Sergio Ermotti bei der UBS und Tidjane Thiam bei der Credit Suisse gehören zu den Topverdienern ihrer Branche. Doch beide Schweizer Grossbanken zählen nur bei den CEO-Löhnen zur vordersten Gruppe, wo sich fast ausschliesslich amerikanische Banken finden. Sonst bleiben die beiden Aushängeschilder des Schweizer Finanzplatzes weit zurück hinter den Amerikanern. Ihre Börsenbewertung ist bestenfalls durchschnittlich. Bei der Aktienrendite zählen sie zu den schlechtesten.

Dieses ernüchternde Resultat zeigt ein exklusiver Vergleich von 50 Banken, den die Anlagestiftung Ethos zusammengestellt hat. Die ausgewählten Banken werden gemäss «Industry Classification Benchmark» in Sektoren unterteilt. Dabei wird darauf geschaut, womit ein Unternehmen primär seinen Umsatz verdient. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs oder die japanische Nomura sind daher nicht enthalten. Ausserdem wurden nur Banken mit einem Börsenwert von über 20 Milliarden Franken berücksichtigt.

Bei JPMorgan Chase etwa kassierte James Dimon als Chef rund 29 Millionen Franken im Jahr 2018 – der mit Abstand höchste Lohn aller fünfzig Banken. In der Schweiz hätte es einen öffentlichen Aufschrei gegeben. Aber Dimon konnte immerhin einen Rekord vorweisen: den höchsten Gewinn in der Geschichte der amerikanischen Banken. 30,7 Milliarden Dollar waren es, mehr als vier Mal mehr als UBS und CS zusammen. Die Aktienrendite war 2018 dann dennoch negativ, aber in einem schwachen Börsenjahr hielt sie sich vergleichsweise achtbar. Von 2016 bis 2018 kam Dimon auf eine Aktienrendite von 56,5 Prozent, also Dividendenzahlung und Kursentwicklung miteingerechnet.

UBS-Chef Ermotti und CS-Chef Thiam verdienten im Jahr 2018 rund 14 Millionen Franken beziehungsweise 12,6 Millionen – nicht ganz halb so viel wie Dimon bei JPMorgan Chase. Ihre beiden Banken sind jedoch gemessen am Börsenwert rund 7- beziehungsweise 11-mal kleiner als der amerikanische Branchenführer. Bei der Aktienrendite bleiben Ermotti und Thiam beide weit hinter Dimon zurück. In der Vergleichsgruppe von 50 Banken sind beide Schweizer Grossbanken unter den schlechtesten zehn Banken zu finden.

Unvorteilhafter Vergleich

Einen vergleichbar hohen Lohn wie UBS und CS zahlte etwa die US Bancorp ihrem Chef im Jahr 2018, rund 13 Millionen. Doch die US Bancorp bringt an der Börse rund 1,8-mal mehr Gewicht auf die Waage als die UBS und 2,6-mal mehr als die Credit Suisse. Und die Bancorp-Aktionäre verloren 2018 vergleichsweise moderate 11 Prozent; jene von UBS und CS hingegen rund 29 Prozent beziehungsweise 37 Prozent. Auch in den Jahren von 2016 bis 2018 fällt der Vergleich mit der US Bancorp unvorteilhaft aus für UBS und CS.

Die kanadische Bank of Montreal hatte 2018 einen ähnlich hohen Börsenwert wie die UBS. Deren Chef bezog jedoch keine 14 Millionen Franken wie Ermotti, sondern bekam vom Verwaltungsrat 7,6 Millionen zugesprochen. Die Aktienrendite der Bank of Montreal war 2018 nur etwa halb so negativ wie jene der UBS. Von 2016 bis 2018 legte die kanadische Bank deutlich zu, im Gegensatz zur UBS.

Die britische Bank Barclays zum Beispiel hatte 2018 einen ähnlich hohen Börsenwert wie die Credit Suisse. Und den Aktionären erging es ähnlich übel, wobei die Aktienrendite noch etwas besser war als jene der Credit Suisse. Hingegen weichen Barclays und Credit Suisse beim Chef-Lohn stark voneinander ab: Der CEO von Barclays wurde mit weniger als fünf Millionen Franken bedacht, Thiam bekam über zehn Millionen.

Das Miteinander von hohem Lohn und schlechtem Abschneiden im Konkurrenzvergleich ist nicht nur ein Betriebsunfall. Wie die Anlagestiftung Ethos kritisiert, hat die UBS in ihren Vergütungssystemen keinen Vergleich mit der Aktienrendite anderer Banken. Für den Lohn von Chef Ermotti ist es somit belanglos, ob es Aktionären der UBS schlechter ergeht als Aktionären von vergleichbaren Banken.

Die UBS stellt auf andere Kriterien ab. Wie Verwaltungsratspräsident Axel Weber an der Generalversammlung herausstrich, stiegen Reingewinn und Rendite auf das Kernkapital an. Und die UBS hat mehr Kapital, mit dem sie Verluste auffangen kann.

Andere Ziele

Solche Argumente kontern Kritiker jeweils prompt. Irgendwelche Ziele liessen sich stets heranziehen, um höhere Löhne zu rechtfertigen. Es gehe vergessen, dass all die komplizierten Vergütungssysteme eines bewirken sollen: Die Interessen von Aktionären und Management in Einklang bringen.

Die Credit Suisse vergleicht ihre Aktienrendite zwar mit jener der Konkurrenz. Nur ist dies ein Kriterium von vielen, das untergehen kann. So geschehen 2018. In einer Vergleichsgruppe von 19 Banken kam die Credit Suisse auf Rang 17, wie sie selber transparent festhielt. Weil sie andere Ziele erreichte, erhielt Thiam dennoch einen bedeutenden Anteil seiner langfristigen leistungsabhängigen Vergütung. Er hatte die Kosten schneller gesenkt als geplant. Die Eigenkapitalquote wurde erhöht – mithilfe zweier Kapitalerhöhungen.

Für Barbara Heller, Geschäftsführerin der Beratungsfirma Swipra, sollten die Grossbanken ihr Vergütungssystem überdenken: «Der Aktionär verliert Geld, der CEO erhält gleich viel oder mehr kurzfristige, variable Entschädigung als im Vorjahr: In solchen Fällen sollte der Verwaltungsrat jeweils prüfen, ob er die richtigen Ziele vorgegeben und welche Anreize er tatsächlich gesetzt hat.» Der Markt glaube offensichtlich, UBS und Credit Suisse seien noch nicht auf dem richtigen Weg.