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Sorgenfalten trotz hoher Qualität: Schweizer Medien stecken in einer Negativspirale

Unter dem zunehmenden Einfluss der Internetkonzerne verlieren die Schweizer Informationsmedien weiter an Boden. (Symbolbild)

Unter dem zunehmenden Einfluss der Internetkonzerne verlieren die Schweizer Informationsmedien weiter an Boden. (Symbolbild)

Die Schweizer Informationsmedien haben wegen Google, Facebook und Co. weiter an Boden verloren und befinden sich in einer Negativspirale. Zudem führt die voranschreitende Medienkonzentration zu einem markanten Vielfaltverlust in der Berichterstattung.

Einmal im Jahr ziehen Wissenschaftler des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich unter der Leitung von Mark Eisenegger aufwendig Bilanz und fragen, wie es um die Qualität der Schweizer Medien steht – und wie ihre Zukunft aussieht. Was die Zukunft angeht, so fällt die Prognose dieses neunten Jahrbuchs nicht zum ersten Mal abwartend-pessimistisch aus.

Pessimistisch deshalb, weil sich zum einen die Ertragslage der Schweizer Medienunternehmen fortwährend verschlechtert; Hauptprofiteur ist Google, der immer mehr Werbegelder absaugt. Und zum anderen, weil die Vielfalt schwindet. Vielerorts gibt es Zentralredaktionen und Mantelsysteme, Tamedia hat per Anfang 2018 zwei Zentralredaktionen für die Deutschschweiz und die Suisse romande eingerichtet, die NZZ-Mediengruppe und die AZ Medien haben unter dem Namen CH Media ein Joint Venture beschlossen. Von Verlegerseite werde betont, dass solche Verbundsysteme aus Lesersicht eine Qualitätsverbesserung bedeuteten, stellt das Jahrbuch fest. Das sei allerdings eine verkürzte Sicht, weil die publizistische Vielfalt schwinde.

Noch etwas Drittes macht den Forschern Sorgen: Es ist der wachsende Anteil vorwiegend jüngerer Mediennutzer, die sie als «News-Deprivierte» bezeichnen, das heisst als medial Unterversorgte, die News nur noch sporadisch und von zumeist minderer Qualität konsumieren.

Aber es gibt durchaus auch Positives zu vermelden. Erstens, dass das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die professionellen Informationsmedien hoch ist. Und zweitens, dass die Qualität dieser Medien sich auch tatsächlich sehen lassen kann. In umfangreichen Textanalysen wird ein so genanntes Qualitätsscore erstellt. Dieses liegt – bei einer von eins bis zehn reichenden Skala – für Tages- und Onlinezeitungen bei 6,2. Obenaus schwingt bei der Qualität die NZZ mit 7,9. Die Aargauer Zeitung liegt mit 6,3 im oberen Mittelfeld.

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