Sabina Sturzenegger

Es ist wieder Spargelzeit. In der Schweiz, im Elsass und in Süddeutschland hat die Ernte zwar noch nicht begonnen, doch in den Supermärkten türmen sich die weissen und grünen Stangen bereits. Sie kommen aus Mexiko, Peru, Griechenland oder Spanien.

Und mancher Konsument fragt sich: «Soll ich jetzt schon kaufen oder auf die heimische Ernte warten?» Denn bei Spargeln aus dem angrenzenden Ausland oder aus der Schweiz entfiele der lange Transportweg per Flugzeug oder Schiff. Stattdessen werden sie per Lastwagen aus dem Erntegebiet in die Supermarkt-Filiale befördert. Es stellt sich die Frage: Wird für die heimischen Spargeln weniger des schädlichen Treibhausgases CO ausgestossen, bis sie im Kochtopf landen?

Belastung rund zehnmal tiefer

Mit solchen Rechnungen, so genannten Ökobilanzen, beschäftigen sich die beiden Grossverteiler Coop und Migros nicht erst seit der diesjährigen Spargelsaison. Die Migros hat bereits für verschiedenste Produkte aus ihrem Sortiment Ökobilanzen erstellt. Im Fall der Spargeln zeigt sich: Diejenigen aus Europa sowie die mit dem Schiff transportierten aus Peru schneiden beim CO-Ausstoss deutlich besser ab als solche, die eingeflogen werden. «Die Klimabelastung ist rund zehnmal tiefer», präzisiert die Migros in einem entsprechenden Factsheet.

Aus demselben Grund verzichtet Coop seit Anfang 2009 auf Aktionen von eingeflogenen Spargeln aus Übersee, zum Beispiel aus Peru, Mexiko oder Kalifornien. Die per Flugzeug importierte Menge konnte im letzten Jahr um fast 40 Prozent auf rund 680 Tonnen gesenkt werden, wie Coop-Sprecher Nicolas Schmied erklärt. «Dies entspricht einer Einsparung von über 7200 Tonnen CO», sagt Schmied. Mittelfristig wolle Coop ganz auf den Import von Grünspargeln, die über den Luftweg in die Schweiz transportiert würden, verzichten und prüfe deshalb die Möglichkeiten mit Schiff und Lastwagen, wie sie bei den weissen Spargeln üblich sind. Solange die grünen Spargeln per Jet in die Schweiz kommen, sind sie mit dem Logo «Byair» gekennzeichnet.

Doch Herkunft und Transportart sind nicht die einzigen Faktoren, die die Klimawirksamkeit eines Produktes beeinflussen. «Mit Ausnahme des Flugzeugs wird der Transport für die Ökobilanz überschätzt. So ist es deutlich sinnvoller, Produkte aus Spanien mit dem Lastwagen zu importieren, als sie in der Schweiz in beheizten Treibhäusern zu ziehen», erklärt Schmied. Die Rosen, die Coop in Kenia unter dem Fairtrade-Label Max Havelaar anbauen lässt, schneiden beispielsweise besser ab als diejenigen aus den beheizten Gewächshäusern im näher gelegenen Holland.

Schlechte Bilanz für Zuckerrüben

Ebenfalls deutlich fällt die Ökorechnung für Zucker aus: Bei Bio-Zucker mit dem Max-HavelaarLabel aus Paraguay ist die Klimabelastung rund 40 Prozent tiefer als beim durchschnittlich von der Migros verkauften Zucker, heisst es. Das Zuckerrohr aus Paraguay ist im Vergleich zur Schweizer Zuckerrübe in der Verarbeitung viel weniger energieintensiv. Beim Anbau werden zudem kein Dünger, keine Pestizide und kaum Maschinen verwendet. Am höchsten ist die Klimabelastung bei Zucker aus Schweizer und deutschen Rüben.