Spreitenbach trotzt den Netzbetreibern

Kabelchef: Gemeindeammann Josef Bütler. (Bild: Walter Schwager)

Gemeindeamman Josef Bütler

Kabelchef: Gemeindeammann Josef Bütler. (Bild: Walter Schwager)

Günstige international vernetzte Kommunikationsmittel sind ein wichtiger Standortvorteil. Spreitenbach investiert deshalb intensiv in den Ausbau des Glasfasernetzes, auch um Unternehmen anzuziehen. Das gemeindeeigene Kommunikationsnetz ist ein Erfolg.

Dieter Minder

«Es war eine weitsichtige Entscheidung unser Vorgänger», sagt Gemeindeammann Josef Bütler. Seit über 30 Jahren besitzt die Gemeinde Spreitenbach ein eigenes Kommunikationsnetz (KNS). Als der Gemeinderat sich für ein kommunales Netz und nicht für eine Konzession an einen Netzbetreiber entschied, waren nur Anschlüsse von Fernsehen und Radio ein Thema. Inzwischen ist daraus ein Kabelnetz geworden, das immer mehr in Glasfasertechnologie ausgebaut wird. Obwohl viel kleiner, spielt Spreitenbach damit im Konzert der grossen Kabelanbieter wie Swisscom und Cablecom mit. «Unser Kommunikationsnetz basiert auf drei Teilen», sagt Gemeindeammann Bütler, «dem Koaxialnetz, dem IT- Netz und dem Telefonnetz.»

Das Koaxialnetz stammt noch aus der Zeit, als auf dem Rüsler eine eigene Kopfstation stand. Mit den Antennen wurden die Fernseh- und Radiosignale empfangen und verteilt. Weil das Netz mit der Gemeinde gewachsen ist, werden heute über 4600 Abonnenten beliefert. Über dasselbe Netz fliessen auch Fernsehdaten nach Bellikon, Oetwil an der Limmat und Würenlos. Nur kommt das Signal nicht mehr vom Heitersberg, sondern wird bei der Gib Solution in Uitikon-Waldegg eingekauft.

Es braucht keine Schüsseln

Wie das üblich ist, werden die Fernsehsender zunehmend digitalisiert. «Für uns gilt der Leitsatz ‹digital free›, das heisst, wir bieten alles, was möglich ist, gratis an», sagt Josef Bütler. Gerade in einer Gemeinde mit vielen Bewohnern und Bewohnerinnen aus dem Ausland sei das wichtig. Momentan werden zirka 120 verschiedene Sender aufgeschaltet. Neu können via KNS auch Pay-TV-Sender empfangen werden. Mit ihrem Angebot kann die Gemeinde auch einen Wildwuchs an Satellitenantennen auf den Balkonen und an den Häuserfassaden verhindern.

Eine komische Grenze

Die Grenzlage von Spreitenbach - nicht nur politisch, sondern auch an einer vom Bund festgelegten Konzessionsgrenze - führt zu einer Komplikation. Um weiterhin den Lokalssender Tele M1 empfangen zu können, sind ein Decoder und eine Entschlüsselungskarte nötig, teilt die Gemeinde Spreitenbach ihren Kunden mit. «Das Tele-M1-Signal geht von Spreitenbach nach Oetwil, und diese Gemeinde liegt ausserhalb des Konzessionsgebietes für den Sender», sagt Bütler. Ausser dem Kartendepot entstehen für die Spreitenbacher aber keine Kosten, schreibt die Gemeinde.

Stromverbrauch wird gemessen

Laufend ausgebaut wird das Glasfasernetz. Mit der Stromliberalisierung müssen die Werke genaue Abrechnungen für ihre Kunden erstellen. Somit muss bei jedem grossen Kunden ein Anschluss beim Stromzähler eingerichtet werden, um die Verbrauchsdaten abrufen zu können. «Über das Glasfasernetz können auch andere Kommunikationsdaten laufen», sagt Bütler. Damit kann die Gemeinde hochmoderne Verbindungen anbieten. «Wir vermarkten das Netz so gut wie möglich.»

«Bei uns stellt sich das Problem des letzten Meters nicht», sagt Bütler. Hier handelt es
sich um die Entschädigung, die andere Telekommunikationsanbieter dem Kabeleigentümer, in der Regel die Swisscom, zahlen müssen. «Über unser Netz kann jeder kommunizieren, der dafür bezahlt», sagt Bütler.

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