Basel

Sorgen um den Zustand des Waldes

Keine Idylle: Waldpflege mit Maschinen widerspricht Naturprojektionen.  HD

Wald

Keine Idylle: Waldpflege mit Maschinen widerspricht Naturprojektionen. HD

Tiefe Holzpreise und der durch Umweltschäden angeschlagene Wald machen der Waldwirtschaft zu schaffen. Mit einem Ausbau des Energieholzsektors will sie wenigstens ihre wirtschaftlichen Probleme lösen.

Daniel Haller

Herr Klein, welches sind derzeit die drei Hauptsorgen der Waldbesitzer?
Andres Klein: Die grösste Sorge sind die tiefen Holzpreise. Ausgerechnet der Preis für Buche, in der Nordwestschweiz unser «Brotbaum», ist am tiefsten. So haben wir ausser Energieholz kaum noch Buchen-Absatz. Die zweite Sorge ist der Zustand des Waldes. Wir wissen nicht: Erholt er sich? Ober bleibt die Wüchsigkeit, die in den letzten Jahren abgenommen hat, wegen der Luftverschmutzung so klein? Drittens haben wir eine sehr grosse Erholungsnutzung des Waldes, oft durch Leute, die wenig Verständnis für Wald und Waldbau zeigen.

Was meinen Sie damit?
Klein: Für viele ist der Wald der Inbegriff von Natur. Greifen wir durch Holzschlag in dieses Bild ein, glauben sie, da werde etwas zerstört. Dabei schafft der Waldarbeiter nur Platz für die nächste Baum-Generation. Das ist wie beim Fleisch: Viele essen es zwar gerne, aber töten sollte man die Tiere nicht... So sind eine Holzheizung, Cheminéefeuer und der Holztisch willkommen. Doch dass jemand dafür Bäume fällen muss, wird ausgeblendet.

Was tut der Waldwirtschaftsverband gegen solche Missverständnisse?
Klein: Wir haben unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Wir machen den Leuten bewusst, dass der Wald dem Grundeigentümer gehört. Man kann schliesslich auch nicht in einem Einfamilienhausgarten das Auto parkieren oder ein Zelt aufstellen. Wir zeigen, dass der Wald nur stabil und sicher ist und Produkte liefert, wenn man ihn pflegt. Diese Botschaften vermitteln wir auf Slogans wie «Wir fällen Bäume, Sie haben warm», die wir beim Holzen aufhängen. Mit der Aktion «Baselwald» tragen wir solche Informationen auch mitten in die Stadt.

Seit einem Jahr gibt es das Holzkraftwerk in Basel, seit dieser Woche ein weiteres in Kaiseraugst. Wie viele Holzkraftwerke könnten die Wälder der Nordwestschweiz beliefern?
Klein: Das Kraftwerk Kaiseraugst ist bezüglich Grösse mit Basel nicht vergleichbar. Prinzipiell ist es so, dass wir jährlich weniger Holz aus dem Wald holen, als was nachwächst. Würden wir alles was wächst nutzen, könnte man noch eineinhalb bis zwei Basler Kraftwerke zusätzlich versorgen. Das ist allerdings ein theoretischer Wert, denn das Holz lässt sich beispielsweise in Steilhängen nicht überall nutzen. Aber ein zweites wie das in Basel könnte man sicher bauen. Doch auch kleinere, dezentrale Projekte sind sinnvoll, da sie das Holz mit kürzeren Transportwegen verwerten.

Welchen Stellenwert haben solche Projekte für die Waldwirtschaft?
Klein: Die Nutzholzpreise sind durch den Weltmarkt bestimmt, auf den wir keinen Einfluss haben. Durch unsere Vermarktungsorganisation HZN können wir nur versuchen, unser Angebot zu bündeln und so Kunden zu gewinnen, denen die Angebote der einzelnen Waldbesitzern zu klein wären. Dagegen haben wir durch das Holzkraftwerk den Energieholzmarkt ausgebaut. Das haben wir in den eigenen Händen. Waldbesitzer, in der Mehrheit Bürgergemeinden, können auch dafür sorgen, dass es mehr Schnitzelheizungen gibt. Zudem sollten Gemeinden vermehrt, beispielsweise für Mehrzweckhallen oder Verwaltungsgebäude, sich für Holzbauten entscheiden.

Welchen Stellenwert hat das Energieholz für die Waldwirtschaft?
Klein: In der letzten Heizperiode sind zusätzlich 1,5 Millionen in die regionalen Forstkassen und 1,8 Millionen in die Kassen der regionalen Hacker und Transporteure geflossen.

Also fliesst mehr Geld an die nachgelagerten Stufen als an die Waldbesitzer?
Klein: Die Wertschöpfung ist in der Tat beim Hacken und beim Transport grösser als bei der Holzproduktion und -ernte. Wir überlegen deshalb, einen eigenen Hacker anzuschaffen - nicht zuletzt zu Vergleichszwecken: Wir haben festgestellt, dass die Hackpreise in der Region 1 bis 2 Franken über jenen im Mittelland liegen. Wir würden mit diesem Schritt auch an Unabhängigkeit gewinnen.

Der Verband sucht also die vertikale Integration der Wertschöpfungsstufen vom Wald bis zum Kraftwerk?
Klein: Ja, alles ausser dem Transport. Wir müssen aber sehen, dass das Kraftwerk nur rentiert, weil wir auch sauberes Altholz und Sägerei-Restholz verbrennen. Wir nennen diese «Billigmacher». Nur mit Waldholz würde die Wärme und der Strom zu teuer.

Weil die Handarbeit im Wald zu teuer ist?
Klein: Nein, weil Erdöl und Erdgas zu billig sind.

Hofft also die Waldwirtschaftsverband auf eine Energiekrise mit kräftig steigenden Preisen?
Klein: Das wäre eine gewagte Aussage. Schliesslich fährt und hackt auch die Waldwirtschaft mit Diesel. Wir hoffen zwar, dass wir profitieren können, wenn die fossilen Energieträger teurer werden. Aber eine Krise wünsche ich mir nicht herbei.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1