Wirtschaft
So sieht die Zukunft von Energeriese Axpo aus

Der Energieriese Axpo schafft eine Öko-Tochter, krempelt den VR um — und schreibt erneut einen gigantischen Verlust.

Fabian Hock
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Die Axpo hat ein turbulentes Jahr hinter sich.

Die Axpo hat ein turbulentes Jahr hinter sich.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Die Milliardengrenze ist geknackt. Sogar deutlich. 1,25 Milliarden Franken Verlust wies der Energiekonzern Axpo gestern für das vergangene Geschäftsjahr aus. Zum dritten Mal in Folge schreibt das Unternehmen damit tiefrote Zahlen – und jedes Jahr wird es eine Farbnuance dunkler.

Hauptgrund für den Riesenverlust: erneute Wertberichtigungen am Kraftwerkspark sowie Rückstellungen in Höhe von insgesamt 1,6 Milliarden Franken. Allein ein Drittel der Wertberichtigungen fällt beim neuen Pumpspeicherwerk Linth-Limmern an. Der Wert von Axpos Kraftwerken schiesst schneller ins Tal als das Muttsee-Wasser durch die Fallrohre.

Und Besserung ist auch nicht in Sicht. Zwar bestehe Hoffnung, dass die Talsohle in Sachen Wertberichtigungen nun durchschritten sei, sagt Konzernchef Andrew Walo. Doch gerade der Strompreis mache derzeit keine Anstalten, wieder zu steigen. Für den Axpo-CEO gab es daher drei Möglichkeiten, wie er sagt.

Walos Optionen

Die erste lautete: aussitzen. «Wir könnten die tiefen Strompreise noch einige Jahre durchstehen», sagt Walo, deshalb wäre «nichts tun» tatsächlich eine Option gewesen. Zusehen, wie ihm das eigene Geld durch die Finger rinnt, wollte Walo aber nicht. Er sah die Zeit gekommen für einen Einschnitt – und zwar für einen tiefgreifenden.

Dem Axpo-Chef blieben also noch zwei Möglichkeiten. Für die eine hatte sich Walos Leidensgenossin aus Olten kürzlich entschieden: Jasmin Staiblin, Chefin der Alpiq-Gruppe, lancierte einen (Teil-)Verkauf des Kraftwerksparks, namentlich der knappen Hälfte des Wasserkraftportfolios. Für Walo stellt der Verkauf von Assets indes keine brauchbare Option dar, denn dies diene nur der kurzfristigen Bereitstellung von Liquidität auf Kosten von Substanz und Handlungsfähigkeit. Zwar wären Kraftwerksverkäufe rasch umsetzbar. Man wäre jedoch zum Hoffen auf steigende Strompreise verdammt.

Es blieb damit nur eine Option: Die Ausgliederung bestimmter Unternehmensteile in eine Tochterfirma. Diese Tochter soll der Axpo frisches Geld bringen. Deshalb wird die Möglichkeit geschaffen, in sie zu investieren – sowohl für die bisherigen Axpo-Aktionäre (Kantone und Kantonswerke) als auch für Dritte. Ob die Investments von aussen von strategischen Investoren kommen oder ob Axpo die Tochter gar an die Börse bringt, ist laut Walo derzeit noch offen. Klar ist: Ab dem Jahr 2019 soll Geld eingesammelt werden. Die Mehrheit an der Tochterfirma soll in jedem Fall in Händen der Axpo Holding bleiben.

So sieht die Öko-Tochter aus

Die neue Axpo-Tochter trägt den Arbeitstitel «Axpo Solutions». Damit diese auch tatsächlich attraktiv genug für Investoren ist, wird praktisch alles, was heute noch Gewinn abwirft, in sie hineinverlegt. Dazu zählen: Axpos Geschäft mit erneuerbaren Energien, die Stromnetze, die eine regulierte Rendite abwerfen, sowie der Energiehandel. Auch Teile der Wasserkraft und die individuellen Kundenlösungen laufen neu unter «Solutions».

Was dem Namen nach nach Lösung tönt, ist für Greenpeace zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Die Bündelung von lukrativen Geschäftsfeldern wie den erneuerbaren Energien könne ein Anfang sein, teilten die Umweltschützer gestern mit. Es bleibe jedoch offen, was mit dem alten, unrentablen Atomgeschäft geschieht. «Es darf nicht sein, dass die Axpo mit der neuen Unternehmenseinheit Neuinvestoren lockt, aber die Schulden Kantonen und Steuerzahlenden überlässt», sagt Greenpeace-Atomexperte Stefan Füglister.

Atomkraftwerke in Kantonshand

Die Atomkraftwerke bleiben zusammen mit den langfristigen Bezugsverträgen französischer AKW und dem restlichen Teil des Wasserkraftportfolios, darunter auch der Pumpspeicher Linth-Limmern, bei «Axpo Power». Diese wiederum bleibt zu 100 Prozent Teil der Axpo Holding. Da der grösste Teil des Kraftwerksparks hier verbleibt, stellt «Axpo Power» mit 20 Terawattstunden (TWh) Produktion gegenüber den sechs TWh von «Solutions» den Löwenanteil der Energieproduktion dar.

Für den Axpo-Verwaltungsrat hat der Umbau ebenfalls weitreichende Konsequenzen. Der VR wird verschlankt und neu aufgestellt. Statt bisher 13 soll er ab 2018 nur noch 9 Mitglieder haben. Die Eigentümer der Axpo stehen eigenen Angaben zufolge hinter der neu formulierten Strategie (siehe Text unten).