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Start mit einem Flop: Krebsmedikament beschert Roche einen Kursverlust

Christoph Franz, neuer Roche-Verwaltungsratspräsident. marx

Christoph Franz, neuer Roche-Verwaltungsratspräsident. marx

Einen Tag vor seiner Wahl in den Verwaltungsrat erfährt der designierte neue Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz die Tücken des Pharmageschäfts. Jahrelange Forschung an einem Krebs-Medikament könnte umsonst gewesen sein.

Deutsche Medien hatten dem scheidenden Lufthansa-Chef Christoph Franz «Fahnenflucht» bei seinem überraschenden Wechsel an die Spitze des Roche-Verwaltungsrats unterstellt: In der Schweiz habe er es nicht mehr mit renitenten Mitarbeitern zu tun, die bei Sparplänen streiken.

Jetzt bekommt es Franz mit renitenten Krebszellen zu tun: Roche muss um die Früchte jahrelanger Forschungsarbeit an einem Krebsmittel fürchten. Es sollte einmal für Milliardenumsätze sorgen. Ein unabhängiges Prüfgremium hat empfohlen, eine spätklinische Phase-III-Studie mit dem neuen Lungenkrebsmittel Onartuzumab zu stoppen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Die Experten kamen zum Schluss, dass eine Kombination aus diesem Wirkstoff und dem Roche-Medikament Tarceva das Leben von Patienten mit einer speziellen Form von Lungenkrebs nicht merklich verlängerte.

Bereits der zweite Flop

Es ist der zweite Flopp im laufenden Jahr: Bereits vor sechs Wochen hatte Roche mitgeteilt, dass das Schizophrenie-Medikament Bitopertin in zwei klinischen Studien die Symptome der Erkrankung nicht deutlich verbesserte.

Nach dem Rückschlag mit Onartuzumab bei Lungenkrebs stellt Roche das gesamte klinische Programm mit Onartuzumab auf den Prüfstand. Der Wirkstoff soll auch gegen andere Krebsarten eingesetzt werden, etwa gegen Magen- und Darmkrebs.

Analysten hatten dem neuen Lungenkrebs-Medikament Blockbuster-Potenzial attestiert, also eine Milliarde Franken Umsatz oder mehr pro Jahr. Der Studienabbruch komme für viele überraschend, weil Onartuzumab in mehreren vorangegangenen Studien positive Ergebnisse gezeigt habe, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank.

Bei der Bank Vontobel hatte man das jetzt im Test gescheiterte Medikament noch nicht in die Finanzprognosen integriert gehabt, die Analysten rechnen mit besseren Nachrichten aus den klinischen Testlabors in diesem Jahr.

Roche hatte in der gestoppten Studie geprüft, ob eine Behandlung von Onartuzumab plus Tarceva das Leben von Patienten mit vorbehandeltem MET-positivem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) verlängert - im Vergleich zu einer Therapie mit Tarceva alleine. Onartuzumab sollte das auf der Zelloberfläche sitzende Protein MET blockieren, das mit der Tumorentwicklung und Metastasierung im Zusammenhang gebracht wird.

Ausverkauf an der Börse

Die Anleger an der Börse reagierten mit Verkäufen. Die Roche-Genussscheine verloren 4,6 Prozent an Wert - deutlich mehr andere Unternehmen der Branche. Auch der Leitindex SMI hielt sich mit einem Minus von 1,7 Prozent besser.

Händler führten den Kurseinbruch auch auf Gewinnmitnahmen zurück: Die Roche-Titel gehörten im Vorjahr mit einem Kursplus von 35 Prozent zu den SMI-Titeln mit der besten Performance. (Nik/SDA)

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