Hausse
SMI: Schweizer Börse ist auf dem Jahreshoch

Mögliche Intervention der EZB sowie positive Quartalsberichte beflügeln den SMI. Der Leitindex der Schweizer Börse steht nun bei 6363 Punkten und hat damit seit Jahresbeginn rund 7 Prozent zugelegt. Alleine im letzten Monat 5 Prozent.

Sven Millischer
Merken
Drucken
Teilen
Es geht wieder aufwärts an der Börse: Der Leitindex SMI hat seit Jahresbeginn rund 7 Prozent zugelegt. KEY

Es geht wieder aufwärts an der Börse: Der Leitindex SMI hat seit Jahresbeginn rund 7 Prozent zugelegt. KEY

Gleich ein ganzer Strauss an positiven Nachrichten hat den SMI auf ein neues Jahreshoch ansteigen lassen. Welche Faktoren haben zur Hausse im Hochsommer beigetragen? Da sind zunächst die Aussagen von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, zu nennen: «Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.»

Notenpresse wird angeworfen

Gerade zu euphorisch haben die Finanzmärkte die Worte von «Super Mario» aufgenommen. Implizieren sie doch, dass der 54-jährige Römer bald wieder die Notenpresse anwirft. Entweder Draghi spricht weitere Refinanzierungskredite (LTRO) für Banken. Damit erhielten die europäischen Finanzinstitute eine erneute Liquiditätsspritze – nach der Billion Euro in den Wintermonaten.

Dies, in der Erwartung, dass die Banken mit dem frischen Geld Staatsanleihen angeschlagener Euroländer wie Spanien aufkaufen. Schliesslich locken hohe Zinsdifferenzen zum tiefen Refinanzierungssatz bei der EZB. Damit würden Geschäftsbanken aber weitere Staatsanleihen auf ihre Bilanzen nehmen. Mit den entsprechenden hohen Verlust- und Ausfallrisiken.

Quantitative Easing

Nebst einer nächsten LTRO-Runde könnte die EZB auch selbst wieder Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen, wie dies bereits Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet getan hat. Dieses sogenannte Quantitative Easing soll die Renditen auf Anleihen angeschlagener Euroländer senken. So hatten spanische Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit zuletzt Renditen von über sieben Prozent erreicht – den höchsten Stand seit Einführung des Euros. Werte von über sechs Prozent gelten längerfristig als untragbar zur staatlichen Refinanzierung.

So oder so. Die Märkte haben die Liquiditätsspritze bereits eingespeist. Auch wenn die Monetarisierung von Staatsschulden ordnungspolitisch hoch problematisch und wohl auch nicht zielführend ist, wie Fixed-Income-Experte Ralf Ahrens gegenüber der deutschen «Welt» ausführt: «Die spanische Regierung muss die Märkte überzeugen, dass sie die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommt. Es ist schwer zu sehen, was die EZB tun könnte, weil es ein Solvenz-Problem und kein Liquiditätsproblem ist. Durch Gelddrucken wird es nicht gelöst.»

Gedämpfte Erwartungshaltung

Das SMI-Kursfeuerwerk befeuert haben aber auch die jüngsten Quartalsberichte der Schweizer Unternehmen. Ob ABB, Roche, Syngenta oder die Privatbank Vontobel. In der Mehrzahl haben die Semesterzahlen der Konzerne die Prognosen der Analysten erfüllt oder gar übertroffen. Allerdings wurden diese im Vorfeld bereits nach unten angepasst. Die Erwartungshaltung fiel entsprechend gedämpft aus. Nichtsdestotrotz: Die positiven Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sind intakt: Im Juli stieg das Barometer der Konjunkturforschungsstelle auf 1,43. Damit wird das Bruttoinlandprodukt (BIP ) in den nächsten Monaten kräftiger wachsen als bisher erwartet. So weisen vier der fünf Teilindizes, welch die Kof/ETH jeweils bei ihrer Konjunkturprognose berücksichtigt, positive Werte aus. Konsum, Industrie, Baugewerbe und Exporte in die EU sind gestiegen. Einzig der Teilindex «Kreditgewerbe» stagniert.

Zwar leidet die Schweizer Exportwirtschaft weiter unter der Absatzschwäche im Euroraum. Aber dank der Untergrenze zur europäischen Einheitswährung hat sich der Dollar gegenüber dem Franken aufgewertet. Dieser positive Währungseffekt hat die Schweizer Exporte in die Staaten beflügelt: Die Warenausführen lagen im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode 10 Prozent im Plus.