Stahl Gerlafingen AG

Stabilisiert, aber noch angeschlagen

Hartes Geschäft: Die Wirtschaftskrise hat das Stahlwerk in Gerlafingen schwer getroffen. Nun zeichnet sich Stabilisierung ab. (Felix Gerber)

Stahl Gerlafingen

Hartes Geschäft: Die Wirtschaftskrise hat das Stahlwerk in Gerlafingen schwer getroffen. Nun zeichnet sich Stabilisierung ab. (Felix Gerber)

Zwei der grössten Arbeitgeber in der Region kämpfen zwar weiterhin mit der Wirtschaftskrise. Sowohl die Stahl Gerlafingen AG wie die Papierfabrik Sappi Schweiz AG in Biberist melden aber nun teilweise eine Stabilisierung beim Auftragseingang – allerdings auf einem tiefen Niveau.

Franz Schaible

Ziemlich rasch bekam die Stahlindustrie weltweit die Wirtschaftskrise zu spüren, darunter auch das zur italienischen Beltrame-Gruppe gehörende Stahlwerk in Gerlafingen. Der Rohstoff Stahl wurde schon ab Mitte 2008 deutlich weniger nachgefragt, allerdings je nach Einsatzgebiet sehr unterschiedlich. In der Schweiz etwa läuft die Bauwirtschaft noch auf Hochtouren. «»In den ersten neun Monaten 2009 konnten wir 36 Prozent mehr Betonstahl verkaufen als in der gleichen Periode 2008», schreibt Max Diggelmann, Geschäftsleiter der Stahl Gerlafingen AG in der jüngsten Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift «Stahl Puls». Ebenfalls erfreulich habe sich der Schweizer Markt für nichtlegierte Profilstähle entwickelt. Den Absatz habe man um 14 Prozent steigern können.

Umsatz halbiert und Verlust

Gerade gegenläufig entwickelte sich die Lage auf den Märkten im Ausland bei den Abnehmern der Nutzfahrzeug- und Schiffbauindustrie. Insgesamt sei der Absatz an verkauften Tonnen um 20 Prozent gesunken. Weit schlimmere Folgen hat aber die gleichzeitig stattfindende Erosion des Stahlpreises aufgrund des europaweiten Überangebotes. «Unser Umsatz ist um über 50 Prozent eingebrochen», schreibt Diggelmann weiter.

Deshalb rechnet Stahl Gerlafingen für 2009 mit einem operativen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe, wie Roger Breu, Leiter Logistik und Mitglied der Geschäftsleitung ergänzt. Knapp die Hälfte davon sei auf die höheren Strompreise zurückzuführen (siehe Box).

Unsicherheit geht weiter

Inzwischen ist der Abwärtstrend offenbar gestoppt. «Der Bestellungseingang hat sich stabilisiert, wenn auch auf tiefem Niveau. Im zweiten Halbjahr war der Auftragseingang etwas besser als im ersten», erklärt Breu weiter. Trotzdem will das Stahlwerk für den Bereich Industriestahl mit rund 35 Beschäftigten für Dezember und Januar Kurzarbeit im Umfang von 20 Prozent einführen. Letztmals sei im vergangenen Juni Kurzarbeit abgerechnet worden. «Weitere Personalmass-nahmen sind aber nicht vorgesehen», versichert Breu. Das Stahlwerk beschäftigt rund 580 Angestellte.

Grundsätzlich als positiv zu werten sei der Entscheid von Beltrame, die vor-übergehend aufgeschobene Investition ins neue Walzwerk (Profilstrasse und Stranggiessanlage) nun abzuschliessen, sagt Breu, um gleichzeitig einzuschränken: «Die Fertigstellung einer zu 70 Prozent vollendeten Investition ist ein Gebot der Vernunft und kein Versprechen für die Zukunft.» So bleibe die Erneuerung des Stahlwerkes auf unbestimmte Zeit verschoben.

Sappi zu nur 80 Prozent ausgelastet

Als «durchzogen» beschreibt Nicolas Mühlemann den Geschäftsverlauf bei der Sappi Schweiz AG in Biberist. Während sich der Bestellungseingang in den Bereichen gestrichenes Formatpapier (für grafische Anwendungen) und ungestrichenes Kopier- und Büropapier insgesamt stabilisiert habe, sei er im Rollengeschäft (Magazinpapiere) nach wie vor schwach, erläutert der Geschäftsführer der zur südafrikanischen Sappi-Gruppe gehörenden Papierfabrik. Deshalb werde auf einer Papiermaschine in diesem Dezember wieder Kurzarbeit eingeführt.

Nach Angaben von Mühlemann hat das Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) gemäss Budget abgeschlossen, das heisst positiv. Die Aussichten bezeichnet er allerdings als «sehr unsicher». 2010 sollte ein ähnlich schwaches Jahr wie 2009 werden mit einer Auslastung der Produktion von etwa 80 Prozent. Sappi beschäftigt in Biberist 600 Angestellte.

Meistgesehen

Artboard 1