Geldpolitik

SNB-Jordan hält den Franken weiterhin für überbewertet – und hält sich Optionen offen

SNB-Chef Thomas Jordan erklärt seine Geldpolitik. Mario Heller

SNB-Chef Thomas Jordan erklärt seine Geldpolitik. Mario Heller

SNB Nationalbank-Präsident Thomas Jordan lobt die Schweizer Wirtschaft für ihre Flexibilität. Und führte aus, weshalb er von einer positiven Entwicklung ausgeht und den Franken für überbewertet hält.

Wenn ein Nationalbanker auftritt, wägen Zuhörer jedes Wort ab. Welche Betonung ist von einer Pause begleitet? Wo setzt der Mann zu einem Lachen an? Gestern an einem Anlass in Aarau bot sich eine solche Gelegenheit. Ehrengast war Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Jordan ging in seinem Vortrag auf die Frage ein, wieso ein Mindestkurs gegenüber dem Euro im Januar 2015 nicht weiter tragbar gewesen war. Eine Frage, die die Exportwirtschaft seither beschäftigt, denn die Aufhebung hat zu einer starken Verteuerung ihrer Produkte geführt.

Jordan erklärte den Schritt, den er im Dreiergremium beschlossen hatte, mit den veränderten geldpolitischen Rahmenbedingungen. Während sich damals die USA hin zu einer weniger stark expansiven Geldpolitik bewegte, habe die Europäische Zentralbank (EZB) genau die umgekehrte Richtung eingeschlagen. Diese völlig veränderte Lage habe dazu geführt, dass der Mindestkurs nicht mehr aufrechterhalten werden konnte.

Keine Alternative zur Aufhebung

Und mit Blick auf die Exportwirtschaft betonte Jordan, dass es der Wirtschaft auch nicht geholfen hätte, wenn die SNB den Mindestkurs zumindest über eine gewisse Periode hinweg weiterhin durchgesetzt hätte. Denn eine Alternative zur Aufhebung des Mindestkurses zum Euro und die Rückkehr zu einem flexiblen Wechselkurs kommt für Jordan nach wie vor nicht infrage.

Ein wie auch immer zusammengestellter Währungskorb, der in der Fachwelt immer noch diskutiert wird, hätte den Nachteil, dass es früher oder später zu einer rigiden Festlegung der Kurse komme – ähnlich wie dies beim Mindestkurs zum Euro geschehen war.

Geldpolitik auf zwei Säulen

Zentral ist die Frage, woran sich dann die Geldpolitik orientiert. Da ist zum einen die Situation der Schweizer Wirtschaft. Jordan stellt der Schweizer Wirtschaft denn auch ein gutes Zeugnis aus für ihre an den Tag gelegte Flexibilität. Auch den Arbeitsmarkt lobte er: Er erwartete, dass die Arbeitslosenquote zwar noch moderat ansteigen könnte. Doch für das nächste Jahr geht er von einer Beruhigung aus.

Eine positive Entwicklung sieht Jordan auch in der Preisentwicklung. Die negative Teuerung der vergangenen Monate hätte vor allem mit dem Frankenschock, aber auch mit dem gesunkenen Erdölpreis zu tun, ist er überzeugt. Beides seien jedoch temporäre Phänomene. Aus diesem Grund gehe er künftig von einer positiven Entwicklung aus.

Unsicherheiten in Europa

Für die weitere Entwicklung der Wirtschaft bleibt Jordan verhalten zuversichtlich. Der weitere Verlauf hänge nicht nur vom Wechselkurs ab, sondern vor allem auch vom Gang der Wirtschaft in anderen Ländern, insbesondere aber in der EU. Hier sieht Jordan noch Risiken, etwa in Griechenland, aber auch mit Blick auf die Brexit-Abstimmung in Grossbritannien.

Den Franken sieht Jordan jedoch weiterhin als überbewertet. Zwar hätten die Einführung von Negativzinsen und eine Intervention durchaus ihre Folgen gehabt. Doch mit Blick auf die Risiken in Europa bleibe es wichtig, dass die SNB auch künftig ihren Spielraum habe, insbesondere die Fähigkeit, weiterhin expansiv zu wirken.

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