Alpiq

Sparen statt investieren: Alpiq buchstabiert zurück

Der Stromkonzern Alpiq muss sparen

Der Stromkonzern Alpiq muss sparen

Der Stromkonzern Alpiq will erst Verschuldung reduzieren, hält aber an Produktionsverdoppelung bis 2020 fest. Alles Strategie von Alpiq.

Das Geschäft mit dem Strom ist ein unberechenbares. Bis zur Finanzkrise 2008 schienen die Preise in Europa im Zuge der Liberalisierung nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Seither aber wurden die Preiserwartungen an der Leipziger Strombörse stetig nach unten korrigiert.

Gründe sind die rezessionsbedingt schwache Nachfrage aus der Industrie sowie Überkapazitäten in der Stromproduktion. Beide Faktoren drücken die Preise und schmälern die Margen. Erschwerend für Alpiq kommt die Euroschwäche hinzu, welche den nach Umsatz grössten Schweizer Stromer 2010 schätzungsweise 90 Millionen Franken kostete. Daraus resultierte ein Ergebnis (auf Stufe Ebitda) von 1,4 Milliarden Franken (minus 4,7 Prozent). Gleichzeitig erhöhte sich die Nettoverschuldung weiter – um 210 Millionen auf gut 4 Milliarden Franken. Der gestiegene Verschuldungsgrad ist auf die Fusion zwischen Atel und der Westschweizer EOS vor zwei Jahren zurückzuführen.

Eine Milliarde für den Ausbau

Zusammen mit dem schwächeren operativen Ergebnis führte dies dazu, dass sich der Verschuldungsfaktor (Nettoverschuldung zu Ebitda) im letzten Jahr von 2,4 auf den Faktor 2,7 erhöhte. Um das jetzige Kreditrating A+/A nachhaltig zu halten, bedarf es gemäss Finanzchef Kurt Baumgartner eines Zielkorridors zwischen Faktor 2,1 und 2,3. Alpiq muss also sparen und sich operativ verbessern, um die heutigen Finanzierungskonditionen zu behalten.

Dazu hat sich der Stromkonzern im letzten Jahr eine Kur verordnet, die bis 2012 die Kosten um 100 Millionen reduzieren soll, was gut zehn Prozent des heutigen Betriebsgewinns entspricht. Dabei sieht Baumgartner aus der Fusion heraus noch «gewisse Überlappungen». Beispielsweise bei Dienstleistungsbezügen oder bei der Informatik.

Gleichzeitig will Alpiq nicht nur den Gürtel enger schnallen, sondern auch devestieren, um die Kasse zu füllen. Im Fokus hier steht Italien. Man sei in Gesprächen über «mögliche industrielle Lösungen» für die dortigen Beteiligungen, sagte Alpiq-Chef Giovanni Leonardi sibyllinisch.

10000 Megawatt angepeilt

Alpiq hält im Stiefelstaat nebst einigen eigenen Kraftwerken einen 20-Prozent-Anteil am Stromproduzenten Edipower sowie 5 Prozent am Energieversorger A2A. Gut möglich, dass sich Alpiq aus dem Retailgeschäft zurückzieht, nachdem die Mailänder bereits im letzten Sommer ihren Alpiq-Anteil veräussert haben.

Trotz Sparen und Devestieren hat Leonardi längerfristig ehrgeizige Ziele: Bis 2020 wollen die Oltner für 10 Milliarden Franken ihre Stromproduktion verdoppeln. Dazu soll die installierte Gesamtleistung von heute 6500 auf über 10000 Megawatt angehoben werden.

Im Ausland vor allem über neue Gas-Kombikraftwerke und erneuerbare Energien wie Wind oder Solarenergie. Im Inland will Alpiq den Ausbau der Hydro-Spitzenenergie forcieren. 700 Megawatt sind geplant.Vor allem die Leistung bestehender (Pump-)Speicherwerke soll erhöht werden. Auf dass der grösste Schweizer Stromer bereit ist, wenn in ein paar Jahren die Überkapazitäten in der Produktion abgebaut sind und der Strompreis wieder abhebt. Voraussichtlich.

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