Die Frankenstärke belastet die Schweizer Exportfirmen schwer: Ihre Produkte wurden unmittelbar nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze von Fr. 1.20 um 15 bis
20 Prozent teurer. Die Ostschweizer SFS Group in Heerbrugg reagiert jetzt: «Arbeitsintensive Aktivitäten mit beschränktem Know-how und Technologiegehalt werden rascher als bisher geplant in eigene Werke im Ausland verlagert», gab der Hersteller von Präzisionsformteilen und mechanischen Befestigungssystemen gestern bekannt.

Zwar sei es in den letzten Jahren gelungen, das Ungleichgewicht zwischen Erträgen in verschiedenen Währungen und Kosten in Schweizer Franken deutlich zu reduzieren, sagt SFS-Sprecher Claude Stadler. Dennoch habe die jetzige starke Aufwertung des Frankens «erhebliche Auswirkungen auf die zukünftigen Umsätze und Betriebsergebnisse».

Was das heisst, rechnet die Firma gleich selbst vor. Der Umsatz 2014 hätte sich bei einem Wechselkurs von Fr. 1.10 zum Euro und Fr. 0.90 zum Dollar um rund 120 Millionen Franken reduziert und die Betriebsgewinnmarge (Ebita) würde um 100 bis 140 Basispunkten negativ beeinflusst. Aktuell liegt der Eurokurs bei Fr. 0.99. 2014 erwirtschaftete SFS einen Umsatz von 1,4 Milliarden Franken und eine Marge von 14,1 Prozent.

«Durch Eurozerfall verschärft»

Bereits eingeführte Verbesserungsmassnahmen sollen im 2015 dazu beitragen, den währungsbedingten Rückgang der Betriebsgewinnmarge abzufedern. «Aber die Ausgangslage hat sich durch den weiteren Eurozerfall verschärft», sagt Stadler. Deshalb würden eben Aktivitäten beschleunigt ausgelagert. Das sei die Fortführung eines bereits seit längerem laufenden Prozesses. Am Standort Schweiz wolle man sich in der Fertigung verstärkt auf hochwertige Tätigkeiten konzentrieren.

Stadler hält fest, dass nicht explizit Arbeitsplätze, sondern gewisse Tätigkeiten ausgelagert werden sollen. Deshalb sei offen, in welchem Ausmass und ob davon überhaupt Arbeitsplätze in der Schweiz abgebaut würden. SFS beschäftigt in der Schweiz inklusive Handelssektor 2500 Mitarbeitende, davon rund 1500 in der Fertigung. Weltweit zählt SFS rund 8700 Beschäftigte.

Derweil wird zwischen den Sozialpartnern gestritten, ob die Löhne künftig in Euro ausbezahlt werden sollen. Insbesondere betroffen wären Grenzgänger, die in der Schweiz arbeiten, aber im Ausland wohnen. Das ist rechtlich schwierig durchzusetzen. So hat das Kantonsgericht Baselland im Dezember 2012 entschieden, es sei unzulässig, wenn eine Firma Grenzgängern den Lohn kürze. Dies verstosse gegen das Diskriminierungsverbot im Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU.

Mopac im Emmental ging voraus

Das Thema ist aber nicht neu. Anfang 2011 kürzte das Verpackungsunternehmen Mopac Modern Packaging AG im emmentalischen Wasen den Lohn der rund
220 Mitarbeitenden wechselkursbedingt um zehn Prozent. Die indirekte Koppelung an den Eurokurs sorgte landesweit für Schlagzeilen. Die Gewerkschaft Unia zog die Firma vor das Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Allerdings liegt noch kein Urteil vor.

Die Lohnkürzung sei immer noch in Kraft, sagt Rainer Füchslin, Geschäftsführer der Mopac, die 55 Prozent ihrer Produkte exportiert. Die Massnahme sei nicht vergleichbar mit jener im Baselland. Die Kürzung gelte erstens für die gesamte Belegschaft und zweitens werde der Lohn nicht in Euro ausbezahlt. Deshalb sei er zuversichtlich, vor Gericht Recht zu erhalten.

Ziel der Massnahme sei es, den Standort und die Arbeitsplätze in Wasen zu erhalten. Und das sei gelungen. Mit dem jüngsten Eurotaucher werde es nicht einfacher. Die Lohnkürzung werde erst aufgehoben, wenn das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über 4 Millionen liege oder der Eurokurs auf Fr. 1.35 klettere. Rainer Füchslin: «Ersteres haben wir 2014 nicht erreicht und Letzteres ist illusorisch.»