Solarenergie

Solarhersteller hofft auf Quantensprung mit neuer Solar-Technologie

Solarzellen am Meyer-Burger-Gebäude in Gwatt (Archiv)

Solarzellen am Meyer-Burger-Gebäude in Gwatt (Archiv)

Meyer Burger setzt auf eine vielversprechende Technologie, die bei den Solarzellen einen höheren Wirkungsgrad verspricht. Aber auch zur richtigen Zeit?

Ein in der Wirtschaft sehr strapaziertes Bild ist das der umfallenden Fliegen. Bemüht wird es meist dann, wenn eine Reihe von Firmenpleiten in kurzem Abstand erfolgt. Oft wirkt der Vergleich mit den sterbenden Zweiflüglern ein wenig übertrieben. Im Fall des Wegsterbens der europäischen Solarfirmen ist das Bild indes angebracht.

Noch vor wenigen Jahren arbeiteten allein in Deutschland rund 150'000 Menschen in der Solarbranche. Ein Drittel dieser Arbeitsplätze ist heute noch übrig. Reihenweise fielen sie, die Hersteller von Solarmodulen. Auch der Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger aus Thun geriet ins Wanken, machte Millionenverluste und musste Stellen streichen – doch gefallen ist er nicht.

Heute steht Firmenchef Peter Pauli optimistisch da. Das ist weniger überraschend, denn optimistisch ist Peter Pauli eigentlich immer. Das war er auch in den schwersten Zeiten 2012 und 2013. Dafür ist er bekannt. Doch dieses Mal, so scheint es, ist sein Optimismus passender. 

Schlechte Zahlen, guter Ausblick

Der Grund dafür liegt weniger in den am Donnerstag veröffentlichten Halbjahreszahlen. Denn die sind eher durchwachsen. Vielmehr ist es eine neue, vielversprechende Technologie, die Pauli zuversichtlich stimmt. Meyer Burger setzt auf die sogenannte Heterojunction-Technologie (HJT). Damit lassen sich hochwertige und hocheffiziente Solarmodule produzieren. Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen erstmals eine grosse Zell-Produktionslinie in Europa verkauft – für 29 Millionen Franken.

Für Peter Pauli ist es ein «wichtiger Meilenstein», wie er der «Nordwestschweiz» sagt. Denn HJT sei der Beginn eines neuen Solarzeitalters. Man könne sich das vorstellen wie bei einer Zitrone: die könne man bis zu einem gewissen Grad auspressen. Ein paar Tröpfchen kriege man am Ende vielleicht noch raus, aber irgendwann sei eben Schluss. «Dann braucht man eine neue Zitrone und fängt erneut an zu quetschen. Mit der HJT sind wir jetzt an diesem Punkt.»

Aus einer Solarzelle lässt sich vor allem eines pressen: Wirkungsgrad. Zusammen mit den Kosten ist der Wirkungsgrad die entscheidende Grösse bei der Photovoltaik – also der Stromproduktion aus Sonnenenergie. Je höher der Wert, desto effizienter arbeitet die Zelle.

Heute sind 20 Prozent Wirkungsgrad bei hochqualitativen Zellen ein guter Wert. Peter Pauli stellt der neuen HJT einen Wirkungsgrad von bis zu 24 Prozent und mehr in Aussicht. In der Welt der Photovoltaik gilt bereits eine Steigerung um ein oder zwei Prozentpunkte als Quantensprung.

Vielversprechende Strategie

Urs Muntwyler sieht Meyer Burger mit ihrem Fokus auf die neuen Fabrikationslinien auf dem richtigen Weg. Der Leiter des Photovoltaik-Labors der Berner Fachhochschule sagt: «Es ist eine Strategie, die aufgehen kann.»

Die mit Maschinen von Meyer Burger produzierten Hochqualitäts-Zellen kommen laut Muntwyler vor allem für den Einsatz auf Hausdächern infrage. Diese Aufdachanlagen werden besonders im wichtigen Markt USA immer beliebter. Für den Einsatz auf amerikanischen und europäischen Dächern – auch in der Schweiz – ist die HJT prädestiniert. «Mittlerweile», sagt Urs Muntwyler, «entfällt der grösste Teil der Kosten einer Solaranlage nicht mehr auf Module oder Wechselrichter, sondern auf die Installation und die dabei notwendigen Massnahmen am Haus, zum Beispiel das Aufstellen eines Gerüsts». Da diese Kosten bei jeder Aufdachanlage anfielen und überdies der Platz auf den Dächern begrenzt sei, sei der hohe Wirkungsgrad der entscheidende Faktor.

Überzeugungsarbeit leisten

Für Meyer Burger gilt es nun, die Marktteilnehmer von der Technologie zu überzeugen. Darin sieht auch Firmenchef Pauli eine Herausforderung. Sobald einmal zwei oder drei Gigawatt installiert seien, werde dies einfacher.

«In China, dem Hochvolumen-Produktionsmarkt, wird diese neue Zell-Technologie mit grossem Interesse beobachtet», sagt Peter Pauli. «Im asiatischen Markt und speziell in China sind wir mit unserer MB-PERC-Zelltechnologie sehr erfolgreich und bereiten das Feld für den nächsten Technologieschritt Heterojunction erst vor.»

Das Timing ist entscheidend

Dass der Markt für HJT da ist, bestätigt Urs Muntwyler. Die für Meyer Burger entscheidende Frage sei jedoch, ob das Timing passt. Denn solange die Technologie noch nicht etabliert ist, befinde sich das Unternehmen weiterhin «im Überlebenskampf». Und um diesen zu überstehen, hält Muntwyler selbst eine dritte Kapitalerhöhung für möglich.

Meistgesehen

Artboard 1