Siemens werde die Chancen eines Gebots für die auch vom amerikanischen Technologieriesen General Electric umworbene Alstom gegen die Risiken abwägen. "Und wenn die Dinge für uns überschaubar sind, entscheiden wir Ende des Monats, ob wir ein konkretes Angebot abgeben", erklärte der seit neun Monaten amtierende Manager dem deutschen Magazin "Spiegel".

Sollte Siemens sich entscheiden, in einen Bieter-Wettkampf mit den Amerikanern einzusteigen, kann der Münchner Elektrokonzern auf Wohlwollen der Politik setzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande betonten am Samstag in Stralsund, zunächst müsse man warten, ob Siemens ein formelles Angebot für ein Zusammengehen abgebe. Sollten die Firmen dies anstreben, würde die Bundesregierung dies "positiv begleiten".

Allerdings schränkte Merkel ein, es handle sich um unternehmerische Entscheidungen. "Da mischen wir uns jedenfalls von deutscher Seite nicht ein", sagte Merkel beim Treffen mit Hollande in ihrem ostdeutschen Wahlkreis. Hollande und sein Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatten Siemens um Hilfe gerufen, weil sie das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sehen und Arbeitsplatzverluste in Frankreich befürchten.

"Einschlägige Aktivitäten"

Kaeser sagte dem "Spiegel", er habe seit längerem Hinweise auf "einschlägige Aktivitäten" gehabt und wollte "dem Ganzen" - also dem Flirt von Alstom mit GE - "nicht tatenlos zusehen". Ausserdem habe er Alstom-Chef Patrick Kron bereits bei einem Antrittsbesuch im Februar Gespräche über eine Kooperation angeboten. "Aber er sagte, er habe kein Interesse", erklärte Kaeser.

Alstom bevorzugt das mehr als 12 Mrd. Euro schwere GE-Gebot für seine Energie-Abteilung, während die französische Regierung die Bildung von "europäischen Champions" durch Fusionen von Sparten der beiden Konzerne für die bessere Lösung hält. Alstom hat aber die Tür für Siemens offengelassen.

Die Münchner erwägen, die Energiesparte von Alstom zu übernehmen und im Gegenzug die Produktion von ICE-Zügen an den Hersteller der TGV-Züge abzugeben. Dem "Spiegel" sagte Kaeser weiter, die Zugsparte von Siemens sei auch allein überlebensfähig, "bei einer ausverkauften Alstom wäre ich mir für deren Zuggeschäft nicht so sicher".

Hollande betonte am Samstag, es gehe vor allem um eine Entscheidung der Industrieunternehmen. Die französische Regierung werde aber darauf achten, was das Beste für die Beschäftigten von Alstom und Siemens sei und wo die Entscheidungszentren bei einer Fusion liegen würden. Hollande sagte, die Gespräche mit der Kanzlerin und die von Montebourg mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Freitag hätten zunächst dazu gedient, sich über die Positionen beider Regierungen klarzuwerden.

Am Mittwoch hatte Kaeser erklärt, er habe sich im Übernahmepoker um die Energietechnik von Alstom mit Merkel abgestimmt. Am Freitag war der Siemens-Chef nach Angaben aus französischen Regierungskreisen in Paris zu Gesprächen mit Beratern von Hollande.