Ski-Saison
Viel Optimismus vor dem Covid-Winter – er könnte aber auch fatal werden

Zukünftige finanzielle Probleme sind programmiert. Und doch ist die Skibranche optimistisch auf den Winter gestimmt. Nebst dem klassischen Skifahren wecken andere Schneessportarten wie Ski-Langlauf das Interesse der Leute.

David Umiker
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Hersteller und Fachhändler sehen in diesem Winter Chancen im Verkauf und Vermietung von Ski-Langlauf-Produkten.

Hersteller und Fachhändler sehen in diesem Winter Chancen im Verkauf und Vermietung von Ski-Langlauf-Produkten.

Bild: Salis Romano

Die Hoffnung ist gross. Sehr gross. Die Hoffnung, dass die Bergbahnen laufen und die Skigebiete öffnen können. Kein Skifahren in diesem Winter? Das wäre für diverse Branchen fatal. Nebst der Hotellerie, der Gastronomie und den Bergbahnen sind auch die Skihersteller und die Fachhändler darauf angewiesen, dass die Skigebiete geöffnet haben. Ansonsten drohen in Zukunft grosse finanzielle Herausforderungen.

Bei den Skiherstellern sind Umsatzrückgänge programmiert. Als im März der Lockdown kam, waren sie mitten in der Produktion für den Winter. Der grösste Schweizer Skihersteller Stöckli teilt auf Anfrage mit, dass er die Ski-Produktion um etwa 15 Prozent reduzieren musste. Beim österreichischen Konkurrenten Fischer Sports rechnet Geschäftsführer Franz Föttinger mit einem Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent. Mitbewerber Atomic nannte kürzlich gegenüber der Tageszeitung Kurier ähnliche Zahlen. Vom französischen Skihersteller Rossignol ist bekannt, dass er die Saläre seiner Ski-Athleten um 25 Prozent kürzte. Doch obwohl die steigenden Infektionszahlen die Ungewissheit für die bevorstehende Wintersaison vergrössern, blicken sowohl die Skihersteller als auch die Fachhändler dem Winter optimistisch entgegen.

Der vergangene Sommer lässt hoffen

Dieser Optimismus gründet auf den guten Verkaufszahlen im Sommer. Das Bedürfnis der Leute, raus in die Natur und die Berge zu gehen, sei riesig. Das Bike- und Wanderangebot sei rege genutzt worden – auch von vielen jungen Leuten und Familien, die sonst ins Ausland verreisen. Föttinger geht deshalb davon aus, dass nun neben Ski Alpin auch andere Schneesportarten wie Ski-Langlauf oder Schneeschuhwandern mehr betrieben werden als in den Vorjahren. Stöckli kann sich ebenfalls gut vorstellen, dass nebst dem klassischen Skifahren auch Touring oder Freeriden ein Thema sein könnten.

Abseits der Skipiste unterwegs: Schneeschuhwandern könnte in diesem Winter eine interessante Alternative zum klassischen Skifahren sein.

Abseits der Skipiste unterwegs: Schneeschuhwandern könnte in diesem Winter eine interessante Alternative zum klassischen Skifahren sein.

Bild: Hanspeter Schiess

Die Chance auf Produkte neben den herkömmlichen Ski erkennen auch die Fachhändler. Marco Greco, Leiter Marketing bei Ochsner Sport, sagt: «Nebst dem breiten Ski Alpin-Sortiment haben wir mehr in Langlauf- und Tourenski investiert.» Der Konkurrent Intersport Schweiz spüre eine grössere Nachfrage nach Produkten dieser Sportarten. Roger Riegendinger, Leiter des Category Managements, sagt: «Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die Skigebiete nicht öffnen können. Schneeschuhe sind bei den Lieferanten bereits eher knapp verfügbar. Daher haben wir unsere Fachhändler informiert, sich mit diesen Produkten auseinanderzusetzen.» Langlauf oder Schneeschuhlaufen sind eine günstige Alternative zum alpinen Skifahren, da es für sie keine Bergbahnen und keine Skitageskarte braucht.

Geöffnete Skigebiete sind entscheidend

Trotz allem ist Skifahren die klar dominierende Wintersportart, weshalb für die Branche viel davon abhängt, dass die Skigebiete öffnen können. Haben die Bergbahnen zumindest im Dezember und Januar geöffnet, wäre ein gewisser Umsatz gesichert. In diesen beiden Monaten werden nämlich am meisten Ski verkauft. Öffnen die Skigebiete gar nicht, hätte dies gravierende Folgen. «Es sitzen alle im selben Boot. Wir wie auch andere Branchen wären dann wieder auf einen Rettungsschirm des Bundes angewiesen», sagt Roger Riegendinger.

Die Hoffnung ist aber vorhanden, dass eine geeignete Lösung gefunden wird und Ski gefahren werden kann. Letztendlich hängt alles vom Wetter ab. In den vergangenen Wochen schneite es aber bereits vermehrt, sodass etwa das Skigebiet Saas-Fee nebst den Pisten auf dem Gletscher weitere Pisten bis auf 2500 Metern öffnen konnte. Der Covid-Winter ist lanciert.