Die Schweiz wird kaum betroffen sein, wie das Unternehmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda am Donnerstag sagte. In den betroffenen Divisionen hat Siemens in der Schweiz keine Produktionsstätten.

Die Turbinen-Werke in Görlitz und Leipzig sollen hingegen geschlossen werden, das Werk in Erfurt wird womöglich verkauft. Mit Abstand am stärksten betroffen ist die Kraftwerks-Sparte, die unter der Energiewende leidet. "Wir werden diese Massnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen", versprach Personalchefin Janina Kugel.

Ob Siemens ohne Entlassungen auskommen werde, liess sie offen. Möglichst viele der Betroffenen sollten auf die 3200 freien Stellen im Konzern vermittelt werden. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall kündigte umgehend Widerstand an.

Insgesamt streicht Siemens 6900 Stellen. Allein 6100 davon entfallen auf die Kraftwerkssparte, davon 2600 in Deutschland. Siemens müsse "Antworten auf die weltweiten Überkapazitäten und den dadurch ausgelösten Preisdruck finden", sagte Kugel. Neben Görlitz (720 Arbeitsplätze) und Leipzig (200) sind Offenbach, Erlangen, Erfurt sowie die grossen Werke in Berlin (300) und Mülheim an der Ruhr (640) betroffen. Bei elektrischen Antrieben werden 760 Arbeitsplätze gestrichen, der grösste Teil davon in Berlin. Auch hier gebe es deutliche Überkapazitäten. Geschlossen werde das Dynamo-Werk in Berlin aber nicht.

"Ein Stellenabbau in dieser Grössenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel", liess die Gewerkschaft verlauten. Er sei "nicht einmal eine ernsthafte Diskussionsgrundlage" für die Arbeitnehmervertreter. Der Gewerkschafter warf dem Siemens-Vorstand vor, "trotz wiederholter Appelle" nicht rechtzeitig auf die Krise in der konventionellen Kraftwerkstechnik reagiert zu haben.

Angesichts des Vormarsches der Erneuerbaren Energie aus Wind und Sonne sinkt die Nachfrage nach Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, drastisch. Aber auch im Geschäft mit Erneuerbaren Energien hat Siemens Probleme: Die fusionierte Windanlagen-Tochter Siemens Gamesa hat bereits den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Die IG Metall beharre auf dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und Werksschliessungen, der bei Siemens seit 2010 gilt. Ausnahmen könne es nur geben, wenn das Unternehmen als Ganzes gefährdet sei. Davon könne angesichts der Rekordzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 aber keine Rede sein. Selbst die Kraftwerkssparte habe mehr als acht Prozent Umsatzrendite erwirtschaftet.