Das Jubiläumsjahr von Novartis – die Firma entstand vor 20 Jahren durch Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy – verleitet nicht zum Jubeln. Die gestern bekannt gegebenen Geschäftszahlen sind zwar nicht miserabel, aber auch nicht wirklich gut. Besonders das letzte Quartal des Jahres 2015 lag unter den Erwartungen der Analysten. Die Division Alcon (Augenheilkunde) musste Einbussen hinnehmen – derart, dass sich die Novartis-Spitze gezwungen sah, den Alcon-CEO Jeff George auszuwechseln. Der neue heisst Mike Ball und kommt von der Pfizer-Tochterfirma Hospira (USA). Alcon wird in einen Chirurgie- und einen Pharmateil aufgeteilt. Letzterer kommt zur Pharma-Division.

Eine Milliarde einsparen

Im Konzern werden neu die Produktionskapazitäten zentral geregelt, sagte gestern Joe Jimenez an der Jahresmedienkonferenz. Damit soll sich die heute teils schlechte Auslastung verbessern. Auch gewisse zentrale Funktionen wie Rechtsabteilungen sollen zentralisiert werden und die Arzneimittelentwicklung konzernweit koordiniert werden. Diese Veränderungen stellten eine «konsequente Erweiterung der Strategie von Novartis» dar und werden voraussichtlich die Innovationsdynamik sowie gleichzeitig die Effizienz des Unternehmens steigern. Novartis geht davon aus, dass diese Veränderungen ab 2020 jährliche Kostenreduktionen von mehr als einer Milliarde Dollar generieren werden, wobei erste Einsparungen bereits in diesem Jahr erzielt werden sollen. Übertragen wird die konzernweite Produktionsverantwortung dem Länderpräsidenten Schweiz, André Wyss. Er leitet auch schon die 2014 lancierte Organisation Novartis Business Services (NSB) mit über 7000 Dienstleistungs-Mitarbeitende, aller drei Divisionen.

Hohe Restrukturierungskosten

Im Zusammenhang mit diesen Veränderungen werden einmalige Restrukturierungskosten von rund USD 1,4 Milliarden über einen Zeitraum von fünf Jahren erwartet. Die Nettoeinsparungen werden in die Finanzierung von Innovationen und die Steigerung der Gewinnmargen fliessen.

Inwiefern es zu einem Arbeitsplatzabbau kommen wird, blieb gestern offen. Novartis werde in den nächsten Jahren weiter wachsen, hiess es. An gewissen Orten wird ab-, an anderen aufgebaut. Dies soll mit einem in etwa stabilen Bestand an Mitarbeitenden möglich sein.

Das angebrochene Jahr wird anspruchsvoll, es laufen wichtig Patente aus. «In diesem Jahr werden wir deswegen insgesamt 3,2 Milliarden Dollar Umsatz verlieren. Aber ich erwarte, dass wir 2016 diesen Betrag durch neue Medikamente kompensieren können», sagte Jimenez.

2016 bleibt punkto auslaufender Patente ein Rekordjahr. «2017 und 2018 werden wir nicht mehr so viele Patentverluste haben. Und das Wachstum der neuen Produkte wird weitergehen», so Jimenez weiter. Der Druck auf die Medikamentenpreise werde zunehmen. Insbesondere in den USA – egal, wer die Wahlen im Herbst gewinne.

2016 wird ein Jahr voller Herausforderungen. Kommt hinzu, dass die Einführung des Herz-Medikaments Entresto nicht ganz nach Wunsch verlaufen ist. Das hänge mit der bei der Lancierung im Herbst 2015 noch fehlenden Rückvergütung der öffentlichen Krankenkasse Medicare in den USA zusammen, so Novartis.

Dividende rauf, Aktie runter

Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung eine Dividende von 2.70 Franken (plus 4 Prozent) pro Aktie vor. Die Novartis-Aktie rasselte gestern 3,7 Prozent herunter und schloss bei 80.55 Franken. Seit Sommer 2015 büsste die Aktie rund 20 Prozent ein.