Der Anstieg der Ungleichgewichte auf den Schweizer Hypotheken- und Immobilienmärkten habe sich jüngst zwar verlangsamt. Dies lege den Schluss nahe, dass die 2012 von der Branche ergriffenen Massnahmen zur Selbstregulierung sowie der Anfang 2013 aktivierte antizyklische Kapitalpuffer dazu beigetragen haben könnten.

Eine kurzfristig geringere Dynamik sei aber noch nicht zwingend eine Trendumkehr, hält die SNB in ihrem heute publizierten "Bericht zur Finanzstabilität 2014" fest. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds müssten die Banken ihre Risiken weiterhin wachsam verfolgen.

Zudem plädiert die SNB für Anreize, damit die Banken eine vorsichtigere Hypothekenvergabepolitik verfolgen. Entsprechende Regulierungen sollten jetzt vorbereitet werden, damit sie in Kraft gesetzt werden können, sollten die Hypotheken- und Immobilienmärkte wieder an Schwung gewinnen.

Zugleich will die SNB die Entwicklung auf den Märkten weiterhin genau beobachten und regelmässig prüfen, ob der antizyklische Kapitalpuffer erhöht werden sollte. Denn die Preise für Wohneigentum stiegen nach wie vor stärker, als durch Faktoren wie Einkommens- oder Bevölkerungswachstum gerechtfertigt sei, hiess es.

Warnung an Raiffeisen

Die SNB warnt, dass die zwar guten Kapitalausstattungen der Banken deren effektive Widerstandsfähigkeit überzeichnen könne. So seien die hohen Zinsrisiken und die geringe Diversifikation inlandorientierter Banken - sie bestreiten 65 Prozent des heimischen Hypothekenvolumens - weitgehend unberücksichtigt in den Kapitalvorgaben.

Der Risikoappetit der Inlandsbanken im Hypothekargeschäft sei praktisch unverändert hoch geblieben, kritisiert die SNB. Dabei hätten sich die durchschnittlichen Zinsmargen erneut verringert. Bei der Raiffeisen-Gruppe sei das bereits hohe Zinsänderungsrisiko innert Jahresfrist nochmals substanziell gestiegen, warnt die SNB.

Höhere Leverage Ratio gefordert

Während Raiffeisen explizit genannt wird, gibt es für die in den letzten Jahren kritisierten Grossbanken gewisse Anerkennung. Credit Suisse und UBS hätten die ab 2019 erforderlichen risikogewichteten Quoten teils bereits erreicht.

Allerdings fordert die SNB, dass CS und UBS diesen Weg fortsetzen und ihre Widerstandsfähigkeit weiter erhöhen. Das Verlustpotenzial der Institute sei im Verhältnis zur Kapitalisierung weiterhin substanziell.

Verbessert werden müsse vor allem die Leverage Ratio, also das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme. Diese Quote des risikoungewichteten Kapitals gewinne international an Bedeutung, um die Banken nach ihrer Krisenfestigkeit beurteilen zu können. Anders als bei den risikogewichteten Kapitalquoten lägen die Schweizer Grossbanken hier aber nicht über dem Schnitt anderer global tätigen Institute.

Im ersten Quartal erreichte die Leverage Ratio bei der Credit Suisse 3,6 Prozent und bei der UBS 3,8 Prozent, wie es weiter hiess. Innerhalb eines Jahres sind diese Quoten damit um 1,3 respektive 1,2 Prozentpunkte gestiegen. Die Anforderung per 2019 beträgt aber 4,0 Prozent für die CS und 4,6 Prozent für die UBS.

Mehr Transparenz

Zugleich fordert die SNB mehr Transparenz in der Risikogewichtung durch die Institute. Die internen Modelle der Banken seien hochkomplex und könnten zwischen den Instituten sehr unterschiedlich ausfallen, so dass Vergleiche sehr schwierig seien.

Weitere Fortschritte seien notwendig, damit die Märkte die Risiken adäquat einschätzen könnten. Unterschiede der eigenen Modelle zu den Standardmodellen müssten gut erklärt werden.