Von Philippe Neidhart

Bis anhin mussten die Badener für einen Starbucks-Kaffee entweder nach Aarau oder Zürich fahren. Jetzt kommt die amerikanische Kaffeekette nach Baden. Im Bahnhofgebäude wird Starbucks ihre Filiale eröffnen. Es ist bereits die 46. Starbucks-Filiale in der Schweiz.

Allerdings scheint diese geplante Neueröffnung nicht alle zu freuen. Beim Web-Portal Facebook wurde unlängst eine Gruppe mit dem Namen «gegen Starbucks in Baden» gegründet, die mittlerweile 118 Mitglieder zählt. Unter den mehrheitlich jungen Personen hat es auch bekannte Gesichter wie den Vizepräsidenten der JFDP Aargau, Norbert Stichert. Die Benutzerin Irene Bolognese bringt die Einstellung der Anti-Starbucks-Gruppe auf den Punkt: «Wehret den Ketten - unterstützt die Kleinen, Echten!».

Judith Vögele vom Standortmarketing in Baden sagt dazu: «Solche Ketten haben sicher eine Magnetfunktion. Sie sind vor allem dann ein Gewinn, wenn sie Baden allgemein beleben und von dieser Frequenz auch die anderen Betriebe und Läden ganz direkt begünstigt werden. Ein guter Mix, wie er zum Beispiel bei den Betrieben am Schlossbergplatz erreicht wurde, ist dabei sehr wichtig.» Auch der Bereichsleiter der beiden «Caffe Spettacolo», Hans-Peter Oettli, sieht in Starbucks keine direkte Konkurrenz: «Wir haben sieben gemeinsame Standorte, und dort laufen unsere Kaffees sehr gut.» Das liege daran, dass sie verschiedene Konzepte verfolgen: «Bei uns trinken die meisten Leute Espresso, im Starbucks sind es die grossen Becher.»

Mit der Renovation und dem Umbau wird gleichzeitig das Angebot des Bahnhofs vergrössert. Dort, wo momentan der Kiosk seine Waren verkauft, wird der Laugenwarenspezialist «Brezelkönig» entstehen. Der Kiosk wird seinerseits in Richtung Süden verschoben, erhält mehr Platz und wird voraussichtlich begehbar. Die Halle, die zurzeit als Wartesaal dient, wird zu einem Fachgeschäft für gesunde Nahrung und Körperpflege umgestaltet. Der neue Nutzer ist «Vital.Punkt Future Shape». In der ersten Etage eröffnen diese zudem ein Beratungs- und Wellnesscenter. Auch das Bahnhoflokal «Buvette» wird dem Umbau zum Opfer fallen. Dort soll ein Bistro mit Kaffeebar entstehen. Auf der zu den Bushaltestellen gewandten Seite ist ein Blumenverkaufsstand geplant.

Die beiden oberen Stockwerke sind momentan noch vermietet. Nach dem Umbau werden im ersten Stock nebst dem Wellnessbereich auch Büros der SBB entstehen. Im zweiten Obergeschoss werden die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) ihre Leitzentrale einrichten. Im Zuge des Umbaus wird zudem ein neues Versorgungs- und Entsorgungskonzept realisiert. An den Geleisen auf der Westseite des Bahnhofs wird eine Pressmulde aufgestellt. Zugang erhalten nur Mieter und interne Nutzer. Des Weiteren werden kleinere Bauarbeiten an der Fassade des Bahnhofs getätigt.

Für rund 1,5 Millionen Franken wollen die SBB den Badener Bahnhof umbauen. Verfasst wurde das Projekt von der Badener Atelier West Architekten AG. Da es sich beim Bahnhof um ein geschütztes Objekt handelt, mussten die SBB eine Bewilligung der Denkmalpflege einholen.

Falls es zu keinen Einsprachen kommt, wird mit dem Bau laut SBB im kommenden Oktober begonnen. Die Renovation wird in zwei Phasen durchgeführt. Die erste soll voraussichtlich bis Mitte Juli 2010 dauern. Es werden Ersatzbauten für einen Teil der heutigen Nutzer errichtet und es entstehen Rohbauflächen für die neuen Nutzer. Die zweite Phase, in welcher der Vorbau des Stellwerks abgebrochen wird, endet im Mai 2011. Das Baugesuch liegt noch bis zum 11. Mai im Büro für Planung und Bau der Stadt Baden auf.