Die kleine Kammer befasste sich am Donnerstag mit dem Paket "Finanzierung der Bahninfrastruktur" (FABI). Es handle sich um die wichtigsten Verkehrsvorlage seit dem Ja des Volkes zum FinöV-Fonds, stellten mehrere Ständeräte fest. Der Bundesrat sah sich durch die VCS-Initiative "Für den öffentlichen Verkehr" veranlasst, die Finanzierung der Infrastruktur auf eine neue Grundlage zu stellen.

Um die grösseren Ströme von Pendlern und Reisenden in der Zukunft zu bewältigen, müsse das Schienennetz ausgebaut werden, sagte Claude Hêche (SP/JU), Präsident der Verkehrskommission (KVF). "Die Mittel reichen aber nicht aus, um den Ausbau, Betrieb und Unterhalt zu finanzieren." Dafür schlage FABI eine Lösung vor.

Tieferer Pendlerabzug gutgeheissen

Zwar reichte es dem Ständerat nicht, das Geschäft in fünf Stunden fertig zu beraten, doch der Hauptpunkt der Vorlage blieb unbestritten: Ein neuer Bahninfrastrukturfonds (BIF) soll als einziger und unbefristeter Fonds künftig den Ausbau, Betrieb und Unterhalt der Bahninfrastruktur finanzieren.

Im BIF gehen der befristete FinöV-Fonds - inklusive dessen Einnahmequellen wie zum Beispiel die LSVA und Mineralölsteuer - und auch die jährlichen Budgets für den Unterhalt und Betrieb auf. Die Beiträge des Bundes werden dafür erhöht - etwa durch die Begrenzung des Pendlerabzugs bei der direkten Bundessteuer auf 3000 Franken, wodurch fast 200 Millionen Franken in den Fonds fliessen.

Bedenken der Randregionen

Personen in ländlichen Regionen würden dadurch benachteiligt, hielten die Gegner fest. Sie hätten keine Möglichkeit, auf den öffentlichen Verkehr auszuweichen, sagte Stefan Engler (CVP/GR). Der Ständerat hielt aber mit 33 zu 6 Stimmen am tieferen Abzug fest. Verkehrsministerin Doris Leuthard wies daraufhin, dass ohne diese Mittel das Geld für einige Ausbauprojekte fehlen würde.

Auch die Kantone und die Bahnkunden sollen stärker zur Kasse gebeten werden. Der Ständerat stimmte dazu dem Vorschlag zu, dass die Kantone die Publikumsanlagen - Perrons, Treppen oder Beleuchtung an Bahnhöfen - finanzieren sollen. Unter dem Strich bezahlen die Kantone 200 Millionen Franken pro Jahr mehr.

Mehrwertsteuer für Projekte

In der Eintretensdebatte gab jedoch nicht die laut Leuthard "weltweit einmalige" Fondslösung am meisten zu reden, sondern die für die Zeit zwischen 2018 und 2025 geplanten Ausbauprojekte. Die Ständeräte zeigten sich unzufrieden mit dem bundesrätlichen Vorschlag, dafür 3,5 Milliarden Franken auszugeben.

Die kleine Kammer möchte sich grosszügiger zeigen und den Betrag auf 6,4 Milliarden Franken praktisch verdoppeln. Den Entscheid dazu fällt der Rat am Montag. Opposition machte sich keine bemerkbar.

Bereits entschieden ist die Finanzierung der zusätzlichen Bauten: Mit 36 zu 1 Stimmen beschloss der Ständerat, dafür zwischen 2018 und 2030 die Mehrwertsteuer um 0,1 Prozent zu erhöhen.

Die mit FABI verbundenen Ausbauten nach der Ständeratsvariante sollen auf zahlreichen zusätzlichen Strecken den Halbstundentakt bringen, unter anderen Bern-Luzern, Zürich-Chur und Zürich-Lugano.