen neuen Rekordstand erreicht. (Symbolbild)

Die Zahl der Staustunden auf Schweizer Autobahnen hat 2016 einen neuen Rekordstand erreicht. (Symbolbild)

Mehr Verkehr, mehr Unfälle: Die Zahl der Staustunden auf Autobahnen hat 2016 einen neuen Höchststand erreicht. Einzig wegen Baustellen gab es weniger Stillstand. Mit Sofortmassnahmen will der Bund für Abhilfe sorgen.

Insgesamt staute sich der Verkehr auf Schweizer Nationalstrassen vergangenes Jahr während 24'066 Stunden. Das sind rund 1200 Stunden oder 5,4 Prozent mehr als 2015, wie das Bundesamt für Strassen (ASTRA) am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr hatte das Plus sogar 6,1 Prozent betragen.

Am grössten bleibt die Staubelastung auf der A1. Der stärkste Anstieg wurde aber für einmal nicht in der Region Aargau-Zürich-Winterthur festgestellt, sondern in der Westschweiz. Im Raum Baregg gingen die Staustunden sogar leicht (-0,5 Prozent) zurück. Trotzdem kam der Verkehr dort praktisch täglich zum Erliegen, ebenso auf der Nordumfahrung Zürich-Winterthur.

Die Zunahme der Stockungen geht einher mit dem immer grösseren Verkehrsaufkommen. Obwohl sie nur etwa 2,5 Prozent des Strassennetzes ausmachen, schlucken die Autobahnen schon 42 Prozent des gesamten Verkehrs. 2016 wuchs die Fahrleistung total um 2,4 Prozent (2015: +4,2 Prozent). Die Fahrleistung des schweren Güterverkehrs nahm mit 1,4 Prozent stärker zu als im Vorjahr (+0,1).

Verkehrsüberlastung bleibt denn auch die häufigste Ursache von Stockungen. Fast neun von zehn Staustunden (88 Prozent) gehen auf ihr Konto. Unfälle waren vergangenes Jahr für jede zehnte Staustunde verantwortlich. Erstmals nach vielen Jahren verlängerte sich die Dauer von unfallbedingten Staus wieder, und zwar um 6,9 Prozent.

Sehr viele Verkehrsunfälle ereignen sich gemäss ASTRA im Feierabendverkehr, wobei der Freitag besonders heraussticht. Als Hauptursache für die Unfälle werden zu nahes Aufschliessen und Unaufmerksamkeit genannt.

Ausbauten und besseres Verkehrsmanagement

Der rückläufige Trend bei den Staustunden wegen Baustellen setzte sich hingegen fort. Sie verringerten sich auf noch knapp 360 Stunden, was 1,5 Prozent der Gesamtstauzeiten entspricht. Das ASTRA sieht sich damit auf dem richtigen Weg mit seinen Bemühungen, die Arbeiten vorwiegend auf verkehrsarme Zeiten zu verlegen.

Um den Verkehr flüssig zu halten, setzt das Amt auf gezielte Ausbauten und ein besseres Verkehrsmanagement. Aktuell laufen rund zwanzig Projekte zur Engpassbeseitigung. Dazu gehören die Kapazitätserweiterung am Nordring Zürich (A1) sowie die Verlängerung von Autobahnanschlüssen. Noch dieses Jahr soll die Pannenstreifenumnutzung zwischen Pratteln und Augst (A3) in Betrieb genommen werden

Mit dem direkten Zugriff auf die Daten der kantonalen Systeme hofft die Verkehrsmanagement-Zentrale des ASTRA, die bestehenden Autobahnen besser bewirtschaften zu können. Auf den Abschnitten Muri-Thun (A6) und beim Anschluss Buchrain-Verzweigung Rütihof (A14) sollen ab Herbst Anlagen für eine flexible Geschwindigkeitsregelung verhindern, dass die Blechlawinen zum Stehen kommen.

Im Kampf gegen den Stau nutzt das ASTRA seit Anfang Jahr auch Wechseltextanzeigen, um beispielsweise notorische Linksfahrer von ihrem Tun abzubringen. Künftig soll schweizweit eine raschere Räumung von Unfallstellen ebenfalls dazu beitragen, Verkehrszusammenbrüche zu vermeiden.

Autolobby warnt vor Verkehrskollaps

auto-schweiz begrüsst zwar die Ausbauten und die Umnutzung von Pannenstreifen als kurzfristige Erleichterungen, fordert aber "dringend wirkungsvolle Massnahmen". "Wir stehen kurz vor dem Verkehrskollaps", schreibt Andreas Burgener, Direktor des Automiporteure-Verbands, zum "neuerlichen traurigen Rekord".

Als Kernproblem bezeichnet Burgener den "schleppenden Infrastrukturausbau". Nötig seien schnellere Genehmigungsverfahren für Grossprojekte. Hoffnungen setzt die Branche zudem auf neue Techniken wie das automatisierte Fahren, womit die Abstände reduziert, die Geschwindigkeit erhöht und mehr Fahrzeuge durchgeschleust werden könnten.

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