«Im Moment herrscht noch ein komplettes Durcheinander.» Geschäftsführer Alexander Stüdeli zeigt die neuen Räumlichkeiten an der Archstrasse 38a. In allen Ecken stapeln sich Stühle und vollgestopfte Kisten zu Bergen. Tischplatten liegen verkehrt herum auf dem Boden. Zwei dunkelhäutige Männer sind damit beschäftigt, Beine daran festzuschrauben.

Lautes Hämmern und Bohrgeräusche unterbrechen immer wieder die Ausführungen des frisch gebackenen Geschäftsführers. Dieser erhebt die Stimme, um gegen den Lärm anzukommen: «Hier sind zusätzliche Toiletten im Bau. Da kommt die Garderobe hin.» Mit der Hand weist Alexander Stüdeli in allerlei Richtungen. «Dort wird eine Küche mit Sitzgelegenheiten entstehen.»

Stüdeli ist ein optimistischer Mensch. Dass er als Geschäftsführer inmitten der Krise eine neue Firma eröffnet, sieht er als Chance. «In der momentanen Zeit sind Firmen stärker denn je gezwungen, ihre Ressourcen richtig einzusetzen. Da kann es durchaus Sinn machen, einen Teil der Arbeit zu günstigen Konditionen auszulagern und damit die eigenen Fachpersonen verstärkt in ihren Kerngebieten einzusetzen.»

Eine Chance für die Zuverlässigen

«ProWork» ist ein Kind vom Verein Netzwerk Grenchen und der Genossenschaft Regiomech Zuchwil. Diese beiden kantonalen Institutionen richten ihr Angebot an Menschen, die im ersten Arbeitsmarkt keinen Job gefunden haben und ausgesteuert worden sind. Neben Qualifizierung und Betreuung waren dort bis anhin auch die Langzeitbeschäftigungsplätze im Innen- und Aussenbereich angeschlossen. Diese sind nun ausgelagert und unter dem Namen «ProWork» in Grenchen zusammengefügt worden. Zusätzlich dazu wird dort der neue Teillohnbereich aufgebaut.

Dazu Alexander Stüdeli: «Heute werden uns Leute mit der Idee zugewiesen, dass sie für das Geld, das sie vom Sozialamt erhalten, eine Gegenleistung erbringen müssen. Zudem sind sie beschäftigt und haben einen geregelten Tagesablauf.» Rund 50 Personen sind es aus dem ganzen Kanton.

Künftig soll es neben den gemeinnützigen Arbeitsplätzen für die 10 bis 20 zuverlässigsten unter ihnen - jene, die eine erhöhte Leistungsfähigkeit aufweisen, sich an die Regeln halten und Eigenmotivation mitbringen - möglich sein, direkt angestellt zu werden. «Sie werden anspruchsvollere Arbeiten in den Bereichen Montage, Lötarbeiten oder an der Werkbank übernehmen. Dafür wird ihnen ein Teillohn ausbezahlt, den ‹ProWork› selbstständig erwirtschaftet. Langfristig gesehen wird so die öffentliche Hand entlastet.»

Zusammenarbeit in der Krise

So weit ist es allerdings noch nicht. Damit der Teillohnbereich zirka Mitte Jahr starten kann, wird Alexander Stüdeli noch reichlich zu tun haben. Auf der Suche nach Firmen, die sich eine Zusammenarbeit mit «ProWork» vorstellen können, steht er noch am Anfang. Und er weiss, dass es sich dabei, um ein «knallhartes Geschäft» handelt. «Der Kuchen war im letzten Jahr noch gross und ist jetzt stark geschrumpft. Die Krise schlägt durch.» Der Geschäftsleiter von «ProWork» setzt auf eine «Win-Win-Win-Situation für alle». Die Öffentlichkeit soll profitieren, die angestellten Personen und ebenso die Wirtschaft.

«Firmen, die mit uns zusammenarbeiten, zeigen, dass sie Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen», betont Alexander Stüdeli. In seinem Büro ist es ruhiger als im Produktionsteil. Ein Foto auf seinem Bürotisch zeigt seine drei Kinder im Alter von fünf, sechs und acht Jahren. «Meine Familie ist meine Motivation und mein Rückgrat», betont er. Früher war der drahtige Mann aktiver Kunstturner und später ehrenamtlicher Trainer. «Daher kommt auch meine Ader fürs Soziale», verrät der Maschineningenieur mit einem Zusatzstudium in Marketing, Finanz- und Personalmanagement.