Howag

Spiralkabel machte Geschichte

Die Kabelkonfektion in der Howag AG verlangt auch heute noch sehr viel Handarbeit.

Die Kabelkonfektion in der Howag AG verlangt auch heute noch sehr viel Handarbeit.

Mit Telefonkabeln wurde Howag landesweit bekannt. Nun wird das Unternehmen aus Dintikon 75-Jahre alt. Heute ist die Howag Kabel AG schweizweit führend in der Kabelkonfektion. 95 Prozent ihrer Kunden stammen aus der Schweiz.

Die Ursprünge der auf Kabel- und Kabelkonfektion spezialisierten Howag Kabel AG, Dintikon, gehen bis ins 19.Jahrhundert zurück. Um 1880 gründete Alois Breitschmid in Wohlen eine Firma für den Handel mit verschiedenen Produkten für die damals blühende Strohindustrie im Freiamt. 1901 stieg August Breitschmid in das Unternehmen ein, welches sich fortan Alois Breitschmid & Co. nannte. 1913 starb Gründer Alois Breitschmid und Sohn Paul trat in die Firma ein, die 1926 zur Aktiengesellschaft wurde.

1936 wurde die Howag AG gegründet, welche sich auf das Umflechten von Kabeln spezialisierte. Mit der Produktion von Leitungsschnüren für Telefone, Funkgeräte und elektrische Apparate reagierte man auf den Niedergang der Strohindustrie.

Spiralkabel wurde ein Selbstläufer

Dank einem revolutionären Patent gelang der Firma in den 50er-Jahren der Durchbruch. Sie entwickelte das Etiro-Kabel, ein mit Nylonfäden verstärktes Spiralkabel, das dank verbesserter Rückstellkraft die Verwicklungsgefahr deutlich verringerte. Dieses Kabel hat die Howag Kabel AG bis heute in ihrem Sortiment, es macht aber nur noch 2 Prozent des jährlichen Umsatzes aus.

Von den 50er-Jahren bis in die 90er-Jahre war das qualitativ hochwertige Etiro-Kabel nicht nur die wirtschaftliche Basis des Unternehmens, die Howag lebte als Hoflieferant der PTT zu 90 Prozent von der Ausrüstung der Schweizer Telefone mit Spiralkabeln.

Umbruch vor Jahrtausendwende

Zu Beginn der 90er-Jahre zeichnete sich der Fall des PTT-Telefon-Monopols ab und die Howag musste sich neu orientieren. Der Umbruch fiel mit einer internen Veränderung zusammen. Mit Peter Breitschmid war im Februar 1991 der letzte Vertreter der Gründerfamilie gestorben und das Unternehmen ein Jahr später verkauft worden.

Die «neue» Howag setzte voll auf die Industrie und diversifizierte 1995 in den Steuerungsbau. «Mit dem Steuerungsbau ist es uns gelungen, über einen weiteren Weg neue Aufträge für die Kabelkonfektion zu generieren», blickt Rolf Lüscher auf die Umstrukturierung zurück. Der heutige Howag-Kabel-AG-Geschäftsführer hat schon jene Zeit stark mitgeprägt, damals noch als Aussendienstmitarbeiter.

95 Prozent Schweizer Kunden

Heute ist die Howag Kabel AG schweizweit führend in der Kabelkonfektion. Hergestellt werden von den 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am 2009 bezogenen Firmensitz in Dintikon spezielle Kabel- und Kabelsets, zum Teil mit angespritzten Steckertüllen als Knickschutz. Die Produkte finden in der Medizintechnik ebenso Anwendung wie im Maschinenbau. Konfektionierte Kabelgruppen werden nicht nur auf Bestellung hergestellt, sondern beim Bau neuer Maschinen oft auch schon mitentwickelt. Spezifische Lösungen für verschiedenste Anwendungen bieten zu können, ist laut Rolf Lüscher eine der grossen Stärken der Firma, neben ihrer Qualität und Flexibilität: «Ob 0,04mm² oder 135mm², die Howag Kabel AG verarbeitet jedes Kabel. Einzelne Kabel wie auch komplexe Kabelbäume sind unser Tagesgeschäft.»

Die Howag Kabel AG erwirtschaftet mit 60 Mitarbeitenden aktuell einen Umsatz von 13 Millionen Franken. Obwohl sie zu 95 Prozent Schweizer Kunden beliefert, ist die Firma aufgrund ihrer Kundenstruktur stark exportabhängig.

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