UBS-Chefökonom

«Starke Zuwanderung zeigt negative Auswirkungen»

Daniel Kalt ist Chefökonom der UBS.

Daniel Kalt ist Chefökonom der UBS.

Die UBS geht davon aus, dass ein Ja zu Ecopop das Wachstum in der Schweiz halbieren würde. UBS-Chefökonom Daniel Kalt erklärt, weshalb die Wirtschaft nicht von sich aus aktiv wird.

Was muss die Schweiz tun, um die bilateralen Verträge trotz Masseneinwanderungsinitiative zu retten?

Daniel Kalt: Im Idealfall gelingt es, die Masseneinwanderungsinitiative fristgerecht bis im Februar 2017 umzusetzen – inklusive einer Neuverhandlung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit der EU. Das wird allerdings sehr schwierig.

Und wenn das nicht gelingt?

Dann müsste die Schweiz von sich aus Kontingente einführen, was dem Personenfreizügigkeitsabkommen widerspricht. Damit könnte die EU das Abkommen kündigen, womit auch die bilateralen Verträge I hinfällig würden. Das wäre der schlimmste Fall.

Was passiert, wenn die bilateralen Verträge I trotz der Masseneinwanderungsinitiative weiterhin Bestand hätten?

Das wäre natürlich eine hervorragende Lösung für die Schweiz. Denn in den letzten Jahren haben sich auch die negativen Auswirkungen der starken Zuwanderung gezeigt – Stichwort Dichtestress. Wir hätten weiterhin den EU-Marktzugang, könnten aber die Einwanderung selber steuern.

Die Kontingente kommen also so oder so. Müsste die Wirtschaft nicht bereits jetzt beginnen, weniger Ausländer zu rekrutieren?

Man kann nicht einfach fordern, die Wirtschaft müsse sich selbst beschränken. Denn wenn ein Unternehmen keine Fachkräfte im Inland findet, wird es natürlich im Ausland suchen, um so das eigene Überleben sicherzustellen.

Die ungebremste Zuwanderung könnte aber manche dazu verleiten, auch bei Ecopop Ja zu stimmen.

Das ist ein sehr gefährliches Argument. Bereits mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative wollten manche einen Denkzettel einlegen. Und ein Ja zur Ecopop-Initiative würde zu grosser Unsicherheit führen, was Gift wäre für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Die Initiative ist sicher nicht kompatibel mit der Personenfreizügigkeit und damit eine reale Gefahr für die bilateralen Verträge.

Die USA haben sich viel besser als die EU von der Finanzkrise erholt. Müsste die Schweiz nicht ihre Wirtschaftsbeziehungen mit den USA verstärken?

Die Schweiz versucht immer wieder, neue Märkte zu erschliessen – etwa durch das Freihandelsabkommen mit China. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen, sondern dauert Jahrzehnte. Baden-Württemberg ist immer noch wichtiger für uns als China.

Müsste die Schweiz nicht endlich versuchen, ein umfassendes Freihandelsabkommen mit den USA abzuschliessen?

Das wäre sicher positiv. Aber das scheiterte vor einigen Jahren, weil die Schweiz bei der Landwirtschaft keine Zugeständnisse machen wollte. Ohnehin geht der Trend aber hin zu regionalen Handelsabkommen. Und dabei besteht die Gefahr, dass die Schweiz zwischen den grossen Blöcken dieser Welt aufgerieben wird.

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