Das Verkaufsverbot von elektronischen Zigaretten an Minderjährige hängt heute ganz von der Bereitschaft der einzelnen Verkäufer ab. Die Behörden haben die Branchenvertreter deshalb zu einem runden Tisch eingeladen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. «Ziel ist es, Minderjährige zu schützen», sagt Nathalie Rochat, Sprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Diese erste Diskussion zwischen dem BLV und den Branchenvertretern solle es ermöglichen, die «Gesetzeslücke rund um die E-Zigarette zu schliessen», die seit dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts bestehe. Dieses hatte Ende April auf die Beschwerde einer Herstellerfirma hin das Verkaufsverbot des BLV von nikotinhaltigen Liquids für E-Zigaretten gekippt. Seither ist die Rechtslage um E-Zigaretten unklar.

Gesetzesänderung geplant

Klarheit soll der im Dezember vom Bundesrat vorgelegte Entwurf für das neue Tabakproduktegesetz schaffen. Aber «da eine Gesetzesänderung immer Zeit braucht, ist Selbstregulierung eine schnelle und wirksame Lösung», sagt Rochat.

Nach dem Bundesgerichtsentscheid seien die Verkäufe im Mai um rund 30 Prozent angestiegen, sagt Nicolas Michel, der einen E-Zigaretten-Laden in Lausanne führt. Er vertritt ausserdem die Romandie im Verband für Schweizer Händler und Hersteller von E-Zigaretten (SVTA), welcher am runden Tisch teilnehmen wird.

Dampfer sind Ex-Raucher

Fast jeden Tag würden Minderjährige seinen Laden betreten, erzählt Michel. «Wir verkaufen aber nicht an unter 18-Jährige.» Von den «Dampfern» seien 98 Prozent Raucher oder ehemalige Raucher. Eine Selbstkontrolle beim Verkauf an Minderjährige scheine deshalb machbar. Der SVTA sorge sich allerdings über eine allfällige «Gleichsetzung von Dampf-Produkten mit Tabakprodukten», sagt Michel. Das Verkaufsverbot von nikotinhaltigen Liquids habe in der Schweiz bereits zu grossen Verzögerungen geführt. Nach heutigem Wissensstand sind E-Zigaretten weniger schädlich als Tabakzigaretten. Mehr als 60 Prozent der Raucher wollen laut «Sucht Schweiz» mit Rauchen aufhören.