Die Begründung für den Schnitzer klang wie eine billige Ausrede. «Die Formulare sind sehr kompliziert», sagte der designierte Finanzminister Steven Mnuchin (ausgesprochen: Ma-nu-schin) am Donnerstag vor dem Finanzausschuss des Senats, und vielleicht hätte er sich beim Ausfüllen eines Fragebogens – auf dem sämtliche Kabinettsmitglieder Auskunft über ihre persönlichen Verhältnisse geben – mehr Zeit nehmen müssen. Vielleicht.

Tatsache ist, dass es Mnuchin unterliess, auf den offiziellen Formularen vier Liegenschaften im Wert von insgesamt 95 Millionen Dollar zu deklarieren. Auch vergass er, anzugeben, dass er für einen Investmentfonds auf den Cayman Islands als Manager gearbeitet hatte. Dass er den Fonds aber auf die Karibikinsel dislozierte, um Steuern zu hinterziehen, wies der Finanzminister in spe zurück. «Das stimmt nicht»: Der Fonds sei nicht in die Steueroase umgezogen, weil er «persönlich» habe den Fiskus betrügen wollen, sagte er. Diese Antwort führte natürlich umgehend dazu, dass ein demokratischer Senator zurückfrage: Ob er denn seinen Kunden geholfen habe, Steuern zu hinterziehen?

Zufällig ins Amt gerutscht

Und so ging es munter weiter, während mehreren Stunden. Denn der 54-jährige Mnuchin, der sich seine Sporen beim Investmenthaus Goldman Sachs abverdient hatte, und dann als Hedgefonds-Manager und als Sponsor von Kinofilmen richtig reich wurde, gilt unter Demokraten als rotes Tuch. Das hat zum einen mit seiner Vergangenheit zu tun, als Investor einer Regionalbank in Kalifornien, die im Nachgang zur Finanzkrise recht skrupellos mit Gläubigern umsprang. Zum andern gilt Mnuchin unter den Senatoren der künftigen Oppositionspartei schlicht als unbeschriebenes Blatt – weil er keine Regierungserfahrung besitzt und seinen Job eigentlich nur mehreren Zufällen verdankt.

Im vergangenen April entschied sich Mnuchin nämlich mehr oder weniger spontan, eine Einladung eines Freundes anzunehmen und an einer Wahlparty von Donald Trump in New York teilzunehmen. Politisch war er zuvor nicht in Erscheinung getreten; als Gönner hatte er Geld für die Demokraten John Kerry (500 Dollar im Jahr 2004), Barack Obama (2300 Dollar im Jahr 2007) und Hillary Clinton (2300 Dollar im Jahr 2007) gespendet. Trump kannte er von früher, aus seinem Geschäftsleben. Dennoch bot ihm Trump am nächsten Morgen den Posten des Kassenwarts für seinen Wahlkampf an. Mnuchin sah in diesem Angebot eine «einmalige Chance», und packte zu.

Der Rest ist bekannt: nachdem Trump im November überraschend das Rennen um das Weisse Haus begann, galt Mnuchin als einer der engsten Vertrauten des neuen Präsidenten. Niemand war deshalb überrascht, als er Ende November die Konkurrenz ausstach und von Trump zum Finanzminister nominiert wurde.

Diese Beförderung hatte auch zur Folge, dass sich Mnuchin – erstmals in seinem Leben – dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stellen musste. In den Augen der Republikaner ist er ein gutes Beispiel für einen innovativen Geschäftsmann, der zuerst in New York, und dann an der Westküste Geld verdiente. Für die Demokraten ist er schlicht ein skrupelloser Geschäftsmann.