Kassenwechsel
So tückisch ist das Wechseln der Krankenkasse

Bei der Ombudsstelle für die obligatorische Krankenversicherung ist derzeit Hochsaison. Die Ombudsfrau erteilt Tipps, wie der Kassenwechsel nicht zum Albtraum wird.

Anna Wanner
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Es zählt nicht nur das Logo: Oft stecken hinter einem Namen mehrere identische Krankenkassen.

Es zählt nicht nur das Logo: Oft stecken hinter einem Namen mehrere identische Krankenkassen.

Keystone

Das Datum für die Abstimmung über die öffentliche Krankenkasse ist zwar noch nicht gesetzt, doch sie wird wohl in der zweiten Hälfte dieses Jahres stattfinden. Die Krankenversicherer versuchen, die Versicherten bei Laune zu halten. Schliesslich sind sie es, die über den Systemwechsel abstimmen werden. Nur gelingt das nicht immer – gerade während der «Hochsaison», wenn Versicherte ihre Krankenkassen wechseln. «Hinter einem solchen Wechsel verbergen sich viele Tücken», sagt Morena Hostettler Socha, die Ombudsfrau für Krankenversicherte.

Die volle Freizügigkeit – die Möglichkeit die Krankenkasse jedes Jahr zu wechseln – ist eines der Hauptargumente der Gegner der Einheitskrankenkasse: Wer mit seiner Versicherung nicht zufrieden ist, der kündigt und sucht sich eine billigere Versicherung. Die Aufnahmepflicht in der obligatorischen Krankenversicherung macht es möglich, nach Belieben die Kasse zu wechseln – ohne dass jemand befürchten muss, den Versicherungsschutz zu verlieren. «Wer kündigt und keine neue Krankenkasse angibt, ist weiterhin bei der alten versichert. Die Kündigung bleibt dann wirkungslos», sagt Hostettler Socha.

2012 traten auf Ende Jahr 437 163 Personen aus ihrer Krankenversicherung aus, wie die aktuellste Statistik des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt. Bei acht Millionen Versicherten in der Schweiz sind das 5,5 Prozent. BAG-Sprecher Daniel Dauwalder weist darauf hin, dass diese Zahl jährlich schwankt, abhängig vom Prämienanstieg. Die Zahl sei nicht massgebend, um die Funktion des Systems zu bewerten. Wichtiger sei es, überhaupt die Wahl zu haben.

Kündigung wird zum Stolperstein

Bei 437 163 Austritten läuft mindestens in 2000 Fällen pro Jahr beim Wiedereintritt etwas schief – die Ombudsstelle registriert im Schnitt 6000 Fälle pro Jahr. Hostettler Socha sagt zu den Problemen beim Wechsel, dass Versicherte die Fallen erst erkennen würden, wenn sie sich für einen Wechsel entschieden haben und während des Prozesses merken, dass vieles nicht nach Wunsch funktioniert. «Mir kommt es manchmal vor, als gerieten die Versicherten wie Fliegen in das Netz einer Spinne. Sie wissen nicht mehr ein und aus, weil ihnen das System unbekannt ist.»

Bereits die Einhaltung der Kündigungsfrist per Ende Jahr kann zum Verhängnis werden. Denn nicht der Poststempel ist ausschlaggebend, ob eine Kündigung fristgerecht eingeht. Sie muss rechtzeitig, also noch vor Ende November bei der Versicherung eintreffen. Hostettler Socha empfiehlt deshalb, die Kündigung bereits Mitte November eingeschrieben zu verschicken.

Doch mit der Kündigung allein
ist der Kassenwechsel noch nicht vollzogen. Erstens darf ein Versicherter keine Schulden mehr haben. Falls beispielsweise eine im November gemahnte Kostenbeteiligung nicht rechtzeitig (vor Jahresfrist) bezahlt wird, ist die Kündigung nicht gültig.

Zweitens muss der Versicherte der neuen Krankenkasse die bisherige rechtzeitig angeben. Falls die Nachversicherungsbestätigung der neuen Krankenkasse zu spät bei der alten eintrifft, verschiebt sich die Kündigung in der Regel um einen Monat. Dem Versicherten dürfen keine zusätzlichen Kosten entstehen, sofern er die Verspätung nicht verschuldet hat. Trotzdem muss er die Januar-Prämie, die er der neuen Krankenkasse bezahlt hat, selbst zurückfordern.

Die Tricks der Makler

Die Ombudsfrau warnt ausserdem vor Versicherungsmaklern. Einerseits mache es selten Sinn, eine neue Versicherung bereits im Sommer abzuschliessen, da erst Ende Herbst die Prämien fürs kommende Jahr bekannt gegeben werden. Andererseits sind die Verträge oftmals mit Kleingedrucktem versehen, das eine mögliche Prämienerhöhung nicht ausschliesst. Hostettler Socha: «Auf einen solchen Vertrag einzugehen, ist vergleichbar mit der Unterschrift auf einem Blanko-Chck.» Und bis der Versicherte die Rechnung bekomme und sich darüber beschweren wolle, habe der Makler seine Provision eingestrichen und sei längst über sieben Berge verschwunden.