Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ist ein transparentes Unternehmen. Akkurat weist es aus, dass eine Folge von «Der Bestatter» mit 705 000 Franken zu Buche schlägt oder eine Ausgabe des «Sportpanoramas» mit 60 000 Franken budgetiert ist.

Sobald es jedoch um höhere Millionenbeträge geht, ist die Auskunftsbereitschaft gering. Das Preisschild für die umfangreichen Neubauten im SRF-Zentrum Leutschenbach ist zur Geheimsache erklärt. SRF-Sprecher Jonathan Engmann sagt: «Zu den Kosten geben wir keine Auskunft.»

Vor Wochenfrist hat SRF die zweite Etappe des Neu- und Umbauprojektes angekündigt. Unter dem Titel «Neubau am SRF-Standort Zürich Leutschenbach soll Betriebskosten nachhaltig senken» informierte SRF, dass unter sechs Architekturteams ein Wettbewerb für einen sechsstöckigen Neubau durchgeführt worden sei und die Tessiner Architekten Durisch + Noll den Zuschlag erhalten hätten.

Die Mitteilung verschweigt, mit welchem Aufwand welche Einsparungen erzielt werden sollen. In einer früheren Kommunikation war noch die Rede von einem jährlichen Sparpotenzial von zehn Millionen Franken. Dies sei ein Drittel der Betriebskosten. Überprüfbar sind die Angaben nicht.

Hinter dem eigenen Zeitplan

Die Auskunftsfreude war schon grösser. Im April 2013 informierten SRF und die Stadt Zürich gemeinsam über den Abschluss eines Studienauftrags, wie der Standort Leutschenbach erneuert und verdichtet werden könne. Zur Siegerin eines eigenen Wettbewerbs wurde das Zürcher Büro Penzel Valier gekürt.

In der ersten Bauetappe werde bis 2016 ein zentrales Technikgebäude errichtet und bis 2018 zudem ein Informations- und Sportzentrum erstellt. Dieser Zeitplan ist Makulatur. Nun sollen die drei Bauteile für 560 Mitarbeitende 2019 in Betrieb gehen.

Als Erstes werde jedoch Ende 2018 die Tiefgarage eröffnet. Die Stadt Zürich hatte diese SRF zur Auflage gemacht, weil der Service-public-Konzern mit dem freien Parkieren auf dem versiegelten Areal die gesetzlichen Freiflächenvorgaben verletzt. Der «Blick» berichtete 2014 von einer Aufregung unter SRF-Mitarbeitern, weil sich damit ein Parkplatz auf bis zu 340 Franken pro Monat verteuern werde. Nun erklärt SRF, das Parkplatzreglement werde bis zur Inbetriebnahme erstellt und die Preise würden sich im «ortsüblichen Rahmen» bewegen.

Wie in der ersten werden auch in der zweiten Etappe rund 12 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche gebaut. Der Neubau für 630 Mitarbeitende, der den Projektnamen «SRF next» trägt, umfasst neben Büros auch Kleinstudios für Radio- und Fernsehproduktionen. Das grosse «Studio 1» fällt weg.

Als Ersatz sucht SRF extern einen Standort für grössere Produktionen. Das «St. Galler Tagblatt» berichtete im Frühjahr, SRF habe versucht, mit der Stadt Kreuzlingen einen langfristigen Mietvertrag für die Bodensee-Arena abzuschliessen. Die Stadt stimmte im Mai für einen Vertrag mit SRF und die Verbannung der Hockeyspieler zwischen 2019 und 2027 aus der Eishalle. Zu einem Abschluss ist es nicht gekommen. Der Mediensprecher sagt, SRF prüfe weiter Standorte und Möglichkeiten.

Landverkauf zur Finanzierung

«SRF next» von Durisch + Noll wird gemäss Planung ab 2020 gebaut und ist 2024 bezugsbereit. Die grosse Zügelaktion wird die Radiomitarbeiter betreffen, die ihr zentrales Zürcher Studio Brunnenhof aufgeben und in die periphere Medienfabrik umziehen müssen. Damit bringt SRF die seit Jahren betriebene Konvergenz von Radio, Fernsehen und Online baulich zu einem Ende.

Es wird damit aber vor allem eine grosse Parzelle frei, die zur Refinanzierung genutzt werden soll. Die ursprüngliche Idee, externe Geldgeber beizuziehen, wurde fallengelassen. Nun sollen die Investitionen durch den Verkauf von Landreserven und dezentralen Liegenschaften sowie die Auflösung von Mietverträgen aufgebracht werden, erklärt die Medienstelle. Wie allerdings die Restfinanzierung für das Bauprogramm in sicher dreistelliger Millionenhöhe gestemmt wird, bleibt das Geheimnis von SRF.