CEO-Abgang

Sika ist für das Endspiel gerüstet

Jan Jenisch spricht an der Aktionärsversammlung der Sika – nun wird er CEO bei LafargeHolcim.

Jan Jenisch spricht an der Aktionärsversammlung der Sika – nun wird er CEO bei LafargeHolcim.

Nach dem Abgang von CEO Jan Jenisch sei der Abwehrwille gegen die Gründerfamilie geschwächt, unken Beobachter. Präsident Paul Hälg verneint jedoch.

Diese Woche ging Kapitän Jan Jenisch runter vom Sika-Schiff. Er wechselt auf den CEO-Posten des ungleich grösseren Zementkonzerns LafargeHolcim. Sympathisanten der Sika-Gründerfamilie erkannten darin einen Vorteil für die Burkards. Jenisch sei eine wichtige Stütze im Abwehrkampf von Sika gewesen.

Vielleicht noch wichtiger aus Sicht der Familie: Jenischs Wechsel zeige, dass er nicht an eine Zukunft für sich beim Bauchemiekonzern Sika geglaubt habe. Die Burkards würden – selbst wenn sie vor Gericht unterlägen – früher oder später ihre Stimmrechte zurückerlangen und damit die Kontrolle über Sika. Präsident Paul Hälg werde bald weg sein. Jenisch ebenso.

Diese Botschaft liess die Familie schon an der Generalversammlung überbringen. Familien-Anwalt Urs Schenker sagte dort zu den Aktionären: «Sehen Sie ein, dass dieser Verwaltungsrat keine Zukunft hat.» Verhandlungen werde es nicht geben.

Es blieb still – bis jetzt

Der Sika-Verwaltungsrat blieb nach dem Abgang von Jenisch bisher recht still. Auf Anfrage lässt Paul Hälg jedoch ausrichten: «Dieser Wechsel wird in keiner Weise die Entschlossenheit und das Engagement der unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrates und der Mitglieder der Konzernleitung ändern im Hinblick auf den Kampf für eine unabhängige Sika.»

Aus dem Sika-Lager heisst es auch, Jenisch sei keineswegs eine entscheidende Figur im Abwehrkampf gewesen. Dafür zuständig seien stets Paul Hälg und die anderen unabhängigen Verwaltungsräte gewesen. Das entspricht der üblichen Aufgabenteilung. Der Verwaltungsrat kümmert sich um den Abwehrkampf, das Management um das Geschäft.

Hälg lässt sich mit einer weiteren Aussage zitieren. «Eine Lösung wird es nur geben mit der Zustimmung der Publikumsaktionäre.» Das klingt harmlos, doch bedeutet es: Sollte die Familie vor Gericht unterliegen, wird sie danach keineswegs nach Belieben über Sika verfügen können, wie Familienanwalt Urs Schenker dies behauptete. Die Familie wird nur verkaufen können, wenn auch die Publikumsaktionäre einverstanden sind, die immerhin 84 Prozent des Kapitals kontrollieren. Die Familie wird nur dann die unabhängigen Verwaltungsräte ersetzen können, wenn die Publikumsaktionäre einverstanden sind.

Ein anderes Szenario

Zum Endspiel um Sika haben Paul Hälg und die anderen unabhängigen Verwaltungsräte bisher nicht viel gesagt: Was passieren würde, wenn die Familie vor Gericht unterliegen würde; ob die Familie dann tatsächlich Hälg und die übrigen Verwaltungsräte abwählen könnte. Hälg beliess es bisher dabei, der Familie jeweils Verkaufsverhandlungen anzubieten. Sika hätte derzeit genügend freie Mittel, um ihr ihre Aktien abzukaufen.

Nun deutet Hälg mit seiner Aussage ein anderes Szenario an. Er könnte der Familie die Stimmrechte weiterhin aberkennen. Wenn die Familie nämlich vor Gericht unterliegen sollte und ihn danach würde abwählen wollen. Juristische Argumente dafür könnte der Verwaltungsrat wohl finden. Die Familie würde sonst dasselbe Spiel aufziehen: Die unabhängigen Verwaltungsräte zuerst abwählen, damit diese nicht in die Quere kommen, wenn die Familie einen Verkauf ihrer Aktien anstrebt – gegen den Willen der Publikumsaktionäre.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1